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Deutschland

"Wählt Matthias Platzeck"

Die Ära Manfred Stolpe geht zu Ende: Nach knapp zwölf Jahren tritt der brandenburgische Ministerpräsident von seinem Amt zurück. Nachfolger soll der Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck werden.

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Der Potsdamer Oberbürgermeister Matthias Platzeck

Die Nachricht schlug wie eine Bombe ein. Auf dem Landesparteitag der Sozialdemokraten Brandenburgs schritt Ministerpräsident Manfred Stolpe am Samstag (22. Juni 2002) ans Rednerpult und verkündete den verblüfften Delegierten, dass an der Spitze der Regierung einen Generationenwechsel vorgenommen werden solle. Gleichzeitig solle Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt in eine Hand gelegt werden. "Wählt jetzt Matthias Platzeck zum Vorsitzenden", so die Bitte Stolpes an die Delegierten. "Wir wollen ihn dann in der nächsten Woche zum Ministerpräsidenten berufen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Stabwechsel sinnvoll ist."

War Stolpe amtsmüde?

Manfred Stolpe

Manfred Stolpe

Manfred Stolpe war seit der Wende vor 12 Jahren Regierungschef in Potsdam - mal mit dem Bündnis 90 und der FDP, mal allein, zuletzt an der Seite der CDU: Sein möglicher Nachfolger, der 48 Jahre alte SPD-Landeschef Matthias Platzeck, der auch Potsdamer Oberbürgermeister ist, galt schon lange als heimlicher Kronprinz in Brandenburg.

Stolpe wurde schon seit einiger Zeit Amtsmüdigkeit nachgesagt. Zuletzt war er von Bundespräsident Johannes Rau kritisiert worden. Rau unterschrieb am Donnerstag (20. Juni 2002) das Zuwanderungsgesetz, dass unter fragwürdigen Bedingungen am 22. März im Bundesrat verabschiedet wurde. Bundespräsident Johannes Rau erwähnte Stolpe und CDU-Landesinnenminister Jörg Schönbohm ausdrücklich in seiner Rede und sprach vom Schaden für das Ansehen der Politik, der durch ihr Verhalten in der Länderkammer angerichtet worden sei. Und Stolpe hatte erklärt, diese Rüge des Staatsoberhauptes mache ihm schwer zu schaffen. In Wittenberge äußerte er sich aber auch kritisch zu Zustand der Bundes-SPD.

"Historischer Einschnitt für die Partei"

Nun dürfen sie kommen

Jörg Schönbohm

Auch Schönbohm bedauerte die Entscheidung Stolpes. Er habe vorher von dem Beschluss gewusst und akzeptiere ihn mit großem Respekt. Die CDU-Minister im Kabinett stünden bei einer neuen Regierungsbildung nicht zur Disposition, fügte Schönbohm hinzu. Der Potsdamer Staatskanzleichef Rainer Speer nannte als möglichen Termin für die Wahl Platzecks die Landtagssitzung am kommenden Mittwoch (26. Juni 2002).

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering sagte, Stolpe sei es zu verdanken gewesen, dass die SPD in Brandenburg der stärkste ostdeutsche Landesverband der Partei sei. Auch Matthias Platzeck äußerte sich in Wittenberge: "Es ist ein historischer Einschnitt für unsere Partei. Und auch für das ganze Land Brandenburg."

Berühmt geworden durch das Oderhochwasser

Schloss Sanssouci in Potsdam

Schloss Sans Souci in Potsdam

Platzeck, der mögliche neue Regierungschef, gilt als Favorit auch von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der Kanzler traut dem Potsdamer durchaus auch ein Ministeramt auf Bundesebene zu. Erst seit 1995 ist Platzeck Mitglied der SPD, vorher gehörte er bis 1993 dem Bündnis 90 an, dessen Fusion mit den Grünen er aber nicht mitmachte. Umweltminister war er davor und auch danach - nun als Parteiloser und ab 1995 für die SPD. Berühmt wurde Platzeck 1997 während des Sommerhochwassers an der Oder, als er fast täglich äußerst medienwirksam bei den Sicherungsarbeiten am Deich auftauchte und Fernseh-Interviews in Gummistiefel gab. Seit 1998 war der gelernte Ingenieur dann Potsdamer Oberbürgermeister.