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Europa

Vorsicht ist besser als Dramatik

Günstigere Kredite, eine Art Marshallplan für Athen und die Banken mit im Boot - so lautet die Zauberformel des Brüsseler Euro-Gipfels. Christoph Hasselbach kommentiert.

Themenbild Kommentar (Grafik: DW)

Es war nicht die große Geste, die so viele erwartet hatten: Alle haften unbegrenzt für alle und schützen damit endgültig die Euro-Zone gegen Angriffe von Spekulanten: zum Beispiel durch Euro-Anleihen mit gleichem Zinssatz für solide Staaten wie Schuldensünder oder durch eine gigantische Aufstockung des Rettungsfonds. So haben sich das die einen gedacht. Einiges spricht tatsächlich dafür.

Fass ohne Boden?

Christoph Hasselbach (Foto: DW)

Christoph Hasselbach

Es mehren sich aber auch die Stimmen - nicht nur in Deutschland - die eine rote Linie ziehen wollen. Wo soll das alles enden? Bald ein zweites Hilfspaket für Irland, für Portugal, ein Paket für Spanien, für Italien? Wann ist mal Schluss? Und vor allem: Wo bleibt der Anreiz zum sparsamen Haushalten, wenn man in jedem Fall rausgehauen wird? Otmar Issing, früher Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, meint, bei einer Umschuldung müsse Griechenland die Währungsunion verlassen. Die Schlussfolgerung scheint überzogen, aber zumindest die Bedenken klingen ebenfalls sehr plausibel.

Die Forderungen und Erwartungen der vergangenen Tage bewegten sich oft zwischen diesen beiden Extremen. Aber wie es Bundeskanzlerin Merkel schon angekündigt hatte, ist der große Befreiungsschlag ausgeblieben. Zwar ist die Beteiligung privater Gläubiger neu, den erwarteten teilweisen Kreditausfall will man auf wenige Tage begrenzen und mit dem Rettungsfonds EFSF absichern. Griechenland soll mit einem "Marshall-Plan" wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. Und nicht nur Griechenland, sondern auch die anderen beiden Länder, die gestützt werden, Portugal und Irland, sollen günstigere Kreditbedingungen bekommen, um sie nicht zu strangulieren. Verglichen mit der bisherigen Situation ist das eine ganze Menge.

Endlich Ruhe!?

Aber reicht das? Wenn die Märkte zunächst positiv reagiert haben, bedeutet das gar nichts. Bisher sind die Regierungen der Euro-Zone immer den Marktentwicklungen hintergehechelt. Nach jedem Gipfel hieß es, jetzt sei endlich Ruhe. Wenige Monate später wurde schon das nächste Sondertreffen der Chefs einberufen, um ein klares Signal an die Märkte zu senden.

Trotzdem ist mir das behutsame Vorgehen lieber. Der dramatische Schritt, den viele fordern, hätte eben auch dramatische Folgen, wenn es schiefgeht. Und bezeichnenderweise fordern meist diejenigen dramatische Lösungen, die selbst die Folgen nicht ausbaden müssen. Lieber noch drei Sondergipfel und eventuell nachjustieren als einen dramatischen Schritt nach vorn am Rande des Abgrunds.

Autor: Christoph Hasselbach, Brüssel
Redaktion: Christian Walz

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