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Wirtschaft

VW: Der amerikanische Albtraum

Volkswagen hat in den USA nur Scherereien: Immer mehr VWs müssen in die Werkstatt zurück, der Absatz bricht ein, die "Dieselgate"-Aufarbeitung kommt nicht voran. Am schlimmsten: Nirgendwo ist Besserung in Sicht.

Der Absatz von Volkswagen in den USA befindet sich auch knapp ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen im freien Fall. Während viele Wettbewerber auf dem zweitgrößten Pkw-Markt der Welt nach China im März mehr Autos verkauften, ging es bei VW um weitere rund zehn Prozent auf nur noch knapp 27.000 Fahrzeuge nach unten.

Ford kam indes auf knapp 255.000 (plus acht Prozent), die Opel-Mutter General Motors auf 252.000 (plus ein Prozent), Weltmarkführer Toyota auf knapp 222.000 (minus 2,7 Prozent) und Fiat Chrysler auf 213.000 (plus acht Prozent). Insgesamt ist der US-Markt auf gutem Weg, sich dank niedriger Sprit-Preise, Zinsen nahe Null und geringer Arbeitslosigkeit so gut wie seit Jahren nicht mehr zu entwickeln.

Von Volkswagen abgesehen gab es für deutsche Autobauer in den USA ebenso Licht wie Schatten: Die Daimler-Tochter Mercedes verbuchte im März einen Absatz-Rückgang von knapp sechs Prozent auf rund 28.000 Autos, während es bei der VW-Tochter Audi um 7,5 Prozent auf knapp 18.400 Fahrzeuge nach oben ging.

Sind VWs etwa nicht fit für den US-Markt?

Mitten im Diesel-Abgasskandal musste Volkswagen am Freitag erneut einen Rückruf in den USA starten. Insgesamt gehe es um 91.000 Passat-Modelle der Jahre 2012 bis 2014, erklärte ein VW-Sprecher. Wegen fehlerhafter Dichtungen könne es zu einem Kurzschluss kommen. Fahrzeuge außerhalb der Vereinigten Staaten seien nicht betroffen.

Nebenbei müssen damit noch 177.000 Passat-Modelle neue Steckverbindungen bekommen, damit der Motor nicht ausfällt. Rund 5500 E-Golfs in den USA könnten wegen einer überempfindlichen Abschalteinrichtung stehen bleiben. Bei 800.000 Geländewagen vom Typ Touareg und Porsche Cayenne sind die Bremspedale nicht sicher aufgehängt.

Der aktuelle Rückruf ist der vierte, der in den vergangenen zwei Wochen bekannt wurde - und das, während das ungleich größere Problem "Dieselgate" noch sehr weit von einer Lösung entfernt ist.

Und "Dieselgate" gibt es auch noch...

VW muss in den USA ohnehin Hunderttausende Diesel umrüsten, weil der Konzern die illegale Software zum Austricksen von Abgas-Tests aus den Fahrzeugen entfernen muss. Bislang konnten sich die Wolfsburger aber nicht mit der US-Umweltbehörde EPA auf einen Plan zur Beseitigung der Betrugsprogramme einigen.

Der Hersteller muss sich in der "Dieselgate" genannten Affäre, die weltweit elf Millionen Autos betrifft, mit Hunderten Zivilklagen und strafrechtlichen Ermittlungen auseinandersetzen. Es drohen neben hohen Umrüstungs- und Rückkaufkosten Strafen in Milliardenhöhe.

Auch hierzulande schwindet die Geduld

In Deutschland muss VW in diesem Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten rufen. Bisher sind aber nur wenige Tausend Pick-ups vom Typ Amarok umgerüstet. Die ersten Dieselvarianten der Limousine VW-Passat mit dem Skandal-Motor EA 189 hätten eigentlich schon in der neunten Kalenderwoche ab Ende Februar in den Werkstätten sein sollen. Doch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hatte auch bis zum Freitag noch keine Freigabe für die Beseitigung der Betrugs-Software erteilt.

Unterdessen erwägt die Opposition im Bundestag die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zum VW-Skandal. Wenn Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nicht endlich zur Aufklärung beitrage, wäre ein Untersuchungsausschuss ein Mittel, "um endlich Transparenz in die Kumpanei zwischen Bundesregierung und Autoindustrie zu bringen", sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Wie das Magazin "Der Spiegel" ohne Nennung von Quellen berichtet, will die Opposition die Einsetzung des Gremiums noch im April beantragen.

Verbraucherschützer und der ADAC forderten Dobrindt auf, auf VW einzuwirken. Die betroffenen Fahrer von VW-Dieselfahrzeugen müssten endlich die Sicherheit haben, dass ihnen wegen des Software-Betruges keine finanziellen Nachteile entstehen wie etwa Wertverlust bei den Wagen. Notfalls müsse eben der Konzern zusichern, einzuspringen.

dk/ (dpa/rtr)