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Politik

Vorwurf mit Nebenwirkung

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat Syrien vorgeworfen, militärisches Material an Irak zu liefern. Die Äußerung wecke Ängste in der syrischen Bevölkerung, meint der syrische Publizist Michel Keilo im Interview.

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Zunehmende Proteste in Syrien gegen Großbritannien und die USA

Die angeblichen militärischen Lieferungen an den Irak seien ein "feindlicher Akt", polterte der amerikanische Verteidigungsminister. Das Dementi der syrischen Regierung kam prompt - doch die Nervosität bleibt. Was verbirgt sich hinter den Anschuldigungen des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld? Der syrische Publizist Michel Keilo - der sich als demokratischer Reformer auch außerhalb seines Landes einen Namen machte - befürchtet, dass der Krieg im Irak nur der Anfang eines massiven amerikanischen Eingriffs in die Politik der Region sein könnte. Die Äußerungen von Donald Rumsfeld seien ein Wink mit dem Zaunpfahl. "Er sprach über Syrien und er sprach über Iran. Die Amerikaner sprechen von einer Neuordnung in unserer Region", so Keilo.

Pest oder Cholera

Die syrische Bevölkerung sowie die Menschen im gesamten Nahen Osten haben Ängste angesichts der verzwickten Situation. Es geht um eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera. Denn einerseits lehnen Araber, Perser und Pakistanis eine amerikanische Einmischung ab - seit Tagen protestieren sie nun schon zu Tausenden gegen den Krieg und missachten dabei Ausnahmezustände und Demonstrationsverbote.

Andererseits haben wirtschaftliche Misere und hohe Arbeitslosigkeit seit Jahren eine zunehmende Ablehnung der veralteten, autoritären Regime zu Folge. Auch diese Ablehnung kommt auf Massenkundgebungen zum Ausdruck. Besonders kritisch stehen die Menschen den Reaktionen ihrer Regierungen auf den Irakkrieg gegenüber. Sie seien zu passiv, lautet die Anschuldigung.

Misstrauen gegenüber den Amerikanern

In dieser Situation des Zwiespalts kann ein Vorwurf wie der des amerikanischen Verteidigungsministers - egal, wie gut begründet er ist - ausreichen, um die Stimmung in der Bevölkerung anzuheizen. "Die Syrer wären sehr, sehr froh, wenn es stimmt, dass Syrien dem Irak hilft. Man spricht jetzt nicht mehr über die Demokratie. Man glaubt nicht, dass die Amerikaner die Demokratie mit sich bringen", sagt Keilo.

Man spreche jetzt vielmehr von der Verteidigung der arabischen Welt. Die Ankündigung der Amerikaner, den Irak zu besetzen, selbst wenn Saddam Hussein die Macht verlässt, habe die Menschen in Syrien verängstigt. Die Haltung vieler Syrer gegenüber den USA ist seitdem ablehnend. Keilo charakterisiert die vorherrschende Meinung in der Bevölkerung so: "Also diese Leute bringen uns nicht die Demokratie, sondern die Okkupation. Und wir müssen uns widersetzen."

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