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Nahost

Wachsender Widerstand

Der Vormarsch der alliierten Truppen in Richtung Bagdad ist offensichtlich ins Stocken geraten. US-Fallschirmjäger landeten in Nordirak. Gleichzeitig werden starke irakische Truppenbewegungen beobachtet.

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Kein Frieden in Sicht

In Nordirak sind in der Nacht zum Donnerstag (27.03.2003) Fallschirmjäger der US-Armee gelandet. Dies sei die erste größere Truppenstationierung in diesem Teil des Landes, teilte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington mit. Ursprünglich wollte die US-Armee von der Türkei aus in den von Kurden kontrollierten Norden Iraks einmarschieren und so eine Nordfront aufbauen. Das Parlament in Ankara hatte jedoch die geforderte Stationierung von 62.000 amerikanischen Soldaten abgelehnt.

Nach Angaben der irakischen Führung ist der Vormarsch der amerikanischen und britischen Truppen nach Bagdad vorerst gestoppt worden. "Sie bewegen sich nicht mehr vorwärts", sagte Informationsminister Mohammed Sajjid el Sahhaf in Bagdad. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon meldete kein weiteres Vorrücken der alliierten Verbände auf Bagdad seit Dienstag. Er sprach in London nur von "bedeutenden Fortschritten seit Freitag". Die USA wollen ihre Truppen im Irak noch einmal um 30.000 Mann verstärken und gleichzeitig ihre Strategie. Vorrang soll zunächst die Bekämpfung des irakischen Widerstand im der Mitte und im Süden des Landes haben.

"Der Krieg ist noch lange nicht vorbei"

Große irakische Verbände formierten sich nach britischen und amerikanischen Medienberichten anscheinend zu Gegenangriffen. Nahezu 1000 zum Teil gepanzerte Fahrzeuge sollen sich von Bagdad aus auf US-Einheiten in der Gegend um Nadschaf zu bewegen. Nach einem Bericht eines BBC-Reporters soll sich außerdem eine irakische Militärkolonne mit 70 bis 120 Panzer und Panzerfahrzeugen südöstlich von Basra in Richtung auf die strategisch wichtige Halbinsel Fau in Bewegung gesetzt haben. Die Kolonne werde von alliierten Flugzeugen beschossen.

US-Präsident George W. Bush sagte wenige Stunden vor einem Treffen mit dem britischen Premierminister Tony Blair, der Krieg sei noch lange nicht vorbei. Je näher die US-Truppen Bagdad kämen, desto gefährlicher werde es, warnte Bush auf dem MacDill-Luftwaffenstützpunkt in Florida. Vor Bagdad würden die US-Soldaten auf die "verzweifeltsten Elemente" des Regimes treffen. Dennoch sei der Ausgang sicher. Die letzten Tage des Regimes von Saddam Hussein seien nahe.

"Schwerste Luftangriffe seit Kriegsbeginn"

Bagdad war am Mittwochabend erneut Ziel massiver US-Luftangriffe. Augenzeugen berichteten von einer Serie sehr schwerer Explosionen in den südlichen Außenbezirken, wo Spezialeinheiten der Republikanischen Garden Saddams zur Verteidigung Bagdads Stellung bezogen haben. Der Fernsehsender El Dschasira berichtete von den "schwersten Luftangriffen" auf die Fünf-Millionen-Metropole seit Beginn des Krieges.

Bei zwei schweren Explosionen in einer belebten Geschäftsstraße im Nordosten Bagdads sind am Mittwoch mindestens 15 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Es handelt sich um die bislang größte Tragödie mit zivilen Opfern in Bagdad seit Beginn des Krieges vor einer Woche. In einer Mitteilung des US-Oberkommandos hieß es dazu, es seien Raketenabschussrampen bombardiert worden, die in einem Wohngebiet stationiert waren.

UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte die im Irak Krieg führenden Staaten auf, Zivilisten zu verschonen. Er sei "in wachsendem Maße besorgt über zivile Opfer". Er forderte in New York die Einhaltung der internationalen Regeln zum Schutz von Zivilisten in Kriegen. Vor einer offenen Debatte des Weltsicherheitsrats zum Irak-Krieg berief er alle UN-Hilfsagenturen zu einer Krisensitzung nach New York.

Massive Hilfe erforderlich

Nach Einschätzung des Welternährungsprogramm der UNO (WFP) wird im Irak möglicherweise das größte Hilfsprogramm der Geschichte nötig sein, um nach dem Krieg die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung zu sichern. Etwa 27 Millionen Menschen würden nach dem Krieg Lebensmittel benötigen, sagte ein WFP-Sprecher in Rom.

Inmitten der schweren Kämpfe im Irak ist eine Debatte um den militärischen und finanziellen Beitrag Deutschlands für den Wiederaufbau entbrannt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und Verteidigungsminister Peter Struck ließen einen möglichen Einsatz deutscher UN-Blauhelm-Soldaten beim Wiederaufbau nach dem Krieg offen.

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.

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