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Wirtschaft

VW: Mehr Benziner wegen CO2-Ausstoß im Visier

Die falschen CO2-Angaben bei Volkswagen betreffen laut Bundesregierung auch 98.000 Benzinfahrzeuge. Das sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt im Bundestag.

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Neue Hiobsbotschaft für VW

An der Börse reagierte die VW-Aktie am Mittwoch mit einem dramatischen Kursverfall. Das Papier sackte in Frankfurt zeitweise um mehr als 10 Prozent ab und verzeichnete zum Handelsschluss schließlich ein Minus von 9,5 Prozent.

VW hatte am Dienstagabend mitgeteilt, bei Werten zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gebe es "Unregelmäßigkeiten". Damit könnte der tatsächliche Spritverbrauch von Hunderttausenden Autos höher liegen, als deren Besitzer annahmen. "Nach derzeitigem Erkenntnisstand können davon rund 800.000 Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns betroffen sein", erklärte das Unternehmen. Die neuen Fälle beträfen hauptsächlich Dieselautos, aber auch eine "geringe Anzahl" von Benzinern, hatte es bisher geheißen.

Bisher ging es in der Abgas-Affäre, die Mitte September bekannt wurde, ausschließlich um Manipulationen bei Stickoxid-Werten. CO2 ist zwar unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und wesentlich für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Die CO2-Grenzwerte sind in der EU in den vergangenen Jahren nach schwierigen Verhandlungen verschärft worden.

Am Abend stufte die Ratingagentur Moody's Volkswagen wegen des Abgasskandals herab und drohte auch gleich mit einer weiteren Senkung der Bonitätsnote. Die Einstufung für die langfristigen Schulden laute nun auf "A3" nach zuvor "A2", teilte Moody's mit. Der Ausblick sei negativ. Mit dem Schritt reagiert die Ratingagentur auf die jüngsten Entwicklungen im Abgasskandal.

Bundesregierung erhöht Druck

Nach den neu eingestandenen Mängeln im Abgasskandal erhöht die Bundesregierung den Druck auf Volkswagen und die Führungsspitze um Matthias Müller. Bei dem Wolfsburger Konzern müsse alles umgedreht und angeschaut werden, forderte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt am Mittwoch in Berlin. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert forderte eine umfassende Aufklärung. Der Konzern müsse seine Strukturen verändern. Das Land Niedersachsen als zweitgrößter VW-Aktionär steht unterdessen zur Konzernspitze. "Im Moment gibt es für uns keinen Anlass, an der Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat zu zweifeln", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil betrachte die neuerlichen Unregelmäßigkeiten mit großer Betroffenheit und Sorge, sagte die Sprecherin der Staatskanzlei vor Journalisten in Hannover. Das Land Niedersachsen, das 20 Prozent an VW hält, will sich noch enger über den Aufklärungsprozess informieren lassen. "Es wird in den nächsten Tagen diverse Schalten und Sitzungen geben." Auf die Frage, ob der Vorstandsvorsitzende Matthias Müller wegen seiner früheren Tätigkeit als Porsche-Chef der Richtige für den Wolfsburger Konzern sei, antwortete die Sprecherin: "Es ist aus meiner Sicht viel zu früh, diese Frage zu stellen." Man müsse die weiteren Aufklärungsschritte abwarten. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte, Müller als ehemaliger Porsche-Chef müsse sich die Frage stellen, ob er ebenfalls Verantwortung trage.

Keine Belastungen für die Kunden

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sagte, die Probleme bei VW müssten ohne Belastungen für die Kunden behoben werden. "Ich gehe weiterhin davon aus, dass Volkswagen mit seiner Führung alle Anstrengungen unternimmt, den Schaden zu beheben und für Transparenz und Aufklärung zu sorgen." Die Kunden dürften dabei nicht belastet werden. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wertete das Eingeständnis der Mängel bei CO2-Werten als Beweis für den Aufklärungswillen des Konzerns. Was aufgedeckt wurde, habe VW selbst ermittelt, sagte der SPD-Vorsitzende in Berlin. "Das ist ein Beweis dafür, dass sie es ernst meinen."

Rückruf in den USA

Volkswagen ruft in den USA 91.800 Fahrzeuge wegen Problemen an der Nockenwelle in die Werkstätten zurück. Betroffen von dem freiwilligen Rückruf seien unter anderem Benziner vom Typ Jetta, Passat, Beetle und Golf der Modelljahre 2015 und 2016, wie die US-Tochter von VW am Mittwoch mitteilte. Der Wolfsburger Konzern steht in den Vereinigten Staaten bereits wegen der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Diesel-Fahrzeugen stark unter Druck.

ul/kle (dpa, rtr, afp)

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