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Wirtschaft

VW und Porsche stecken ihre Machtbereiche ab

Nach dem Übernahme-Krimi von Porsche und Volkswagen sollen beide Unternehmen nun zusammenwachsen. Das neue Machtgefüge muss aber erst noch geklärt werden. Die IG Metall fordert, Arbeitnehmer am Unternehmen zu beteiligen.

Porsche-Mitarbeiter in der Fabrikhalle (Foto: AP)

Sie sollen künftig besser beteiligt werden: Die Arbeiter des neuen VW/Porsche-Konzerns

Ein Tag nach dem Abgang von Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef werden bei Porsche und VW am Freitag (24.07.2009) weitere Details beraten und Machtbereiche abgesteckt. Wie der VW-Aufsichtsrat am Vortag in Stuttgart beschlossen hat, streben die Wolfsburger jetzt die Schaffung eines Konzerns mitsamt der Marke Porsche an. Die Führung dieses Konzerns soll Volkswagen haben. Damit werden die Umrisse des als "integrierter Automobilkonzern" bezeichneten zukünftigen Konstrukts deutlich. Auf dieses Ziel einigten sich die Familien nach einem heftigen Streit.

Nach dem Willen des VW-Aufsichtsrats soll die Porsche AG, die voll der Porsche Holding gehört, schrittweise von den Wolfsburgern übernommen werden. Damit verliert die Stuttgarter Holding, mit der Wiedeking ursprünglich VW beherrschen wollte, eine ihrer beiden Säulen. Übrig bleibt die Mehrheitsbeteiligung an VW. In einem weiteren Schritt soll die Porsche Holding dann mit der Volkswagen AG verschmolzen werden.

Hück betont Eigenständigkeit

Hück vor Porsche-Gebäude (Foto. dpa)

Uwe Hück, der Porsche-Betriebsratschef, will mehr Respekt für die Leistung Wiedekings

Porsche-Betriebsrat Uwe Hück hat dennoch die Eigenständigkeit seines Unternehmens betont. Eine Verschmelzung werde es nur auf der Ebene der Porsche-Holding, jedoch nicht der eigentlichen Porsche-AG geben, sagte er in der ARD. Der Sportwagenhersteller werde eigenständig bleiben. "Wir werden selber entscheiden", sagte er mit Blick auf Produktion, Entwicklung und Verkauf. Nach Hücks Meinung war der öffentliche Umgang mit Wiedeking in den vergangenen Wochen nicht in Ordnung. "Der ist öffentlich hingerichtet worden", sagte Hück. Wiedeking habe Porsche in 17 Jahren zu einer der führenden Automarken der Welt gemacht.

Macht gilt als Wiedeking-Zögling

Porsches neue Nummer Eins ist Michael Macht. Er gilt als Zögling von Wendelin Wiedeking. Der 48-jährige Macht fing 1990 als Fachreferent für Motorenplanung bei Porsche an. Innerhalb von acht Jahren arbeitete sich der Maschinenbauingenieur in den Führungszirkel des Stuttgarter Autobauers vor: 1998 zog er in den Porsche-Vorstand ein, als Leiter des Ressorts Produktion und Logistik.

Macht gilt in der Branche als Fertigungsexperte, der in der Porsche-Produktion jährlich große Effizienzsteigerungen erreichte. Gemeinsam nahmen die beiden die "schlanke Produktion" japanischer Autofirmen unter die Lupe, die sie nicht nur im Stammwerk Zuffenhausen einführten, sondern auch bei den Zulieferern. Die Produktivitätssprünge beim Umbau der Fertigung verblüfften nicht nur die eigene Mannschaft, sondern machten auch potenzielle Kunden hellhörig. Aufgrund deren Anfragen entwickelte sich 1994 die Porsche Consulting GmbH in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart unter Führung von Macht. Die Firma sollte die Erfahrungen beim Umbau des Stuttgarter Unternehmens vermarkten; nach früheren Angaben verzehnfachte sich der Umsatz dieser hochprofitablen Tochterfirma innerhalb von vier Jahren auf 6,6 Millionen Euro. Unter den Kunden waren so hochkarätige wie VW und DaimlerChrysler. Macht und Wiedeking verbinden viele Jahre gemeinsamer Erfahrungen.

Huber will Beteiligung der Mitarbeiter

Huber im Porträt

Berthold Huber kämpft für eine Mitarbeiter-Beteiligung

Unterdessen macht die IG Metall ihre Zustimmung zur Schaffung eines neuen Autogiganten aus VW und Porsche von Bedingungen abhängig. Neben dem Erhalt der erweiterten Mitbestimmung, werde eine Beteiligung der Mitarbeiter am Kapital abgestrebt, sagte IG-Metallchef Berthold Huber am Donnerstag in Frankfurt am Main. "Wir wollen, dass die Belegschaften mit einem nennenswerten Anteil am neuen integrierten Konzern von Volkswagen und Porsche beteiligt werden." Die Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter solle in einer separaten Einheit gebündelt werden, "damit die Belegschaft auch als Aktionär ihre Interessen auf den Hauptversammlungen vertreten kann". Das VW-Gesetz, das auch die Sperrminorität des Landes Niedersachsen bei den Wolfsburgern festschreibt, sei unabdingbar. "Es ist auch aus Sicht der Mitarbeiter von Porsche wichtig", sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh.

VW-Gesetz sorgt für Diskussionen

Wulff jubelnd (Foto: AP)

Christian Wulff ist von der Sinnhaftigkeit des VW-Gesetzes überzeugt

Manche Politiker sehen das VW-Gesetz kritischer. Es sichert Niedersachsen entscheidenden Einfluss auf den Konzern. Die Europäische Kommission in Brüssel müsse rasch Klage gegen das Gesetz einreichen, forderte der CDU-Europaabgeordnete Klaus-Heiner Lehne in der "Berliner Zeitung". "Es gibt keinen Grund, ein Unternehmen auf diese Weise zu privilegieren", sagte er. Die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) wurde offenbar aus politischen Gründen verschleppt.

Der EuGH hatte 2007 das VW-Gesetz für unvereinbar mit EU-Recht erklärt, da es den freien Kapitalverkehr einschränke und eine feindliche Übernahme unmöglich mache. Die Bundesregierung überarbeitete 2008 das Gesetz, behielt aber die 20-prozentige Sperrminorität Niedersachsens bei. Das hatte auch Folgen für den Übernahmepoker zwischen Volkswagen und Porsche, in den Niedersachsens Regierung massiv eingriff. Für Lehne ist klar: "Ohne das VW-Gesetz wäre dieser Streit anders ausgegangen." (mbö/mas/dpa/reuters)

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