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Wirtschaft

VW bricht Fusionsgespräche mit Porsche ab

Der Machtkampf zwischen Porsche und Volkswagen geht in eine neue Runde. VW sagte ein für Montag angesetztes Gespräch mit Porsche überraschend ab. Porsche-Beschäftigte planen Proteste gegen VW-Aufsichtsratschef Piëch.

Ein VW-Logo vor dem Porsche-Center in Stuttgart (Foto: dpa)

Neue Eskalationsstufe im Machtkampf zwischen VW und Porsche

Eigentlich wollten sie sich unterhalten über ein mögliches künftiges Zusammengehen, doch jetzt hat Volkswagen ein für Montag (18.05.2009) angesetztes Gespräch mit Porsche abgesagt. Der Übernahme-Streit zwischen beiden Autoherstellern verschärft sich damit weiter. Der Betriebsratschef von Volkswagen, Bernd Osterloh, bestätigte am Sonntag, er habe die Unterbrechung der Fusionsgespräche mit Porsche eingefordert. In der derzeitigen Lage sehe er keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche. "Wir lassen es nicht zu, dass Volkswagen und einzelne Personen unseres Unternehmens in Misskredit gebracht werden, weil es bei Porsche keine Linie gibt", sagte Osterloh.

Ein VW-Sprecher erklärte, man teile die Meinung des VW-Betriebsrats, die Entscheidung von Osterloh sei richtig gewesen. Deshalb habe man sich zu der Absage des Treffens entschlossen. Zum weiteren Vorgehen machte der Autokonzern keine Angaben. Porsche kommentierte die von VW initiierte Unterbrechung der Gespräche zunächst nicht.

Porsche-Mitarbeiter wollen gegen Piëch demonstrieren

Wolfgang Porsche (rechts) und Ferdinand Piëch beim Autosalon in Genf am 03.03.2009 (Foto: dpa)

Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch haben sich auf einen Zusammenschluss verständigt

Hintergrund der erneuten Eskalation des seit Jahren währenden Streits zwischen Porsche und VW sind Äußerungen von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch am Rande einer Autovorstellung auf Sardinien. Er hatte erklärt, Porsche habe Schwierigkeiten, Geld aufzutreiben, VW könne dagegen leichter Kredite bekommen. Deshalb sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar. Laut dem Magazin "Spiegel" löste Piëch, dessen Mutter eine geborene Porsche war, auch damit Unmut beim Stuttgarter Autokonzern aus, dass er den Preis für den Verkauf von Porsche heruntergerechnet habe.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück warf Piëch vor, die Stuttgarter verraten zu haben. "Er hat hier nichts mehr verloren", soll Hücke laut dem Magazin "Fokus" während einer Betriebsratssitzung gesagt haben. Für Montag hat Hück die Porsche-Beschäftigten zu einer Demonstration gegen den VW-Patriarchen aufgerufen. Dem Bericht zufolge findet die Aktion während der Anwesenheit Piëchs bei einer Aufsichtsratssitzung im Werk Weissach statt. Rund 8000 Beschäftigte wollen demnach an den Standorten Zuffenhausen und Weissach so lange die Arbeit niederlegen, wie sich Piëch auf dem Werksgelände befindet.

Grafik über die Machtverhältnisse bei Porsche und Volkswagen (DW-Grafik Olof Pock; Stand: 17.09.2008)

Machtverteilung bei Porsche und Volkswagen

"Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes"

In VW-Kreisen hatte es bereits am Samstag geheißen, die Porsche-Führung verkenne die Lage total. Die finanzielle Situation des Sportwagenbauers sei "äußerst brenzlig". Vorwürfe, Volkswagen wolle Porsche fertigmachen, seien eine "Dolchstoßlegende". Vielmehr habe die Familie Porsche VW gebeten, eine Porsche-Übernahme durch den Wolfsburger Konzern zu prüfen. Es habe dazu mehrere Krisentreffen in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover gegeben.

Ein Porsche-Logo (links) neben einem Logo von Volkswagen (Illustration: dpa)

Können sich VW und Porsche doch noch auf eine Fusion einigen?

VW-Betriebsratschef Osterloh stellte klar, die Familie Porsche müsse jetzt deutlich vorgeben, wozu sie bereit sei und wozu nicht. Das solle erst einmal hausintern geklärt werden. "Wenn man dann wieder auf Volkswagen zugeht, dann muss klar sein, worüber wir überhaupt sprechen wollen. Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes", sagte Osterloh. Er betonte zugleich, bei Volkswagen seien alle Beteiligten für eine Lösung offen.

Die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch hatten sich Anfang Mai bei einem Treffen in Salzburg auf ein Zusammengehen des hoch verschuldeten Sportwagenbauers mit dem VW-Konzern geeinigt. Entstehen soll ein integrierter Autokonzern mit zehn Marken. Die Vorstände beider Unternehmen wurden beauftragt, innerhalb von vier Wochen die Modalitäten für einen Zusammenschluss zu erarbeiten. Seitdem gab es bereits Gespräche auf Arbeitsebene, an denen auch das Land Niedersachsen beteiligt war. (kis/kle/dpa/ap/afp)

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