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Wirtschaft

VW: Was wusste Winterkorn?

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Dieselaffäre hat einen prominenten Zeugen geladen. Dabei geht es in erster Linie um die Bundesregierung, aber auch für den EX-Konzernchef steht einiges auf dem Spiel.

Es handelt sich um einen Pflichttermin, dem Martin Winterkorn sich nicht entziehen kann. Zunächst wollte er um Verschiebung bitten, wie das "Handelsblatt" Kreise des Deutschen Bundestages zitiert. Dann habe er in der vergangenen Woche doch zugesagt und werde mit seinen Anwälten erscheinen. Der Diesel-Untersuchungsausschuss des Bundestages erwartet vom früheren VW-Vorstandsvorsitzenden schonungslose Aufklärung bei dessen Anhörung.

"Wenn Herr Winterkorn die Aussage verweigert, kommt dies einem Schuldeingeständnis gleich", sagte der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke) dem "Handelsblatt". Der Politiker forderte deutsche Unternehmen dazu auf, Manager wie in den USA stärker zur Verantwortung zu ziehen.

Frage nach dem genauen Zeitpunkt

Im Mittelpunkt der Anhörung steht die Frage, wann genau Martin Winterkorn über den Betrug mit Hilfe einer speziellen Motor-Steuerungssoftware informiert wurde. Am vergangenen Wochenende berichtete die "Bild am Sonntag", dass der Ex-VW-Chef früher über illegale Abgas-Manipulationen Bescheid gewusst haben könnte als bisher bekannt.

Ihm sollen bereits am 27. Juli 2015 bei einer Sitzung in Wolfsburg vertrauliche Papiere präsentiert worden sein. Die Unterlagen sollen unter anderem zeigen, wie knapp zwei Monate vor dem Bekanntwerden des Skandals der Konzern kalkulierte, wann man den US-Behörden die Wahrheit sagen solle. Lieber alles beichten oder weiter lügen? Laut "Bild am Sonntag" sollen die Top-Manager des größten Autokonzerns der Welt diese Frage ernsthaft diskutiert haben.

Konzernvorstand glaubte angeblich an schnelle Lösung

Offiziell geht VW bislang davon aus, dass eine Gruppe von Ingenieuren aus dem oberen und mittleren Management, aber unterhalb des Konzernvorstands für die Manipulationen verantwortlich war.

Winterkorn und die VW-Konzernspitze haben bisher stets betont, erst im September 2015 von den Abgas-Manipulationen erfahren zu haben. Winterkorn wies die Vorwürfe laut "Bild am Sonntag" zurück. Er will sich nach Informationen der Zeitung nur an eine kurze Besprechung zu dem Thema am 27. Juli erinnern, bei der ihm versichert worden sei, die Probleme in den USA würden gelöst werden.

VW hatte bereits Anfang 2016 in der Stellungnahme an das Landgericht Braunschweig erklärt, Winterkorn sowie VW-Markenchef Herbert Diess hätten an dem Treffen am 27. Juli 2015 teilgenommen. Wörtlich hieß es in einer Klageerwiderung von VW: "Weder der konkrete Inhalt dieser informellen Besprechung noch die konkreten Zeitpunkte, zu denen die betreffenden Vorstandsmitglieder teilnahmen, lassen sich im Detail rekonstruieren." Es sei möglich, aber nicht sicher, dass damals eine Softwareänderung als Grund für die erhöhten Abgaswerte genannt worden sei."

Schadensersatzklage möglich

Bislang stärkt der Volkswagen-Konzern seinem früheren Vorstandschef also den Rücken - dabei ist es durchaus möglich, dass das Unternehmen Winterkorn doch noch auf Schadensersatz verklagt. Ausgangspunkt dafür sei laut "Handelsblatt" die sogenannte Organhaftung des Vorstands. Danach könnte Volkswagen seinen früheren Chef dafür haftbar machen, dass er als oberster Lenker des Konzerns über alle wesentlichen Vorgänge im Unternehmen informiert gewesen sein müsse, also auch über die Probleme mit dem Dieselmotor.

Der VW-Aufsichtsrat hat zur Prüfung möglicher Ansprüche einen renommierten Anwalt beauftragt. "Entsprechend seiner gesetzlichen Pflichten prüft der Aufsichtsrat seit dem Herbst 2015, ob er verpflichtet ist, Schadensersatzansprüche gegen einzelne Vorstandsmitglieder geltend zu machen. Diese Prüfung dauert an", zitiert das "Handelsblatt" dazu einen VW-Sprecher.

Der Abgas-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages vor dem Martin Winterkorn am Donnerstag  erscheinen muss, soll vor allem klären, seit wann die Bundesregierung von den Manipulationen wusste und wie eng die Zusammenarbeit zwischen Politik und Autolobby war.