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Aktuell Deutschland

VW lehnt Entschädigungen für europäische Kunden ab

Im Abgasskandal weist VW-Chef Müller Forderungen zurück, auch europäische Kunden nach dem US-Vorbild zu entschädigen. Solche Zahlungen in beliebiger Höhe könnten auch einen großen Konzern überfordern, warnt er.

VW-Chef Matthias Müller auf dem Genfer Autosalon im Februar 2016 (Foto: dpa)

VW-Chef Matthias Müller auf dem Genfer Autosalon im Februar 2016

Die Absage ist unmissverständlich. Der Chef von Volkswagen, Matthias Müller, hat mit Blick auf die Abgas-Affäre deutlich gemacht, dass sich das Modell der Entschädigung für US-Kunden nicht auf Europa übertragen lässt. Volkswagen habe bislang zur Lösung der Krise 16,2 Milliarden Euro zurückgestellt und sei weiterhin finanziell solide aufgestellt, sagte Müller der "Welt am Sonntag". "Aber man muss kein Mathematiker sein um zu erkennen, dass eine Entschädigungszahlung in beliebiger Höhe auch Volkswagen überfordern würde."

In den USA hatte VW in der vergangenen Woche nach monatelangen Verhandlungen eine Einigung mit US-Behörden und Klägern erreicht. Demnach wird Volkswagen die Abgas-Affäre dort voraussichtlich bis zu 15 Milliarden Dollar kosten. Ein entsprechendes Paket sieht Rückkäufe, Entschädigungen und Strafen vor. So will VW US-Kunden mit manipulierten Autos jeweils mindestens 5100 Dollar (4600 Euro) Entschädigung zahlen. Die Besitzer könnten sich aussuchen, ob VW ihre Wagen zurückkaufen oder umrüsten soll. Die Regelung ist allerdings noch nicht rechtskräftig, ein Richter muss noch zustimmen.

In den USA sind von den Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen rund 500.000 Autos betroffen - weltweit aber elf Millionen Fahrzeuge, davon 2,4 Millionen in Deutschland. Der Abgas-Skandal hatte VW in eine schwere Krise gestürzt. 2015 verbuchte der Autobauer den größten Verlust der Konzerngeschichte.

Andere Sachlage

Müller erteilte der Forderung von Verbraucherschützern, eine Entschädigungsregelung wie in den USA auch für die übrigen betroffenen Kunden zu treffen, eine Absage. Er verwies auf eine andere Sachlage. "In den USA sind die Grenzwerte deutlich strenger, damit wird auch die Nachrüstung komplizierter." Außerdem sei die Teilnahme an einer Rückrufaktion in den USA freiwillig - anders als etwa in Deutschland. Die Behörden in den USA erwarteten zudem, dass möglichst viele Fahrzeugbesitzer ihre Autos umrüsten, so Müller. "Mit der Prämie in den USA sollen wir unseren Kunden einen Anreiz zur Teilnahme an der Umrüstung geben." Dies 1:1 etwa mit der Lage in Deutschland zu vergleichen, sei nicht möglich. "Und was es nicht zuletzt wirtschaftlich für unser Unternehmen bedeuten würde, wenn wir das doch tun würden, muss ich wohl nicht weiter ausführen."

Unterstützung erhielten die Verbraucherschützer bereits von der EU-Kommission. Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska hatte VW unlängst aufgefordert, europäischen Fahrzeugbesitzern freiwillig eine Kompensation zu zahlen. Es sei unfair, wenn sich Volkswagen hinter rechtlichen Erwägungen verstecke.

Chance für Reformen

Müller sieht in der gegenwärtigen Krise auch eine Chance, die notwendigen Veränderungen im eigenen Konzern jetzt entschlossener anzugehen. "Die Diesel-Thematik ist Türöffner und Beschleuniger zugleich: Die Veränderungsbereitschaft ist größer als zuvor. Diesen Schwung wollen wir mitnehmen." Der VW-Chef ging auch auf die neue Konzernstrategie ein. VW will die Elektromobilität massiv ausbauen und außerdem Milliarden in neue Mobilitätsdienstleistungen wie Carsharing oder vernetzte Autos investieren.

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Vergleich in den USA im VW-Abgas-Skandal (28.06.2016)

Die Autobranche befindet sich angesichts alternativer Antriebe und der digitalen Revolution mit immer mehr Internet im Fahrzeug in einem tiefgreifenden Umbruch. Müller sagte dazu, die Branche werde in Zukunft nur dann erfolgreich sein, "wenn wir uns verjüngen". Sie müsse außerdem stets progressiv sein, wie im Silicon Valley. "Vielleicht sind wir Deutschen aufgrund der vielen Erfolge, die das Land in den vergangenen 50 Jahren hatte, ein bisschen gegenwartsbequem geworden, was dann zu Risikoscheu geführt hat."

kle/uh (rtr, dpa, afp)

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