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Kultur

Wachsendes Müllproblem im Weltall

Nicht nur auf der Erde, auch im Weltraum wird Müll immer mehr zu Problem. Denn der stetig anwachsende Schrott im All gefährdet zunehmend die Raumfahrt.

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Computersimulation des Weltraummülls rund um die Erde

"Wenn wir nichts tun, werden wir in den kommenden Jahrzehnten einige katastrophale Unfälle erleben", warnt Heiner Klinkrad vom Europäischen Raumfahrtkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Nach Schätzungen der Experten umkreisen zurzeit mehr als 100.000 Wrackteile den Planeten. Bei einem Zusammenstoß können sie Satelliten und andere Flugkörper beschädigen oder zerstören.

Der Schrott stammt überwiegend aus den rund 180 Explosionen von Raketen und Satelliten in den vergangenen 40 Jahren. Hinzu kommen ausgebrannte Raketenstufen und Werkzeuge, die Astronauten bei ihren Weltraumausflügen aus den Händen geglitten sind. So rasen etwa ein Arbeitshandschuh und ein Schraubenzieher mit rund 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Wehe dem, der ihnen in die Quere kommt.

Beobachtete Bahnen

Startklar: Space Shuttle Endeavour im Kennedy Space Center

Bedrohung durch Weltraumschrott für Flüge ins All

Die Bahnen von etwa 9000 größeren Trümmern werden von der Erde aus ständig beobachtet und berechnet. Erst kürzlich musste der 2,3 Milliarden Euro teure europäische Umweltsatellit Envisat vor einem Raumfahrtswrack in Sicherheit gebracht werden. Das kostet Zeit und Sprit. "Noch sind solche Manöver die Ausnahme, aber schon bald könnten sie die Regel werden", meint Klinkrad. Denn niemand kann verhindern, dass Schrott auf Schrott knallt. "Dann werden aus zwei Teilen plötzlich hunderte - und damit wächst die Gefahr neuer Kollisionen", beschreibt der Experte den befürchteten Schneeballeffekt.

Helfen könnte ein großer Weltraumstaubsauger, "doch den gibt es höchstens in der Science-Fiction", bedauert Klinkrad. So bleibt nur die Selbstreinigungskraft durch die Erdanziehung. Je nach Größe und Gewicht sinkt jedes Teil manchmal schon nach wenigen Monaten, meist aber erst nach Jahrzehnten in die Atmosphäre und verglüht. Einige wenige schlagen auch auf der Erde auf. Allerdings produziert in der Zwischenzeit die wachsende Zahl der Raumfahrtnationen jede Menge neuen Müll.

Sprit und Geld

Columbia-Katastrophe

Strenge Überwachung der Schrottreste durch Flugkontrolle

Wie auf der Erde lautet die Devise deshalb Abfallvermeidung. So könnten ausgediente Satelliten auf eine so genannte Friedhofsbahn geschossen und abgebrannte Raketenstufen gezielt zum Absturz gebracht werden. "Aber dafür braucht man Sprit", sagt Klinkrad, "und jedes zusätzliche Kilo Last kostet in der Raumfahrt eine Menge Geld".

Nicht zuletzt aus diesem Grund werden die Möglichkeiten der Müllvermeidung längst nicht ausgeschöpft. Auch scheint es noch immer Betreiber zu geben, die ausgediente Satelliten einfach sich selbst überlassen und sich nicht um deren Entsorgung kümmern. Klinkrad will das allerdings nicht bestätigen: "Ich glaube nicht, dass das heute noch jemand absichtlich macht." Seine Hoffnung liegt in der Tatsache begründet, dass ein zugemüllter Weltraum allen schadet. Diese Einsicht könnte dazu führen, dass der Umweltschutz künftig auch für den Weg zu den Sternen gilt. (mik)

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