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Global Ideas

Wüste: Lebensfeindlicher Lebensraum

Trocken, heiß, unwirtlich: Und doch sind Wüsten die Heimat vieler Lebensformen. Für angrenzende Gebiete werden Wüsten immer mehr zum Problem. Der Rest des Planeten profitiert von ihnen auf ungeahnte Weise.

Wüsten sind die ultimativen Grenzgebiete. Hier präsentiert sich die Erde wie ein anderer Planet - weite, trockene Regionen, oft steinige oder sandige Einöden. Reduziert auf ihre nackte geologische Beschaffenheit, wirken sie in jeder Hinsicht lebensfeindlich.

Tagsüber klettert das Thermometer bis auf über 45 Grad, nachts kann es frieren: Heiß und Kalt liegen hier weit auseinander. Leben und Tod dafür umso näher - manchmal so nah, dass man es kaum unterscheiden kann. Einige Pflanzen und Tiere können für Wochen, Monate oder Jahre in einen faktisch toten Zustand wechseln, nur um beim ersten Regen wieder zum Leben zu erwachen. Doch der größte Teil des Lebens auf der Erde meidet Wüsten.

In ihren verschiedenen Formen - ob aus Sand oder Stein - bedecken Wüsten rund ein Drittel der Erdoberfläche. Auf jeden Quadratmeter fallen hier im Schnitt weniger als 250 Liter Regen pro Jahr. Das ist weniger als ein Drittel dessen, was etwa in einer Stadt wie Rom niederregnet. Dazu kommen trockene Böden und niedrige Grundwasserpegel - und schon gar kein Fluss, wie er etwa durch die italienische Hauptstadt fließt.

Nur die Angepassten überleben

Sahara im Südosten von Marokko (Bildergalerie)

Wasser ist Voraussetzung für Leben in der Wüste

Wer in der Wüste überleben will, muss extrem an die unwirtlichen Bedingungen angepasst sein. Das gilt für Menschen, Tiere und Pflanzen gleichermaßen. Und solche Anpassungen brauchen Zeit. Viel Zeit. Menschen haben hier über Jahrhunderte Gemeinschaftsstrukturen begründet, die ihnen ein Überleben ermöglichen. Tiere und Pflanzen hat die Evolution über Jahrtausende an die Wüstenumgebung angepasst. Für alle Lebewesen gilt: Ohne Zugang zu Wasser geht gar nichts. Wer mit dieser Ressource nicht effizient umgeht, hat verloren.

Wasserführende Gesteinsschichten im Untergrund versorgen natürliche Oasen oder von Menschen gebaute Brunnen. Die Wasserquellen sind zentrale Anlaufstelle oder Heimstadt für viele Menschen, wie etwa die Oase Hanabou in Marokko.

Auch große Säuger wie Elefanten oder Spitzmaulnashörner sind auf Wasserstellen angewiesen. Kleinere Säugetiere wie der Spießbock, eine Antilopenart in Namibia, müssen kein Wasser trinken - der Wassergehalt in der Nahrung deckt ihre Bedürfnisse. Und manche Käferarten melken den Morgennebel mit ihrem Körper, an dem sich Kondenswasser niederschlägt, das sie dann trinken. Wenn auch das nicht reicht, können kleinste Wesen wie etwa Bärtierchen in einzelnen Entwicklungsstadien sogar völlig ausgetrocknet und praktisch leblos lange Zeit existieren.

Pflanzen können natürlich nicht zu Wasserstellen laufen. Aber dorthin wachsen. Tiefe Wurzeln helfen dabei, wasserhaltige Bodenschichten direkt anzuzapfen. Rekordhalter ist vermutlich der Mesquitebaum, der in den Wüstengebieten Nordamerikas mit seinen Wurzeln Wasservorkommen in mehr als 50 Metern Tiefe erreichen kann. Ansonsten heißt es: Warten bis der Regen kommt. Einige Kakteen können dann in kurzer Zeit Tausende Liter Wasser aufnehmen und anschließend Monate oder Jahre lang ohne weiteren Niederschlag überdauern, weil sie gute Wassersparer und -speicher sind - ihr Gewebe kann viel Wasser halten und die wachsige Oberfläche verhindert, dass es verdunstet.

