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Kultur

Vorhang für den ältesten Schauspieler der Welt

Bis zum Schluss hatte "Jopie" Heesters Spaß auf der Bühne. Nun ist er an Heiligabend mit 108 Jahren verstorben. Ein Blick auf ein bewegtes Leben.

Johannes Marius Nicolaas Heesters wollte ursprünglich Priester werden, doch die Bühne hatte ihn schon als ganz jungen Mann fasziniert. Es sollte dennoch knapp 30 Jahre dauern, bis seine Karriere als Sänger und Schauspieler begann. Doch Jahre spielten für den lebenslustigen und jung gebliebenen Greis keine große Rolle. Stolz feierte er seine letzten Geburtstage, stets mit großen Festen, bei denen er auch noch mit kräftiger Stimme sang. 110 Jahre alt wollte er werden. Nun hat er doch "nur" 108 Jahre geschafft. Seinen letzten Geburtstag feierte er am 5. Dezember, mit seiner Familie.

Bis zuletzt sang der inzwischen erblindete Entertainer bei verschiedenen Veranstaltungen, trat im Fernsehen auf und drehte Filme. Die Bühne war seine große Passion.

Der ewige Dandy

Sechzehn Jahre lang besuchte er in den Niederlanden die Schauspielschule. Seine Schauspiel- und Gesangsausbildung finanzierte Johannes Heesters durch die Arbeit in einer Süßwarenfabrik und in einer Bank. Zum ersten Mal trat er 1934 an einer Oper auf, der Volksoper in Wien. Die große Karriere begann aber in Berlin, wo ihn unter anderem der Film "Der Bettelstudent" mit Marika Rökk zum Star machte. Die Berliner gaben ihrem Publikumsliebling den Spitznamen "Jopie", den er bis zuletzt trug.

'Immer nur Du', 1941 Foto: Akademie der Künste Ausstellung 25. August – 22. Oktober 2006 'Johannes Heesters' (Foto: Akademie der Künste)

Aus dem Film "Immer nur du" von 1941

Johannes Heesters bezeichnete sich stets als einen unpolitischen Menschen, als Künstler und sonst nichts. Damit wehrte er sich gegen Angriffe von seinen niederländischen Landsleuten. Die hatten ihm wegen seines kometenhaften Aufstiegs im Nazi-Deutschland lange verübelt, Hitlers Liebling gewesen zu sein. Heesters sagte man aber ein eher distanziertes Verhältnis zum Hitlerregime nach.

Der Holländer mit dem charmanten Akzent wickelte in seinen Theaterstücken und Filmen die Damenwelt um den Finger. 750 mal sang er den Honoré in "Gigi", 1600 mal war er Graf Danilo in "Die lustige Witwe" – das war die Rolle seines Lebens. Der Song "Da geh' ich ins Maxim" wurde zum Evergreen. Kaum jemand konnte sich Johannes Heesters in einem anderen Look vorstellen als mit Frack, weißem Schal und Zylinder – von Kopf bis Fuß der smarte Dandy.

Ein treuer Ehemann

In seinem Privatleben war Heesters das genaue Gegenteil von einem Dandy. Seine erste Frau Louisa starb nach 53 Jahren Ehe. 1992 heiratete er die 45 Jahre jüngere Simone Rethel – damals war er bereits 89 Jahre alt.

Der Entertainer Johannes Heesters und seine Frau Simone Rethel-Heesters während der Gala zum 50-jährigen Bestehen der Kleinen Komödie im Bayerischen Hof in München (Foto: dpa)

Seiner Simone zuliebe hat Heesters das Rauchen aufgegeben

1997 wurde er in das Guiness-Buch der Rekorde aufgenommen, als einziger Schauspieler weltweit, der mit 93 Jahren über 250 Mal in einer Hauptrolle eines dreistündigen Stücks auf der Bühne stand. Titel des Stücks: "Ein gesegnetes Alter". Im selben Jahr erhielt er den Fernsehpreis Bambi für sein Lebenswerk. In seiner Dankesrede betonte er, dass er noch bis zu seinem 100. Geburtstag Theater spielen wolle. Und tatsächlich: Kurz vor seinem 100. Geburtstag stand er noch auf der Bühne – begleitet von seiner Frau. Trotz seiner Blindheit konnte er bis zum Schluss das Auftreten einfach nicht lassen.

"Ich habe mein Leben gelebt", resümierte der Grandseigneur bereits in früheren Interviews. Rund 90 Jahre stand Jopie auf der Bühne, machte Schallplatten, drehte Filme und schrieb auch Bücher. Insgesamt zehn Bambis hat er erhalten, die Goldene Kamera und viele weitere Medienpreise. Gerade kam ein neuer Kurzfilm mit ihm in der Rolle des "Petrus" heraus. Die Verfilmung einer Geschichte von Anton Tschechow ("Wankas heiliger Abend") sollte sein nächstes Projekt sein.

Am 24. Dezember 2011 ist der älteste noch aktive Schauspieler und Sänger der Welt nun gestorben.

Autorinnen: Silke Wünsch/Berit Hempel
Redaktion: Laura Döing

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