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Wirtschaft

Währungsfonds sieht Weltwirtschaft in Gefahr

Kurz vor seiner Herbsttagung in Washington warnt der Internationale Währungsfonds: Der Weltwirtschaft drohe eine gefährliche Abwärtsspirale, wenn die Politik nichts unternehme.

Containerschiffe im Hafen von Rotterdam (Archivfoto: dpa)

IWF: "Geringes Wachstum und Haushaltsrisiken können sich gegenseitig verstärken"

"Slowing growth, rising risks" - nachlassendes Wachstum, steigende Risiken - mit dieser kurzen Formel überschreibt der Internationale Währungsfonds IWF seinen neuesten Ausblick auf die Weltwirtschaft. Und IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard fand deutliche Worte, als er in Washington die Studie vorstellte: "Die Weltwirtschaft ist in eine neue, sehr gefährliche Phase eingetreten. Die globale Erholung hat sich spürbar abgeschwächt, und die Risiken für eine Abwärtsbewegung sind enorm gestiegen." Nun seien starke, überzeugende politische Maßnahmen gefragt, um die Wachstumsaussichten zu verbessern und die Risiken zu verringern.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard (Foto: dpa)

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard zeichnet ein düsteres Bild

Das Erdbeben und der Tsunami in Japan, die Unruhen in einigen Ölförderländern, die Schuldenkrise in einigen Ländern der Euro-Zone, das gigantische Defizit in den USA - es gibt aus der Sicht des IWF ein ganzes Bündel von gefährlichen Entwicklungen, die den Erholungskurs der Weltwirtschaft gefährden und die Welt nicht eben gerade sicherer machen. Mit Sorge blickt der IWF insbesondere auf die Euro-Zone. Sollte die Schuldenkrise von den Randstaaten auf die Kernländer übergreifen, könnte die Stabilität der globalen Finanzmärkte ins Wanken geraten.

Prognose nach unten korrigiert

Kein Wunder, dass der IWF angesichts solcher Gefahren seine Wachstumsprognose für das laufende und das kommende Jahr nach unten korrigiert: In diesem und im kommenden Jahr werde die Weltwirtschaft im Schnitt vermutlich nur um vier Prozent wachsen, sagen die Forscher des Währungsfonds voraus - und nicht, wie noch im Frühjahr angenommen, jeweils um viereinhalb Prozent. "Vier Prozent klingt ja erstmal nicht schlecht", sagte Blanchard. "Aber diese Erholung läuft sehr ungleich ab. Für 2011 sehen wir bei den Schwellenländern ein Wachstum von 6,5 Prozent, das ist eine erfreuliche Zahl, aber in den entwickelten Volkswirtschaften sehen wir nur ein Wachstum von 1,6 Prozent."

Hauptquartier des Internationalen Währungsfonds in Washington (Foto: dpa)

Hauptquartier des Internationalen Währungsfonds in Washington

Diese Ungleichgewichte sind es, die dem Internationalen Währungsfonds Sorgen machen - und die, falls die Politik nichts unternimmt, schnell zu einer Art Teufelskreis führen können: "Geringes Wachstum, Haushaltsrisiken und Bankenrisiken können sich sehr schnell gegenseitig verstärken", warnte Blanchard. Geringes Wachstum mache eine Haushaltskonsolidierung schwieriger, und eine Haushaltskonsolidierung wiederum könne zu geringerem Wachstum führen. "Geringeres Wachstum schwächt auch das Bankensystem, und geschwächte Banken vergeben weniger Kredite, was ebenfalls zu geringerem Wachstum führt. Kurz gesagt: Es gibt klare Risiken für eine Abwärtsspirale."

Die Politik ist gefragt

Eine Politik, die diesen Teufelskreis verhindern will, sollte nach Meinung des IWF auf drei Säulen beruhen: Erstens eine behutsame Rückführung der öffentlichen Schulden, wobei die Sparpolitik nicht so brutal ausfallen darf, dass sie Konjunktur und Wachstum gefährdet. Zweitens eine Stärkung des Bankensystems, das generell mit mehr Eigenkapital unterfüttert werden muss, und drittens der Appell an die USA, das enorme Haushalts- und Handelsdefizit zu verringern. China wird in diesem Zusammenhang übrigens ausdrücklich gelobt: Das Land will weg von seiner einseitigen Exportabhängigkeit und die heimische Nachfrage stärken - auch wenn so etwas nicht über Nacht zu bewerkstelligen ist.

Autor: Rolf Wenkel, z.Zt. Washington
Redaktion: Martin Schrader

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