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Afrika

Würzburger Africa Festival trotzt dem Hochwasser

Regenmäntel und Improvisation waren am Wochenende in Würzburg gefragt. Während des 25. Africa Festivals musste das Gelände wegen Hochwassers geräumt werden. Konzerte fanden trotzdem statt.

Habib Koité sorgt im Trockenen für gute Stimmung (Foto: DW/Aude Gensbittel)

Habib Koité sorgt im Trockenen für gute Stimmung

Dauerregen, Hochwasser, Evakuierung und die Absage von längst geplanten Konzerten: So haben sich Veranstalter, Musiker und Besucher das große Jubiläum des Würzburger Africa Festivals sicher nicht vorgestellt. Dabei fängt alles so gut an. Am Donnerstag (30.05.2013), dem ersten der vier Festivaltage, kommen bereits rund 15.500 Besucher zum Mainufer, wo das Festival seinen Stammplatz hat. Zwar beginnt es am Abend zu regnen, doch das stört die Zuhörer im großen Zelt zu diesem Zeitpunkt noch wenig. Begeistert lauschen sie einer Legende der afrikanischen Musik: dem 79-jährigen Saxophonisten Manu Dibango aus Kamerun. Er ist in diesem Jahr Schirmherr des Festivals, das sich seit seiner ersten Ausgabe 1989 als feste Größe der afrikanischen Musikszene in Deutschland etabliert hat. Als eines der ältesten und größten Festivals dieser Art in Europa findet es auch international große Beachtung.

Verschlossene Tore und eine neue Bühne

Zuschauer vor der Bühne des Africa Festivals in Würzburg (Foto: DW/Aude Gensbittel)

Am ersten Tag konnte das Programm noch draußen stattfinden

Nach einer verregneten Nacht stehen die erstaunten Besucher am nächsten Morgen vor verschlossenen Toren. Die Veranstalter haben das Festivalgelände gesperrt und die Händler des afrikanischen Marktes sind schon dabei, ihre Waren einzupacken. In der Nacht sei sehr viel Regen gefallen und man rechne damit, dass der Main bald über die Ufer trete und das Gelände dann überschwemmt werde, erklärt Karl-Georg Moser, zuständig für Sicherheit und rechtliche Angelegenheiten des Festivals. "Deswegen müssen wir einen geordneten Rückzug machen." Das Rahmenprogramm wird zu einem großen Teil abgesagt, die Abendkonzerte werden spontan in die große Posthalle im Zentrum von Würzburg verlegt.

Innerhalb weniger Stunden bauen Veranstalter und Helfer eine Bühne auf und richten den Saal für Konzerte her. So können die großen Stars doch noch auftreten, darunter der Gitarrist und Sänger Habib Koité aus Mali, sein Landsmann Salif Keïta und die Sängerin Nancy Vieira von den Kapverden. Ebenfalls dabei ist Youssou N'Dour, der in seinem Heimatland Senegal nicht nur als Pop-Star, sondern auch als Minister für Tourismus und Kultur bekannt ist. Auch der Reggae-Star Alpha Blondy aus der Elfenbeinküste tritt auf.

Hochwasser beim Africa Festival in Würzburg (Foto: DW/Aude Gensbittel)

Das Hochwasser machte Musikern und Besuchern einen Strich durch die Rechnung

Nicht alle Stars können auftreten

An der Abendkasse kaufen Besucher die letzten Tickets. Am Ende sind die jeweils 2500 Plätze für die drei Abende ausverkauft, und als Habib Koité am Freitagabend die Bühne betritt, herrscht ausgelassene Festival-Stimmung in der Halle. Das Hochwasser scheint vergessen. "Es ist super improvisiert", lobt ein Besucher, der bewundert, dass man so schnell einen anderen Veranstaltungsort für so ein großes Publikum gefunden hat. "Das Konzert von Habib Koité war schön, aber im Zelt wäre es noch schöner gewesen", bedauert eine andere Besucherin. "Wir sind alle ein bisschen traurig, dass so etwas passiert", erzählt auch ein Senegalese aus dem Publikum. "Denn dank dieses Festivals interessieren sich die Leute mehr für Afrika." Er könne sich damit trösten, Stars wie Salif Keïta, Youssou N'Dour und Alpha Blondy live zu erleben, auch wenn viele andere Programmpunkte ausfielen. Gerade das bedauert eine Festivalbesucherin: "Die Künstler von der offenen Bühne kommen nicht zum Zuge." Diese Plattform teilen sich in Würzburg jedes Jahr bekannte und weniger bekannte Künstler.

Unter ihnen herrscht nun große Entäuschung: "Wir hätten unsere Musik gern den großen afrikanischen Musikern und dem Publikum in Würzburg vorgestellt", sagt die deutsch-amerikanische Gitarristin Leni Stern, die am zweiten Tag mit senegalesischen Musikern auftreten sollte. Auch das Duo Malick Pathé Sow und Bao Sissoko aus dem Senegal bedauert die verpasste Gelegenheit, zum ersten Mal in Würzburg aufzutreten: "Wir hätten demonstrieren können, was wir spielen und was wir zu diesem tollen Festival hätten beitragen können", sagt Malick Pathé Sow. Für Musiker sei es besonders wichtig, in Deutschland aufzutreten, denn dieses Land habe die afrikanische Musik sehr vorangetrieben. "Das Schicksal hat es anders entschieden", so der Künstler. "Aber vielleicht nächstes Jahr - wer weiß …?"

Teile des Tagesprogramms gerettet

Andere haben Glück im Unglück: Das Ensemble Adesa aus Ghana kommt seit der ersten Festivalausgabe nach Würzburg. Auch in diesem Jahr kann ihr Kinderprogramm stattfinden. Eine Lösung gibt es auch für die senegalesische Modeschöpferin Rama Diaw. Statt unter freiem Himmel stellt sie ihre neue Kollektion in der Konzerthalle vor. "Am Anfang war ich niedergeschmettert, dachte aber, dass man gegen eine Naturkatastrophe sowieso nichts tun kann", erzählt sie. "Aber nach und nach hat man Lösungen gefunden. Ich bin sehr erleichtert, denn ich habe mehrere Monate an der Kollektion gearbeitet."

Das Mitgefühl vieler Festivalbesucher gilt den Händlern der über 70 Stände des afrikanischen Marktes, die nun kein Geld verdienen können. Gemeinsam mit den Betreibern der 20 Imbiss-Stände gehören sie zu denen, die von finanziellen Verlusten durch das schlechte Wetter am schwersten betroffen sind.

Sperre mit Durchfahrt verboten-Schild (Foto: DW/Aude Gensbittel)

Für die Zukunft wollen die Veranstalter einen sichereren Ort für das Festival finden

Festival nicht in Frage gestellt

Wie hoch die Verluste für die Festival-Veranstalter sind, können diese zurzeit noch nicht einschätzen. Ein Spendenaufruf läuft bereits. Doch auch wenn das 25. Jubiläum nicht so feierlich verlief wie ursprünglich geplant, fällt die Bilanz relativ positiv aus: "Wir sind glücklich, dass wir zumindest den Kern des Festivals retten konnten", betont Festivalgründer Stefan Oschmann. Am Main habe es noch nie solche Überschwemmungen gegeben und mit Blick auf die Zukunft müsse man den Aspekt der Klimaveränderung in die Planung mit einbeziehen. Deswegen will man nach einem alternativen Veranstaltungsort in Würzburg suchen. Denn ein 26. Africa Festival wird es geben - daran lässt Stefan Oschmann keinen Zweifel.

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