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Der Irak und die Kurden

Wachsende Sorge vor Konflikt zwischen Iraks Armee und Kurden

Die Peschmerga-Kämpfer werfen den Regierungskräften vor, einen "Krieg gegen Kurdistan" vorzubereiten. Die Führung in Bagdad weist die Vorwürfe zurück, doch werden in der Ölregion Kirkuk unverkennbar Tatsachen geschaffen.

Eine Gruppe von Peschmerga-Kämpfern in der Ortschaft Sheikh Amir (Foto: Reuters/M. Bosch)

Eine Gruppe von Peschmerga-Kämpfern in der Ortschaft Sheikh Amir

Die Kurden bereiten sich auf einen möglichen Angriff des Iraks in der ölreichen Region Kirkuk vor. "Zehntausende kurdische Peschmerga und Sicherheitskräfte sind bereits in und rund um Kirkuk stationiert", sagte der Vizepräsident der Region, Kosrat Rassul, dem kurdischen Fernsehsender Rudaw. "Mindestens 6000 Peschmerga sind seit Donnerstagabend dazugekommen, um der Bedrohung durch irakische Einsatzkräfte entgegenzutreten." Das Generalkommando der Peschmerga-Kämpfer warf Iraks Regierungskräften vor, einen "Krieg gegen Kurdistan" vorzubereiten. Als Peschmerga werden die Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan bezeichnet.

Der Vizepräsident der Region Kirkuk, Kosrat Rassul (Mitte), bei einem Auftritt vor wenigen Tagen in Suleimanija (Foto: picture-alliance/Anadolu Agency/Y. Keles)

Der Vizepräsident der Region Kirkuk, Kosrat Rassul (Mitte), bei einem Auftritt vor wenigen Tagen in Suleimanija

Die irakische Armee und schiitische Milizen rückten tatsächlich südlich der Stadt Kirkuk ohne Kämpfe in Gebiete vor, die seit mehr als drei Jahren von Kurden kontrolliert wurden. Die Militärführung in Bagdad wies Meldungen über den Beginn einer gegen die Kurden gerichteten Operation allerdings zurück. Die Einheiten bei Kirkuk seien weiterhin dabei, von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) befreites Gebiet zu durchkämmen, hieß es in einer Erklärung. Ein hoher Offizier teilte mit, Armee und verbündete Milizen seien in Gebiete vorgerückt, die die Kurden in der Nacht zum Freitag verlassen hätten.

Regierungschef Al-Abadi: Will keinen arabisch-kurdischen Konflikt

Auch Ministerpräsident Haidar al-Abadi bekräftigte in Mitteilungen über Twitter, die Regierungskräfte könnten und würden keine irakischen Bürger angreifen, seien es Araber oder Kurden. Er wolle keinen arabisch-kurdischen Konflikt. In der ölreichen Provinz Kirkuk sind die Fronten zwischen Kurden und Zentralregierung besonders verhärtet, weil diese von beiden Seiten beansprucht wird. Die Peschmerga hatten im Sommer 2014 die Kontrolle über die Provinz übernommen, nachdem die Armee vor dem Ansturm der IS-Miliz geflohen war. Die Kurden exportieren von Kirkuk aus Öl über eine Pipeline in die Türkei. Irakische Regierungskräfte hatten Anfang des Monates südwestlich von Kirkuk die vom IS kontrollierte Stadt Hawidscha und deren Umland befreit. Damit kontrollieren die Extremisten nur noch Gebiete im Westen des Landes.

Ein Peschmerga-Kämpfer bewacht in der Nähe von Kirkuk gefangen genommene IS-Angehörige (Foto: Reuters/A. Rasheed)

Ein Peschmerga-Kämpfer bewacht in der Nähe von Kirkuk gefangen genommene IS-Angehörige

Die Kurden im Nordirak hatten sich im September in einem umstrittenen Referendum mit überwältigender Mehrheit für die Abspaltung vom Irak ausgesprochen. Bagdad lehnte die Volksabstimmung jedoch als verfassungswidrig ab und pocht auf die Einheit des Landes. Auch die Nachbarn Türkei und Iran erklärten das Referendum für null und nichtig. Wie die Zentralregierung haben sie den Luftraum der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak geschlossen.

sti/ww (afp, dpa, rtr)