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Kultur

Vorprogrammiertes Ende

Seit fast 30 Jahren hat er seinen festen Platz neben dem Fernseher: Der VHS-Videorekorder. Doch sein Ende scheint zu nahen.

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Henker des VHS-Videorekorders: der DVD-Spieler

Der Videorekorder hat mächtige Konkurrenz bekommen: In fast jedem fünften Haushalt steht inzwischen ein DVD-Player. Die digitalen Geräte sind angetreten, die Ära der analogen Videoaufzeichnung zu beenden. Und sie sind inzwischen auch erschwinglich geworden: Zum Marktstart im vergangenen Jahr kosteten diese DVD-Rekorder noch rund 2045 Euro. Inzwischen aber sind es nur noch zwischen 700 und 800 Euro. Wer eine TV-Karte in seinem Rechner hat, kommt sogar noch günstiger davon: DVD-Brenner für Mac oder PC peilen die 300-Euro-Grenze an. Der entscheidende Unterschied: DVD-Recorder laufen sehr stabil, PCs stürzen hingegen gerne ab.

Mit dem Wechsel von der analogen zur digitalen Aufzeichnung steht auch im Videobereich ein Abschied von den Magnetbandkassetten bevor. Aufgezeichnet werden die Videosignale in genau jenem datenreduzierten Format, in dem auch vorbespielte Kauf-DVDs ausgeliefert werden. Wie gut die Aufzeichnung wird, kann der Anwender selbst entscheiden. Die volle Auflösung bei geringer Kompression sorgt für hohe Qualität - aber auch für eine nur kurze Laufzeit der DVD von gerade mal einer Stunde. Eine hohe Kompression verschlechtert das Bild auf VHS-Qualität, kitzelt aus einem DVD-Rohling dafür aber bis zu sechs Stunden Aufzeichnung. Der Rohling kostet inzwischen so viel wie eine gute VHS-Kassette.

Angst der Verbraucher

Den Angstschweiß auf die Stirn treiben dürfte zahlreichen wechselwilligen Verbrauchern indes das Durcheinander inkompatibler DVD-Standards. Der Kampf zwischen den Anbietern von Geräten und Rohlingen nach dem so genannten Plus- und Minusformat ist in vollem Gange. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Standards, die miteinander inkompatibel sind und die je nach Hersteller variieren. Auch die Aufnahmemedien sind miteinander unvereinbar. Wie weit sich diese Aufnahmen dann auf anderen Geräten als dem Aufnahmegerät wiedergeben lassen, ist bislang ein Glücksspiel.

Selbst bei als "Allesfressern" bekannten DVD-Playern ist nicht vorhersagbar, ob eine selbstgebrannte DVD tatsächlich wiedergegeben werden kann - auch wenn alle technischen Voraussetzungen erfüllt scheinen. Denn neben den technischen Gegebenheiten des DVD-Recorders, des DVD-Players und des Plus- oder Minus-Standards spielen die Qualität und Eigenschaften der DVD-Rohlinge eine derart entscheidende Rolle, dass niemand vorhersagen kann, auf welchem DVD-Player die Scheibe läuft und auf welchem nicht.

Digitales TV

Vorangetrieben werden dürfte der Trend zu DVD-Rekordern durch den Wechsel vom terrestrischen Analogfernsehen zum Digitalfernsehen, das in Berlin vor vier Wochen startete und im nächsten Jahr in anderen Ballungszentren folgen soll. Komfortable Zusatzgeräte zum Empfang des digitalen Fernsehens stellen das rauschfreie Signal digital zur verlustfreien Aufzeichnung bereit. Genau hier liegt indes ein weiteres Verbraucher-Risiko der Digitalisierung im TV-und Videobereich. Sobald sich TV-Anbieter und Inhaber von Filmverwertungsrechten entschließen, die Ausstrahlung mit einem Kopierschutz zu belegen, schalten digitale Rekorder auf Aufnahmesperre und versagen ihren Dienst komplett.

Die Qualität vorbespielter DVDs ist von DVD-Rekordern ohnehin nicht zu erwarten, wie ein Test des Computertechnik-Magazins c't ergab. Denn die analog gesendete Bildqualität selbst bei Kabelanschluss hinkt meist noch deutlich hinter vorbespielten SVHS-Kassetten her. Doch trotz aller Probleme befindet sich Die DVD-Branche befindet im Freudentaumel. Alle Erwartungen an die diesjährigen Verkaufszahlen sind nach Angaben von Industrievertretern übertroffen worden: Es wurden 6,6 Millionen DVD-Spieler verkauft und mehr als 40 Millionen Film- und Musiktitel. (dpa)