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Aktuell Nahost

Wütende Proteste gegen Präsidentschaftskandidaten

Nach der Bekanntgabe der beiden Kandidaten für die Stichwahl um das Präsidentenamt in Ägypten ist es zu Protesten gekommen. Ein Islamist tritt gegen einen Mubarak-Vertrauten an.

In Kairo und anderen ägyptischen Städten protestierten einige tausend Menschen gegen die beiden Kandidaten, den Chef der islamistischen Moslembruderschaft, Mohammed Mursi, und den letzten Ministerpräsidenten des im Februar 2011 gestürzten Präsidenten Husni Mubarak, Ahmed Schafik. Die Demonstranten warfen ihnen Wahlmanipulation vor.

Auf dem zentralen und symbolträchtigen Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich nach Medienberichten in der Nacht zum Dienstag (29.05.2012) rund 2000 Menschen und riefen: "Das Volk will das Regime zum zweiten Mal stürzen!" Gleichzeitig griffen Demonstranten das Wahlkampfbüro von Schafik an.

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Ägypten: Angriff auf Präsidentschaftskandidatenbüro

Wie Sicherheitskräfte und Augenzeugen berichteten, warfen die Angreifer Fensterschieben ein, zerrissen Wahlplakate und legten dann in dem Gebäudekomplex Feuer. Der Brand habe schnell gelöscht werden können. Menschen seien nicht zu Schaden gekommen.

Zuvor hatte die Wahlkommission offiziell das Ergebnis der ersten Runde der Präsidentenwahl vom 23. und 24. Mai bekanntgegeben. Danach lliegt Mohammed Mursi mit 5,76 Millionen Stimmen oder rund 25 Prozent im ersten Wahlgang vorn und tritt in der Stichwahl am 16. und 17. Juni gegen den zweitplatzierten Ahmed Schafik an. Der frühere Mubarak-Gefolgsmann erhielt 5,5 Millionen Stimmen. Der linksgerichtete Kandidat Hamdien Sabbahi kam mit 4,82 Millionen Stimmen auf Platz drei. Die Wahlbeteiligung lag bei 46,4 Prozent. Beschwerden mehrerer Kandidaten wies die Wahlkommission gleichzeitig als unbegründet zurück.

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter erklärte, die Wahl sei im Großen und Ganzen akzeptabel verlaufen. Die 102 Beobachter seines Carter Centers hätten zwar Wahlverstöße festgestellt, die Unregelmäßigkeiten würden das Endergebnis jedoch nicht beeinträchtigen.

Demonstranten schleuderten Wahlkampfmaterial des Kandidaten Schafik auf den Boden (Foto: Reuters)

Demonstranten schleuderten Wahlkampfmaterial des Kandidaten Schafik auf den Boden

Die beiden Bestplatzierten begannen bereits mit dem Wahlkampf. Schafik erklärte in Kairo: "Ich verspreche allen Ägyptern eine neue Ära." Die Muslimbruderschaft umwarb nach Agenturberichten einige der in der ersten Runde unterlegenen Kandidaten. Unter anderem sollen ihnen die Vize-Präsidentschaft und wichtige Posten in der nächsten Regierung angeboten worden sein, falls sie ihre Anhänger im Juni zur Wahl Mursis aufriefen. Die Moslembrüder waren bei der Parlamentswahl im November stärkste Kraft geworden.

wl/se (dpa, afp, rtr, dapd)

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