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Wirtschaft

VW verschärft die Jagd auf MAN

Über 30 Prozent Anteil an MAN und ein Übernahmeangebot an alle anderen Aktionäre: Der VW-Konzern will jetzt endlich den Münchner Lastwagen-Bauer unter sein Dach bekommen und dann mit Scania zusammenbringen.

Frontpartie eines MAN-Lastwagens (Foto: dpa)

Nun will Volkswagen den Lkw-Hersteller MAN ganz schlucken

Volkswagen will aus seiner schwedischen Lkw-Tochter Scania und dem Lastwagen-Hersteller MAN einen neuen Nutzfahrzeugriesen schmieden. Um die schon länger geplante Zusammenarbeit der Unternehmen ausbauen zu können, hat der Wolfsburger Konzern seinen Anteil an dem Münchner MAN-Konzern von 29,9 auf 30,47 Prozent der Stammaktien erhöht und macht den übrigen Aktionären nun ein Pflichtangebot. Wie VW am Montag (09.05.2011) in Wolfsburg mitteilte, sollen für den im Deutschen Aktienindex DAX gelisteten MAN-Konzern voraussichtlich 95 Euro je Aktie geboten werden.

VW-Aufsichtsratschef Piëch will die Fusion

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Martin Winterkorn (r), und der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech besuchen am Dienstag (03.05.2011) zu Beginn der Hauptversammlung des Autobauers die LKW-Ausstellung vor dem Kongressgebäude in Hamburg (Foto: dpa)

Sie treiben die Fusion voran: Volkswagen-Vorstandschef Winterkorn (r.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Piech

Ziel sei eine engere Kooperation aller beteiligten Unternehmen in Einkauf, Entwicklung und Produktion. Außerdem sei dies ein Schritt "auf dem Weg zum integrierten Nutzfahrzeugkonzern aus MAN, Scania und Volkswagen". Ein fester Einbau von MAN in den drittgrößten Automobilkonzern der Welt gilt seit langem als Ziel von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch. "Allerdings stellen die bislang bestehenden kartellrechtlichen Beschränkungen hohe Hürden dar", teilte Volkswagen weiter mit. Daher müsse zunächst der Anteil an MAN erhöht werden. Das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle erfordert es aber, den übrigen MAN-Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten. Sofern die Aufsichtsbehörden zustimmen, soll die Offerte voraussichtlich spätestens Ende Mai veröffentlicht werden.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn gab zusammen mit der Mitteilung eine Art Beschäftigungs- und Standortgarantie ab: "Selbstverständlich respektieren wir die Mitbestimmungs- und Arbeitnehmerrechte in vollem Umfang und stehen zu Standorten und Beschäftigten." Vor allem bei MAN hatte es Sorgen gegeben, dass der enorm profitable und erfolgreiche Hersteller Scania bei einer Fusion die Führung übernehmen würde und MAN darunter leiden müsste. Winterkorn hatte aber schon vor einer Woche bei der VW-Hauptversammlung eine Existenzgarantie für die Marke MAN mit allen Firmenteilen abgegeben. Die Eigentumsverhältnisse zwischen VW, MAN und Scania sind verwirrend: MAN hält 17 Prozent an Scania, VW hält jetzt gut 30 Prozent an MAN und 71 Prozent der Stimmrechte an Scania. Im Endeffekt bestimmen aber die Wolfsburger jetzt.

Schmiergeld-Affäre bei Ferrostaal als Hindernis

Ein Scania-Lkw auf der 63. Automobilmesse IAA 2010 in Frankfurt am Main (Foto: dapd)

An Scania hält VW bereits über 70 Prozent der Stimmrechte

Einer regelrechten Fusion von MAN und Scania unter dem Dach des Großaktionärs Volkswagen steht aber auch noch die Schmiergeldaffäre bei der ehemaligen MAN-Tochter Ferrostaal im Wege. Die Staatsanwaltschaft München hatte kürzlich Anklage wegen "Bestechung ausländischer Amtsträger" gegen zwei Manager des in Essen ansässigen Industriedienstleisters erhoben. Sie haben nach Ansicht der Behörde zwischen 2000 und 2007 griechische und portugiesische Entscheidungsträger mit über 62 Millionen Euro bestochen, um Aufträge für den Verkauf von U-Booten an Land zu ziehen.

MAN streitet sich seit einiger Zeit mit dem jetzigen Ferrostaal-Großaktionär, dem arabischen Staatsfonds IPIC. Der Lkw-Bauer will das Essener Unternehmen, an dem er noch 30 Prozent hält, eigentlich so schnell wie möglich loswerden. Der Staatsfonds IPIC, an den MAN die anderen 70 Prozent verkauft hat, weigert sich aber, Ferrostaal wie vereinbart gänzlich zu übernehmen. Die Araber fordern dagegen vor einem Schiedsgericht die Rückabwicklung des Geschäfts, um mit Ferrostaal nichts mehr zu tun zu haben.

Autor: Stephan Stickelmann (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Sabine Faber

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