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Europa

Würdevoller Tod oder qualvolles Sterben?

Stierkämpfe in Spanien – das Thema wird kontrovers diskutiert. Doch nur sehr selten kommen dabei die zu Wort, die die Tiere am besten kennen: Die Züchter verbringen mit den Stieren vier Jahre auf den Feldern.

Ein Stier nimmt einen Stierkämpfer auf die Hörner (Foto: AP)

Stierkampf ist ein kontroverses Thema

Zwei Stiere streiten sich. Immer wieder stoßen sie mit ihren Hörnern aneinander und sind sogar aus der Weide ausgebrochen. Manuel Sanz versucht die beiden Tiere mit seinem Geländewagen wieder zurück zu treiben. Am Ende folgen sie ihm tatsächlich.

Nur die besten Tiere für die Arena

Ein Stier liegt auf dem Boden einer Arena (Foto: AP)

Bis zum Kampf in der Arena hatte der Stier ein schönes Leben auf einer Weide

Jetzt beginnt für den Stierzüchter Sanz in Colmenar Viejo die tägliche Routine: die Fahrt mit dem Traktor und dem Anhänger voller Heuballen und Trockenfutter über die Felder der Vorgebirgslandschaft der Sierra de Guardarama, der Berge von Madrid. Auf 400 Hektar züchtet er Stiere – 100 Hektar davon gehören ihm selbst. Früher sei hier Korn angebaut worden, aber die Erntemaschinen könnten in diesem hügeligen Gelände nicht fahren, erklärt er.

Sechs schwarze Stiere kommen neugierig näher, während Manuel Sanz und sein Helfer Heu und Trockenfutter in die Tröge schütten. "Das hier sind die Stiere für die Saison nächstes Jahr. Sie sind drei Jahre alt. Jetzt behandeln wir sie besonders gut, geben ihnen mehr Trockenfutter, damit der Stier sich gut entwickelt, sich wohl fühlt", sagt Sanz.

Ein würdevoller Tod

Mit vier Jahren kommt ein Stier in die Stierkampfarena. Nur die besten und kräftigsten Zuchtstiere sucht Manuel Sanz dafür aus. Auch die Mütter für die Stiere werden gut ausgesucht: Er schickt die Kühe zur Auswahl gelegentlich in die Arena und sticht ihnen dort mit Lanzen in den Nacken. Nur wenn eine Kuh sich davon nicht erschrecken lässt, taugt sie als Muttertier für einen Stier, der es verdient hat, in der Arena zu sterben.

Denn der Tod in der Arena ist die Bestimmung des Tiers und ein guter Kampf ist eine Auszeichnung. Im Schlachthof würden sie mehr leiden, sagt Manuel Sanz. "Aber diesen Schwätzern, den Stierkampfgegnern, kann man das nicht erklären. In der Arena kann sich der Stier sogar wehren und stirbt nach 20 Minuten einen würdevollen Tod. Und wenn er besonders gut ist, wird er begnadigt, darf für den Rest seines Lebens zurück auf die Weide."

Kein Dialog möglich

Ein Stier mit einem Stierkämpfer (Foto: AP)

Nur die besten Stiere werden ausgesucht

Das Leben des Kampfstiers auf einer zehn Hektar großen Weide sei viel besser als das eines in einen engen Stall eingepferchten Mastbullen; das Leid in der Arena sei geringer als im Schlachthof und ohne den Stierkampf wäre die Rasse längst ausgestorben, sagen die einen. Die Gegner sehen im ritualisierten Tod in der Arena jedoch ein qualvolles Abschlachten zum Vergnügen der Zuschauer. Eine Annäherung scheint unmöglich. "Vor der Arena in Palma de Mallorca gab es einmal eine Demonstration von Stierkampfgegnern. Sie sagten, wir seien Mörder. Ich habe versucht, mit ihnen zu reden, aber da war kein Gespräch möglich", erinnert sich Sanz.

3000 Euro bekommt der Züchter für einen Stier. Vier Jahre lang zieht er die Tiere auf, sorgt sich um ihr Wohlergeben. Er kennt sie - und sie ihn. Doch wenn in der Arena ihr Blut fließt, sieht er keinen Grund für Mitleid: "Wenn sie geschlachtet werden müssten, das würde mir sehr weh tun. Man würde das Ergebnis meiner Arbeit ja nicht sehen. Diese Tiere sind nicht dafür da, im Schlachthof zu sterben. Sie sind dafür gemacht, in der Stierkampfarena zu sterben."


Autor: Hans-Günter Kellner
Redaktion: Julia Kuckelkorn/Sandra Voglreiter

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