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Wirtschaft

VW-Skandal: Einigung um fünf vor zwölf

Volkswagen einigt sich kurz vor Ablauf des Ultimatums in der Abgasaffäre mit US-Behörden: auf Entschädigungen für manipulierte Autos und Reparatur. Heute tagt der Aufsichtsrat: Der Skandal wird immer teurer.

An diesem Freitag muss der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg Folgen und Kosten des Diesel-Skandals bewerten. Die finanziellen Kosten gehen nach Einschätzung von Beobachtern in die Milliarden. Das wird sich in der Konzern-Bilanz niederschlagen, die der Aufsichtsrat des Autobauers heute absegnen muss. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur DPA wird der Konzern für die Folgen des Diesel-Skandals seine Rückstellungen um fast 10 Milliarden Euro auf 16,4 Milliarden Euro aufblähen. Es wird erwartet, dass Volkswagen im Laufe des Tages vorläufige Eckzahlen zur Bilanz für das abgelaufene Jahr bekanntgibt.

Volkswagen und die US-Behörden einigten sich kurz vor dem Ablauf eines Ultimatums auf einen Kompromiss zur Lösung der Abgas-Krise in den Vereinigten Staaten. Entsprechende Eckpunkte stellten die Parteien Richter Breyer bei einer Anhörung am Donnerstag zur Prüfung vor.

"Ich freue mich, mitteilen zu können, dass die Parteien einen konkreten Plan vorgelegt haben", verkündete US-Richter Charles Breyer zum Auftakt der Gerichtsanhörung in San Francisco.

Der für Hunderte Zivilklagen wegen Verstößen gegen US-Gesetze zuständige Richter hatte bis zum Donnerstag eine Lösung verlangt. Er hatte Volkswagen und der US-Umweltbehörde EPA diese endgültige Frist dafür gesetzt, die vorher schon ein Mal verlängert worden war.

"Dieselgate" wird auf jeden Fall sehr teuer

Die nun auf dem Tisch liegende Lösung führt dazu, dass VW einen Großteil der betroffenen Dieselwagen zurückkaufen dürfte, auch eine Reparatur ist denkbar. Auf jeden Fall sollen die Besitzer einen "substanziellen Schadensersatz" von VW erhalten. Zudem sei ein Umweltfonds vorgesehen.

Bereits vor der Anhörung hatte die deutsche Tageszeitung «Welt» unter Berufung auf Verhandlungskreise gemeldet, jeder US-Halter eines VW-Modells, das mit der Betrugs-Software ausgestattet sei, solle 5000 US-Dollar (gut 4400 Euro) an Entschädigung erhalten. Daneben kursierten aber auch andere Summen. Von VW gab es zunächst keine Stellungnahme.

Rekordverlust?

Mit den Rückstellungen in Milliardenhöhe steuert Europas größter Autobauer auf den größten Verlust in der Geschichte des Konzerns zu. Zuletzt hatte es im Jahr 1993 einen Jahresfehlbetrag gegeben: 1,94 Milliarden D-Mark, also rund eine Milliarde Euro.

Im Jahr 2014 hatte der Konzern unter dem Strich rund 11 Milliarden Euro verdient. Der Konzern hatte zuletzt bereits erklärt, dass sein operatives Geschäft - also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) - in etwa auf dem Vorjahresniveau von 2014 liege, wenn man die Sondereffekte der Diesel-Krise mit ihren Rückstellungen außen vor lasse. Damit ist zumindest rein rechnerisch absehbar, dass ein Rekordverlust droht.

dk/ar/kd (dpa/rtr)