Wenn die Wüste kommt

Symbolbild Wüste Dürre

Wohin sich die Wüste ausbreitet, wächst kaum mehr etwas

Doch mit der Wüste auseinandersetzen müssen sich auch Menschen, die nicht in ihr leben. Zumindest nicht mittendrin. Im bisher umfassendsten Bericht zum Thema von 2005 schätzt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), dass rund zwei Milliarden Menschen weltweit in Trockengebieten leben. Bis zu einem Fünftel dieser Flächen sind bereits degradiert und zu Wüsten geworden. Mehrere hundert Millionen Menschen leben in Gebieten, die die Wüste eingeholt hat oder die davon bedroht sind.

Hauptgrund für diese Ver-Wüstung ist der Mensch. Durch die übermäßige landwirtschaftliche Nutzung von Böden verschwinden gerade die Pflanzen, die auch in Trockenzeiten noch existieren können. Ohne die sind Böden schutzlos - sie trocknen aus, und weil unfruchtbare Bodenschichten keinen Halt mehr haben, trägt der Wind sie ab. Darin verteilte Pflanzensamen verschwinden so ebenfalls. Das Ergebnis sind karge Böden, auf denen schließlich so gut wie nichts mehr gedeiht - auch keine noch so robusten Anbau-Pflanzen.

"Lange war die Ausbreitung der Wüsten ein Phänomen, das in erster Linie als naturwissenschaftliches Problem aufgefasst wurde", sagt Mariam Akhtar-Schuster von DesertNet International, einem weltweit führenden Netzwerk von Wissenschaftlern, die sich mit Trockengebieten befassen. Aber die Realisierung, dass der Mensch hauptverantwortlich für die Wüstenausbreitung ist, habe dazu geführt, dass auch die sozialen Aspekte des Problems in den Fokus kamen, fügt sie hinzu. "Jeder Lösungsansatz muss daher die Menschen vor Ort einbeziehen."

Hauptproblem und Hauptlösung: der Mensch

Fortschreitende Wüstenbildung in Indien

Als Hauptverursacher der Wüstenbildung muss der Mensch Teil jeder Lösung sein

Und das betrifft vor allem ihre Lebensgrundlage: die Landwirtschaft. Die Übernutzung der Böden in eine nachhaltige Bewirtschaftung zu überführen, braucht Überzeugungsarbeit. Andere Nutzpflanzen müssen angebaut, die Flächen weniger stark bebaut werden. Das geht nur, wenn die betroffenen Bauern konkrete Alternativen für Ihren Lebensunterhalt sehen.

Die Ausbreitung der Wüste kann aber nicht nur aufgehalten, sondern auch teilweise rückgängig gemacht werden. Arganbäume in Marokko oder wassersparende, schnellwachsende Neem-Bäume in Peru geben den Böden buchstäblich Halt und reduzieren die weitere Erosion. Das funktioniert sogar mitten in der Wüste - in Ägypten entstehen hier ganze Wälder. Dafür sind nicht einmal große Wassermengen nötig. Es müssen nur gezielt die Wurzeln der Setzlinge bewässert werden.

Wüsten und der Klimawandel

Saharastaub

Wenn Wüstenstaub sich auf die Reise macht, profitiert auch die Welt davon

Solche Maßnahmen werden in Zukunft noch wichtiger - denn der Klimawandel sorgt jetzt schon dafür, dass auch in den Trockengebieten der Welt die Temperaturen steigen, Dürreperioden länger und Niederschläge unregelmäßiger werden.

Inwieweit die Klimaerwärmung alleine die Wüstenausbreitung antreibt, ist schwer feststellbar. Als sicher gilt aber, dass der Klimawandel die von Menschen verursachte Wüstenbildung verstärkt.

Aber auch wenn Wüstenregionen lebensfeindlich sind, bewirkt ihr Einfluss auf dem Rest des Planeten eher das Gegenteil. Hunderte Millionen Tonnen Saharastaub werden vom Wind in die Atmosphäre getragen und auf den Atlantik geweht, wo er im Wasser das Wachstum von CO2 speichernden Organismen fördert. Der Rest des Staubes fliegt weiter nach Südamerika. Dort füttert er als wichtiger Mineralienlieferant den Amazonas-Regenwald - die grüne Lunge der Erde.