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Wirtschaft

Vorstände von GDF und Suez billigen Megafusion

Die Fusion des französischen Staatsunternehmens Gaz de France mit dem privaten Energiekonzern Suez ist perfekt. Damit entsteht der weltweit größte Energielieferant.

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Der französische Premier de Villepin (3. v. l.) beim Verkünden der Fusionspläne

Der französische Staatskonzern Gaz de France (GDF) und der private Energie- und Wasserversorger Suez sollen im zweiten Halbjahr zu einem Unternehmen verschmelzen. Das kündigten die Verwaltungsräte beider Konzerne am Montag (27.2.2006) an. Nach der Verschmelzung versprechen sich die Versorger Synergieeffekte von jährlich 500 Millionen Euro. Stellen sollen aber nicht wegfallen.

Sperrminorität für Frankreich

Der Staat, der 80,2 Prozent an GDF hält, werde mit 34 bis 35 Prozent direkt an dem neuen Konzernriesen beteiligt sein und damit die Sperrminorität halten, sagte der französische Wirtschaftsminister Thierry Breton am Montag im französischen Rundfunk. Einschließlich indirekter Beteiligungen werde der Staatsanteil "leicht unter 40 Prozent liegen". Eine Doppelspitze sei für den neuen Gesamtkonzern nicht geplant. Breton bekräftigte, dass die französische Regierung möglichst noch in den nächsten drei Monaten Änderungen des GDF-Gesetzes anstrebe. Dieses Gesetz sieht vor, dass der Staat nicht weniger als 70 Prozent an Gaz de France halten darf.

Aus informierten Kreisen verlautete, GDF wolle einen Aufschlag von zehn Prozent auf den letzten Suez-Aktienkurs zahlen, also rund 47,5 Milliarden Euro. In einer gemeinsamen Erklärung der Konzerne hieß es, Suez werde seinen Aktionären eine einmalige Dividende von einem Euro pro Anteil zahlen. Insgesamt bedeute dies eine Summe von 1,25 Milliarden Euro. Danach werde je eine Suez-Aktie für jede GDF-Aktie angeboten.

Angst vor ENEL

Mit der Fusion will Frankreich verhindern, dass der italienische Konzern ENEL Suez übernimmt und zerschlägt, um sich dessen Stromsparte einzuverleiben. Premierminister Dominique de Villepin hatte bereits am Samstag die Verschmelzung der beiden Unternehmen verkündet und dieses mit der "strategischen Bedeutung" des Energiesektors begründet. Durch die Fusion entsteht einer der größten Gas-Konzerne der Welt und der wichtigste Anbieter von Flüssiggas. Nach aktuellem Stand würde der Börsenwert des neuen Konzerns mehr als 70 Milliarden Euro betragen. Der Umsatz der beiden Firmen lag im vergangenen Jahr bei 64 Milliarden Euro.

Der Suez-Minderheitseigner Knight Vinke Asset Management (KVAM) stuft die vorgeschlagene Fusion mit Gaz de France (GDF) als strategisch sinnvoll ein. Dennoch sollte es dem italienischen Versorger ENEL möglich sein, eine Offerte abzugeben, teilte die Investmentgesellschaft am Sonntagabend in Paris mit. KVAM sprach sich zudem erneut dafür aus, Suez aufzuspalten. Suez sollte vor einer möglichen Fusion mit GDF zuerst seine Wasser- und Entsorgungssparte abtrennen. KVAM gehört teilweise dem kalifornischen Pensionsfonds CalPERS, der ebenfalls an Suez beteiligt ist.

Ärger in Italien

Die im EuroSTOXX 50 notierte Suez-Aktie war am Freitag um etwa sechs Prozent auf 33,98 Euro gestiegen, nachdem es bereits Spekulationen über eine Offerte des italienischen Versorgers ENEL gegeben hatten. Der italienische Stromkonzern ENEL, an dem die Regierung in Rom 30 Prozent hält, hatte am Mittwoch erklärt, Suez sei mögliches Ziel eines Übernahmeangebots, das in Frankreich sofort auf Widerstand stieß. Dabei geht es Enel, der Nummer drei der europäischen Energiebranche, offenbar auch um die belgische Tochter Electrabel, die Suez im vergangenen Jahr vollständig übernommen hatte. Das hohe Gewinne schreibende Unternehmen ist der wichtigste Versorger in Belgien, den Niederlanden und Luxemburg.

Die Fusionspläne hatten Premierminister de Villepin und die beiden Konzernchefs, Suez-Präsident Gerard Mestrallet und GDF-Chef Jean-François Cirelli, am Wochenende in Paris bekannt gegeben. In Italien stieß die Nachricht auf wenig Gegenliebe: Der italienische Industrieminister Claudio Scajola sagte nach Bekanntwerden des Deals ein für Montag in Paris geplantes Treffen mit seinem französischen Kollegen François Loos ab. Über den Grund von Scajolas Absage wurden zunächst keine Angaben gemacht, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete. Offenbar mit Blick auf die Fusion sagte Scajola am Sonntag laut ANSA, die politische und wirtschaftliche Zukunft der Europäischen Union stehe auf dem Spiel, wenn der "Neoprotektionismus" sich durchsetze. Dieser schade Verbrauchern und Unternehmern. Auch Wirtschaftsminister Giulio Tremonti warnte laut einem Bericht der Tageszeitung "La Stampa" vor einer Rückkehr zum Protektionismus in Europa. Der französische Haushaltsminister Jean-François Cope bezeichnete den Zusammenschluss als "wirtschaftlichen Patriotismus". (stu)

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