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Aktuell Europa

Vorsitzender des Friedensnobelpreiskomitees abgesetzt

Das Komitee, das den Friedensnobelpreis verleiht, ist bekannt für seine mutigen Entscheidungen. Nun muss erstmals in der 114-jährigen Geschichte des Preises ein amtierender Jury-Vorsitzender seinen Posten abgeben.

Thorbjörn Jagland ist nicht länger Jury-Vorsitzender des Friedensnobelpreiskomitees in Norwegen. Das entschieden die fünf Mitglieder des Gremiums bei einer Sitzung in Oslo. Der frühere sozialdemokratische Ministerpräsident Jagland hat nun den Rang eines einfachen Mitglieds inne. Abgelöst wird er von der konservativen Politikerin Karin Cecillie "Kaci" Kullmann Five, die seit 2009 stellvertretende Vorsitzende war.

Komitee als Abbild der Mehrheitsverhältnisse

Kullmann Five wollte sich bei einer Pressekonferenz nicht dazu äußern, weshalb Jagland seinen Posten räumen musste. Norwegische Medien hatten aber schon länger über einen möglichen Abgang des bisherigen Vorsitzenden spekuliert. Seit Herbst 2013 stellen Konservative und Rechtspopulisten die norwegische Regierung. Das Parlament "Storting" entscheidet über die Zusammensetzung des Kommitees entsprechend seiner Mehrheitsverhältnisse. Deshalb sitzen nun mehr Vertreter des bürgerlichen als des rot-grünen Spektrums in dem Gremium.

Die neue Jury-Vorsitzende des Friedensnobelpreiskomitees Kaci Kullmann (Foto: Five picture-alliance/dpa)

Nachfolgerin Jaglands wird die konservative Politikerin Kaci Kullmann Five

Umstrittene Entscheidungen Jaglands

Jagland war als Jury-Vorsitzender unter anderem wegen seiner Entscheidung umstritten, US-Präsident Barack Obama 2009 den Friedensnobelpreis zu verleihen. Als 2010 der chinesische Regimegegner Liu Xiaobo ausgezeichnet wurde, verschlechterte das die Beziehungen zwischen Oslo und Beijing. Die chinesische Regierung warf dem Nobelkomitee in diesem Zusammenhang vor, nicht unabhängig von der Regierung zu sein. Auch der Preis für die Europäische Union 2012 war umstritten. Kritiker werfen Jagland außerdem vor, er befinde sich in einem Interessenskonflikt, da er ebenfalls Vorsitzender des Europarats ist.

Für den nächsten Friedensnobelpreis stehen 276 Kandidaten zur Wahl. Er wird jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Oslo verliehen.

nin/kle (dpa, afp)

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