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Krise der Fakten - Krieg der Meinungen

"Vorsicht, Fake!" Fünf Aufklärer, die man kennen sollte

Sie identifizieren Social Bots oder decken Geschichtsmythen auf: Viele Initiativen haben sich dem Kampf gegen Falschinformationen im Netz verschrieben. Fünf deutschsprachige Transparenz-Projekte im Überblick.

Screenshot der Seite Botswatch (Botswatch)

Botswatch-Internetseite: Mehr Transparenz auf Twitter mithilfe eines Analyse-Tools

Hoaxmap

Flüchtlinge rauben Supermärkte aus, essen Schwäne und pinkeln gegen Grabsteine? Seit Beginn der Flüchtlingsdebatte kursieren in den sozialen Netzwerken immer wieder haarsträubende Geschichten über Asylbewerber. Häufig sind sie völlig haltlos.

Wird eine Lüge von den Medien eindeutig entlarvt, kommt sie in die "Hoaxmap". Das Projekt soll "Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte" bringen, heißt es auf der Webseite. Die Landkarte hier zeigt orangefarbene Fähnchen, hinter denen sich Links zu Gerüchten verbergen, die bereits als solche entlarvt wurden. Viele Hinweise auf Falschmeldungen erhalten die Macher von Usern. Durch einen Klick auf Schlagwörter wie "Vergewaltigung” oder "Raub/Diebstahl” kann man gezielt nach entsprechenden Meldungen suchen.

Sreenshot der Website hoaxmap.org ( hoaxmap)

Deutschlandkarte der Lügen: Bei "Hoaxmap" kann man entlarvte Gerüchte nach Ort oder Bundesland suchen

Gegründet wurde "Hoaxmap" von den Leipzigern Lutz Helm und Karolin Schwarz. Mit dem Projekt wollten sie zeigen, "dass Gerüchte und Fake News über Flüchtlinge auf Social Media bewusst genutzt werden, um den politischen Diskurs zu vergiften", sagt Schwarz im DW-Interview. 2016 wurde "Hoaxmap” für den Grimme-Online-Award nominiert.

Geschichtscheck

War Jesus weiß? Ist die Bundesrepublik ein souveräner Staat? Stammen wir von den Germanen ab? Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Projekt "Geschichtscheck". In politischen Netzdiskussionen wird häufig mit Geschichte argumentiert. "Leider wird sie auch benutzt, um Hass zu begründen", sagt Projektgründer Moritz Hoffmann.

"Geschichtscheck" beobachtet Facebook-Kommentare unter Medienartikeln zu historischen Ereignissen und greift Themen auf, die besonders intensiv diskutiert werden. Die Historiker erstellen Grafiken mit Fakten, die Nutzer teilen können. Wer mehr erfahren möchte, kann auf der Webseite weiterführende Texte lesen oder den Historikern selbst Fragen stellen. Außerdem bietet "Geschichtscheck" Workshops in Schulen an.

Die meisten Falschinformationen im Social Web beziehen sich laut Moritz Hoffmann auf die deutsche Geschichte ab 1933. Auch über die Frühphase der Bundesrepublik und die sogenannten Gastarbeiter würden viele Mythen verbreitet. Neu sei eine besondere Form der "Ostalgie", die Hoffmann erklärt als "eine Sehnsucht nach der DDR, die gar nicht so viel mit Sozialismus zu tun hat, sondern mit einer Bindung an Russland". Bis Ende Januar wird das Projekt noch von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Mimikama

Die österreichische Non-Profit-Organisation "Mimikama - Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch" ist so etwas wie ein Urgestein der Faktencheck-Szene. Das Projekt wurde 2011 gegründet, also zu einer Zeit, als der Begriff "Fake News" noch nicht die Schlagzeilen beherrschte. Die "Mimikama"-Initiative "ZDDK - Zuerst denken, dann klicken" warnt vor Klickfallen, WhatsApp-Viren, Spam-Mails, Falschmeldungen und Social-Media-Gerüchten.

Dabei verlassen sich die ehrenamtlichen Mitarbeiter auch auf die rund 670.000 Facebook-Fans der Initiative: Auf der "Mimikama"-Webseite können Nutzer mit Hilfe eines Formulars Fakes melden. Außerdem bietet der Verein eine Anleitung zum Erkennen von Fake News und eine eigene Suchmaschine für Fakes im Internet ("Hoaxsearch") an.

Bildblog

"Bildblog" wurde 2004 gegründet und sollte ursprünglich die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung und ihrer Ableger kritisch begleiten. Seit 2009 setzt sich das Watchblog auch mit anderen deutschsprachigen Medien auseinander.

Zum Beispiel nahm die Webseite Ende Dezember einen Artikel des rechtspopulistischen Magazins "Compact" unter die Lupe. Darin wurde suggeriert, in einer Kasseler Kita solle es eine Art Weihnachtsfeier-Verbot geben, in Schulen in Breisgau-Hochschwarzwald sei in der Vergangenheit ähnliches passiert. Die "Bildblog"-Recherche ergab: Die Behauptungen waren falsch.

Den Betreibern geht es allerdings nicht nur darum, Fake News aufzudecken. Auch "tagesaktuell sachliche Fehler, Sinnentstellendes und bewusst Irreführendes" sowie Verletzungen des Persönlichkeitsrechts würden dokumentiert. Häufig gehen die Autoren dafür Nutzer-Hinweisen nach.

Botswatch

Social Bots sind kaum von Internetnutzern aus Fleisch und Blut zu unterscheiden. Die kleinen Programme verhalten sich wie echte Social-Media-Accounts, können twittern, Nutzern antworten und Beiträge teilen. Gefährlich wird es, wenn sie als Meinungs- oder Propaganda-Roboter zum Einsatz kommen. Spätestens seit der Wahl von Donald Trump herrscht viel Verunsicherung darüber, ob und wie Social Bots die politische Meinungsbildung beeinflussen können.

Die Digital-Strategin Tabea Wilke hat deshalb das Projekt "Botswatch" ins Leben gerufen. Besonders erfolgreich seien Social Bots in Zeiten, "in denen Nachrichten schnell verbreitet werden, wie etwa während eines Bundestagswahlkampfes, oder wenn die Nachrichtenlage unklar ist, zum Beispiel kurz nach einem Terroranschlag", sagt Wilke. Social Bots könnten in kurzer Zeit falsche Informationen verbreiten, wenn offizielle Stellen noch schwiegen.

Mit einem Team hat Wilke ein Tool zur Identifizierung von Social Bots entwickelt. Hauptkriterium sei die Aktivität: Twittert ein Account durchschnittlich mehr als 50 Mal am Tag, wird er als Bot erfasst. "Social Bots zu erkennen, ist komplex, weil sie ihr Verhalten täglich ändern", sagt Wilke. Mithilfe diese Tools analysiert "Botswatch" die Twitter-Reaktionen auf Polit-Talkshows und Reden. So zeigt eine Analyse: Rund zehn Prozent der Nutzer, die bei der CDU-Parteitagsrede von Angela Merkel unter den Hashtags #Merkel und #cdupt16 twitterten, waren Bots. Diese Transparenz soll auch Journalisten helfen, die für ihre Berichterstattung in den sozialen Netzwerken recherchieren.

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