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Europa

"Vorwärts, du Generation Putins!"

Lagerfeuer, Gitarrenklänge, Dauerläufe und Networking: Am russischen Seliger See sind die jungen Putin-Fans von "Naschi" unter sich. Nebenbei planen sie die politische Zukunft Russlands. Jegor Winogradow war vor Ort.

'Naschi'-Anhänger am Seliger See vor Plakaten, die Oppositionelle als Prositiuierte darstellen (Quelle: dpa)

Für sie sind Oppositionelle nichts als Prostituierte: 'Naschi'-Anhänger am Seliger See

Es ist wie ein kleiner "Staat im Staat": Ein Gebiet am Ufer des Seliger Sees mit einer Bevölkerung von 7000 Menschen, eigenen Gesetzen und sogar einem eigenen Wachdienst. Es ist das Sommerlager für Jugendliche, veranstaltet von der Bewegung "Naschi", zu deutsch "Die Unseren" - oder einfach "Putin-Jugend".

Für "richtige" Antworten ist gesorgt

Die Grenze des Territoriums wird bewacht, so wie es sich für eine Staatsgrenze gehört. Wir Journalisten, die eine Stunde zu früh eingetroffen sind, dürfen die Passierstelle erst zum vereinbarten Termin überschreiten. Allein durch das Lager spazieren darf man nicht. Man könne sich verlaufen, heißt es. Schwer zu glauben, denn ein so genannter "Guide", der jedem Gast zur Seite gestellt wird, achtet darauf, dass auf unsere Fragen die richtigen Antworten gegeben werden.

"Wir brauchen Menschen wie Wladimir Putin, die sich um das Schicksal Russlands sorgen, die bereit sind, Amerika und die Europäische Union herauszufordern", findet ein Jugendlicher. Ein anderer ist überzeugt: "Aus uns will man eine Generation machen, die die Welt zum Besseren verändert."

Gasprom ist mit von der Partie

Obwohl der "Naschi"-Vorsitzende Wasilij Jakemenko eine staatliche Finanzierung abstreitet, kann man sich nur schwer eine andere Quelle vorstellen, die ein solch groß angelegtes Projekt finanzieren könnte: komplette Verpflegung und Unterbringung mehrerer Tausend Jugendlicher für zwei Wochen. Einer der Sponsoren des Projekts sei die staatsnahe Gesellschaft Gasprom, sagt Jakemenko.

Auf Schritt und Tritt begegne ich im Lager Spruchbändern, die zwischen den Bäumen hängen. "Ich möchte zu Putin!", ist dort zu lesen. "Vorwärts, du Generation Putins!" oder aber die Aufforderung: "Werde Verbindungsmann des Präsidenten! Wie wir!"

Gegner werden als Prostituierte diffamiert

Auch ein klares Feindbild gibt es im Sommerlager der "Naschi". Entlang eines Weges, der vom zentralen Platz des Lagers wegführt, sind Abbildungen der wichtigsten Oppositionellen des Landes zu sehen: Ex-Premierminister Michail Kassjanow, Schachweltmeister Garri Kasparow und Eduard Limonow, der Gründer der National-Bolschewistischen Partei Russlands - alle drei in Frauenkleidern, dargestellt als Prostituierte. Auf die Frage "Wer ist das?" finden die "Naschi"-Aktivisten eine deutliche Antwort: "Das sind Faschisten, die unser Land verraten haben."

"Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" - diese Einstellung der "Naschi"-Anhänger sorgt bei Vertretern anderer Jugendorganisationen für Bedenken. Ilja Jaschin, Vorsitzender der Jugendorganisation der Oppositionspartei "Jabloko", kritisiert die politische Einflussnahme von Seiten des Staates: "Wenn die Staatsmacht mit der Jugend Handel treibt, dann hat das nichts mit Demokratie zu tun."

Oh Schande: Karriere vorzeitig beendet Zurück im Naschi-Lager wird deutlich, dass wir hier nicht in einem normalen Ferienlager sind. "Warum bist du nicht im Unterricht?", fragt mich ein Mann in Uniform. Ich muss erklären, dass ich Journalist bin. Mein ständiger Begleiter, der "Guide", bestätigt das. Später berichtet mir eine Teilnehmerin, dass sie nach drei Ermahnungen des Lagers verwiesen wurde. Das sei eine Schande und werde ihre Karriere beenden.

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