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Autobranche

VW kann trotz Dieselgate zulegen

Zusätzliche Milliarden für den Dieselgate-Skandal halbieren den Gewinn von Volkswagen. Doch das Kerngeschäft läuft weiter gut, wie neue Zahlen zeigen.

Im dritten Quartal musste Volkswagen wegen der ausgeweiteten Diesel-Rückstellungen einen Gewinneinbruch hinnehmen: Der in dieser Periode verbuchte Nettoertrag rutschte im Jahresvergleich um über die Hälfte auf 1,14 Milliarden Euro ab. Das gab der Konzern am Freitag in Wolfsburg bekannt.

Ende September hatte Volkswagen mitgeteilt, dass Verzögerungen bei dem ohnehin schon kostspieligen Programm für Rückruf und Nachrüstung manipulierter Dieselautos noch einmal viel Geld kosten - den Betrag bezifferte man nun auf 2,6 Milliarden Euro. Damit steigt die Rechnung für die Bewältigung der Abgaskrise auf über 25 Milliarden Euro.

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"Ich glaube nicht, dass das die letzte Rückstellung war", sagte Frank Schwope, Analyst der NordLB. Er gehe davon aus, dass die Marke von 30 Milliarden Euro in den nächsten Quartalen und Jahren übertroffen werde.

Marke VW mit mehr Gewinn

Trotz der zusätzlichen Kosten hat Volkswagen aber in den ersten neun Monaten des Jahres insgesamt mehr verdient. Der Nettogewinn stieg in dem Zeitraum um über 30 Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um 6,8 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro.

Vor allem die Kernmarke VW Pkw hat in diesem Zeitraum deutlich mehr Gewinn abgeworfen. Das um Sonderkosten für die Dieselaffäre bereinigte operative Ergebnis der Stammmarke kletterte im Jahresvergleich auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Wert lag damit etwa doppelt so hoch wie zum Ende des dritten Quartals 2016, wie das Unternehmen mitteilte.

Die Marke profitierte unter anderem vom guten Lauf in China. Aber vor allem das Spar- und Umbauprogramm "Zukunftspakt" soll eine Rolle gespielt haben. Es wurde im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht.

Dank des insgesamt guten Laufs bei den Marken peilt der Konzern ein höheres Ergebnis im Gesamtjahr an - zumindest, wenn die Sondereinflüsse herausgerechnet sind.

Kronzeugenregelung für Kartell-Ermittlungen

Im Fall des Kartellverdachts in der deutschen Autoindustrie hat nun auch Volkswagen einen Antrag auf Kronzeugenregelung gestellt. Der Konzern sowie die betreffenden Marken kooperierten bereits seit längerem "vollumfänglich" mit der EU-Kommission, teilte VW in seinem Zwischenbericht zum dritten Quartal mit. Die Behörde habe Unterlagen in Wolfsburg und von Audi in Ingolstadt gesichtet.

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Die Zukunft von VW in den USA

Auch Daimler hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Anfang der Woche hatte der VW-Konzern bestätigt, dass sich die laufenden kartellrechtlichen Untersuchungen auch gegen ihn richten. Bei der EU-Kommission läuft derzeit eine Voruntersuchung. BMW sowie Daimler und VW samt den Töchtern Audi und Porsche sollen sich jahrelang in geheimen Zirkeln über ihre Autos und Zulieferer ausgetauscht haben. Solche Absprachen sind durchaus üblich - zum Beispiel, um Standards für die Ladung von Elektroautos abzusprechen.

Die Frage ist aber, ob in diesem Fall Grenzen überschritten wurden. Nach Angaben von VW-Konzernchef Matthias Müller ging es bei den Gesprächen deutscher Autobauer nicht um Preise. Man respektiere das Kartellrecht. "Von Preisabsprachen beispielsweise, die ein Kartellvergehen darstellen würden, ist mir nichts bekannt", sagte er.

bea/hb (dpa, rtr)

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