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Wirtschaft

VW: Umbau beginnt mit Einbruch

Bei einem Spitzentreffen klopft der Volkswagenkonzern die Eckdaten für einen Umbau fest - ein langwieriger Prozess. Ein aktueller Absatzeinbruch macht es dem Konzern nicht gerade leichter.

Für den Volkswagen-Konzern kommt es derzeit dicke. Das fehlende Tempo in China und teils dramatische Einbrüche auf anderen Märkten haben den Wolfsburgern nun auch den Mai verhagelt. Im vergangenen Monat mussten die Niedersachsen ein Minus bei den Auslieferungen vermelden, wie der Konzern am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Demnach gaben die Verkäufe im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahresmonat um 2,6 Prozent nach.

Es ist nicht der erste Rückschlag für den Konzern. Im April war der Konzernabsatz gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent gefallen. Und das, wo die Wolfsburger gerade ihre wochenlange Führungskrise zwischen VW-Großaktionär Ferdinand Piëch und Konzernboss Martin Winterkorn ausgestanden hatten.

Mit dem nun zweiten Monatsrückgang in Folge reißt bei Volkswagen eine rund fünfeinhalb Jahre lange Erfolgsgeschichte ab. Vor dem aktuellen Minus in diesem Frühling hatte es zuletzt Ende 2009 einen Verlust gegeben. Im bisherigen Gesamtjahr bis Ende Mai weist die Auslieferungsbilanz des Zwölf-Marken-Reiches nun eine Stagnation aus (plus 0,3 Prozent).

Winterkorn: Unverzagt voran

Unterdessen treibt VW -Chef Martin Winterkorn die Vorbereitungen zum Umbau des Wolfsburger Autoimperiums voran. Dazu traf er sich am Freitag mit Mitgliedern des engeren Führungszirkels, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters berichteten. Thema der Beratungen auf dem Braunschweiger Flughafen, an dem neben dem Aufsichtsratspräsidium noch weitere Personen teilnahmen, seien die neuen Strukturen von Volkswagen gewesen. Personalien hätten nicht im Vordergrund gestanden.

Der Aufsichtsrat soll Winterkorns Pläne zur Neuausrichtung des nach Toyota weltweit zweitgrößten Autokonzerns Ende September genehmigen. Danach sollen sie dem Management präsentiert werden. VW lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

"Wir müssen schneller werden."

Winterkorn hatte nach dem überstandenen Machtkampf mit Firmenpatriarch Ferdinand Piëch den Umbau des Zwölf-Marken-Konzerns angekündigt. Dabei soll auch die Führung gestrafft werden. Als prominentester Vertreter könnte Vertriebsvorstand Christian Klingler seinen Job verlieren. Sein Ressort steht auf der Kippe, wenn die einzelnen Verkaufsregionen rund um den Globus künftig stärker selbst über die Modellpolitik entscheiden dürfen. Bisher bekommen sie dies zentral von Wolfsburg vorgegeben.

Winterkorn will das Führungsmodell von VW weiterentwickeln und die Strukturen neu ordnen. "Wir müssen schneller, effizienter und beweglicher werden", hatte er Anfang Mai bei einer Management-Konferenz gesagt. Dazu sollen sich die einzelnen Marken besser abstimmen. So könnten etwa VW, Skoda und Seat unter eine Leitung gestellt werden. Auch die Luxusmarken Porsche, Bentley, Lamborghini und Bugatti könnten zusammengefasst werden.

Die beiden Lkw-Töchter MAN und Scania sind bereits enger zusammengerückt. Die kürzlich gegründete Lkw-Holding wird von dem früheren Daimler -Manager Andreas Renschler geleitet. Die einzelnen Gruppen sollen Entwicklung und Vertrieb künftig weitgehend selbst organisieren.

Noch kein Nachfolger für den Patriarchen

Die Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch läuft unterdessen weiter. Der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh, der ebenfalls im Aufsichtsratspräsidium sitzt, hatte in einem Interview gesagt, er gebe dem Konzernumbau Vorrang vor einer Entscheidung über den künftigen Aufsichtsratschef. Die Arbeitnehmer stellen in dem Kontrollgremium die Hälfte der 20 Mitglieder.

Zusammen mit den beiden Vertretern des Bundeslandes Niedersachsen in dem Gremium können sie die Geschicke von Volkswagen mitbestimmen. Ministerpräsident Stephan Weil hatte unlängst in einem Zeitungsinterview erklärt, VW müsse den Verantwortlichen in den einzelnen Regionen mehr Verantwortung geben. Einen Konzern wie Volkswagen mit rund 600.000 Beschäftigten könne man nicht zentral führen, sagte der SPD-Politiker.

dk/nm(dpa/rtr)