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Wirtschaft

Währung zur Probe

Der Euro hat diese Woche erstmals einen Teil Großbrittaniens erobert. Das walisische Dorf Llangollen eröffnete während eines internationalen Musikfestivals die erste Euro-Zone des Landes - zum Kummer mancher Waliser.

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Spaltet Großbritannien: der Euro

Geht es um den Euro, durchzieht Großbritannien ein tiefer Graben: Auf der einen Seite stehen die Befürworter auf der anderen die Gegner des Geldes vom Kontinent. Zum Schauplatz eines neuen Gefechts dieser beiden Truppen ist Llangollen im Norden von Wales geworden. Dort erklärte der lokale Parlamentsabgeordnete Martyn Jones seinen Heimatort für die Zeit des renommierten Musikfestes Eisteddfod kurzerhand zur Eurozone. Den rund 100.000 Gästen aus aller Welt solle damit vom 9. bis zum 14. Juli das Geldausgeben erleichtert werden, lautete die offizielle Begründung.

Llangollen ist zwar kein offizielles Mitglied der Eurozone. Denn Großbritannien lehnte – ebenso wie Schweden und Dänemark – die Einführung des Euros als Zahlungsmittel ab. Allerdings erhielt der New-Labour-Abgeordnete Jones für seine lokale Euro-Zone die Zustimmung vom britischen Europa-Minister Peter Hain und vom Vizepräsidenten der EU-Kommission Neil Kinnock. Die Aktion ist darum mehr als nur ein guter britischer Scherz.

Glückliche Touristen

Vielen der 3.000 Einwohner Llangollens verging angesichts dieses halb-offiziellen Charakters der Währungseinführung schnell das Lachen. Ladenbesitzer und Händler beschwerten sich, sie seien in die "Euro-Zone" hineingezwängt worden. Als tüchtige Kaufleute nehmen die Waliser Dorfbewohner jede harte Währung als Zahlungsmittel entgegen, natürlich auch den Euro. Sie wollten sich aber nicht für eine Euro-Kampagne missbrauchen lassen, die sie nicht unterstützen.

Andere Dorfbewohner sind der Idee freundlicher gesonnen. Sie erhoffen sich einen zusätzlichen Umsatzschub in der alljährlich wichtigsten Woche ihres Städtchens. "Llangollen ist jetzt kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte", sagte die Ladenbesitzerin Julianna Horley. "Das wird unsere Lage hier hoffentlich verbessern. Meiner Meinung nach kann uns das nur Vorteile bringen."

Touristen sind dieses Jahr erstmals mit der neuen europäischen Währung nach Llangollen gekommen. Auch sie freuen sich darüber, dass sie in den meisten Läden mit dem Euro zahlen können.

Warum nicht der Dollar?

Falls es den Politikern wirklich nur um die Zufriedenheit der Touristen geht, warum führen wir dann keine Dollar-Zone ein, fragten einige pfiffige Kritiker der Euro-Idee. Zu ihnen gehört auch der Restaurant-Besitzer Stuart Davis. Seiner Meinung nach missbraucht die Lobby der Euro-Befürworter im britischen Parlament das Eisteddfod-Festival als Geisel für ihre politischen Machenschaften.

"Ich bin Geschäftsmann. Ich nehme den Euro, seitdem es ihn gibt. Ich habe extra eine neue Registrierkasse dafür gekauft ", sagte Davis, fügte aber hinzu: "Mein Interesse am Euro ist rein geschäftlich, ebenso wie mein Interesse am amerikanischen und am australischen Dollar. Wir sollten nicht vergessen, dass der Euro nur eine weitere ausländische Währung ist. Wir feiern hier das Internationale Musikfestival Eisteddfod, nicht Euro-Eisteddfod und nicht Europa-Eisteddfod. Wenn wir so etwas machen, warum wählen wir dann nicht die Währung, welche die meisten der Touristen mitbringen?" Das ist der US-Dollar.

Es sind Kritiker wie Davis, die Großbritanniens Politiker vom Nutzen einer Euro-Einführung überzeugen möchten. Sowohl das Außenministerium als auch das Wirtschaftsministerium befürworteten deshalb den Feldversuch in Llangollen. Am Ende dieser Festival-Woche, so die Hoffnung in den Ministerien, werden die Menschen in Nord-Wales erkannt haben, dass der Euro ein praktisches Zahlungsmittel ist und keine Bedrohung.

Tony Blairs Regierung hat damit ohne Zweifel der Euro-Debatte neuen Schwung verliehen, zumindest in einem Dörfchen im Norden von Wales. (mas)

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  • Datum 11.07.2002
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