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Wirtschaft

Vorläufiges Aus für Kaffee-Handelsplatz New Orleans

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Hurrikans "Katrina" betreffen nicht nur den Rohstoff Öl. Denn New Orleans ist auch einer der wichtigsten amerikanischen Umschlags- und Lagerplätze für Kaffee.

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Wichtig für New Orleans: Kaffeebohnen

Wer sich mit New Orleans und Kaffee befasst, kommt am "Café Du Monde" nicht vorbei. Das 1862 gegründete Kaffeehaus zählt neben French Quarter und Mardi Gras zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Hier wurde schon guter Kaffee getrunken, als "Starbucks" nur eine Romanfigur in "Moby Dick" war. Als Kaffee im 18. Jahrhundert seinen Siegeszug durch die USA antrat, war New Orleans der Ausgangspunkt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. New Orleans ist die Kaffee-Metropole der USA.

Hurrikan Katrina Luftbild auf das überflutete New Orleans

Überflutet: Hafen von New Orleans, Lagerplatz für den Rohstoff Kaffee

Rund zwei Millionen Säcke Kaffee stapeln sich derzeit noch in Depots in und um New Orleans, unter anderem im weltgrößten Lager des US-Kaffeeriesen Folgers. Wie viel davon durch die Flut zerstört wurde, ist noch unklar. Dennoch reagierten die Händler an der New Yorker Rohstoffbörse sofort. Aus Angst vor Engpässen deckten sie sich umgehend mit Nachschub ein und lösten damit einen Preisanstieg aus. Die in New York gehandelten Kaffee-Terminkontrakte mit Laufzeit bis Dezember stiegen in den drei Tagen nach der Flut um zehn Prozent auf 1,05 Dollar je Pfund Kaffee an.

Wohin mit dem Kaffee?

Nach Einschätzung von Analysten sind damit die kurzfristigen Auswirkungen des Hurrikans für den wahrscheinlichen Ausfall der zwei Millionen Kaffeesäcke an der Börse eingepreist. Der Verlust dieses Kaffee-Kontingents ist für den Markt verkraftbar. "Schlimmer sind die massiven logistischen Probleme", sagt Martin Leffers, Händler beim Hamburger Kaffeeimporteur Benecke Coffee.

Da die Röstanlagen in New Orleans derzeit stillstehen und die Lager voll sind, müssen die Kaffeeröster ihre Ware etwa aus Jamaika nach Miami oder Houston umleiten. Die Lagerkapazität beider Städte ist deutlich geringer als in New Orleans und dürfte schnell erschöpft sein. Die Folge: Die Firmen müssen neue Depots und alternative Röstereien finden. Das kostet Geld und könnte zu steigenden Kaffee-Preisen führen, wenn die Lager- und Produktionsanlagen in New Orleans nicht nur für wenige Wochen, sondern auf Dauer nicht benutzbar sind.

Schäden nicht überschaubar

"Wir müssen alle noch mehrere Wochen Geduld haben, um die Schäden in New Orleans einschätzen zu können", sagt Wolfgang Heinricy, Direktor des Hamburger Kaffeehändlers Rothfos. "Aber es ist doch völlig klar, dass die Rettung von Menschen wichtiger ist als die Inspektion der Schäden an den Lagern und Röstanlagen."

Da aber auf dem Weltmarkt ohnehin ein Überangebot an Kaffeebohnen herrscht und keine Plantagen betroffen sind, dürfte der Grundpreis für Kaffee selbst bei der Zerstörung aller Lager- und Verarbeitungsstätten in New Orleans stabil bleiben. "Wir hatten sowieso Glück, dass momentan nicht die Haupterntezeit für Kaffee ist, denn sonst wären viel mehr Schiffe mit Kaffee unterwegs auf der Suche nach einem Hafen", sagt Kaffee-Händler Leffers.

Kaffee-Ernte in Brasilien

Noch keine Haupterntezeit für rohe Kaffee-Kirschen aus Lateinamerika

Stabile Preise bei Tchibo

Für Verbraucher in Deutschland und Europa ist der Nachschub an Kaffee auch bei einem Totalausfall der Kapazitäten von New Orleans gesichert, da die Ware direkt von den Plantagen nach Europa geliefert wird. Und auch bei den Kaffeepreisen gibt zumindest der nach eigenen Angaben größte deutsche Röster Entwarnung: "Die Schmerzgrenze bei den Kaffeepreisen ist schon jetzt erreicht", sagte ein Tchibo-Sprecher.

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