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Wissen & Umwelt

Vorhang auf - für das Lampenfieber!

Fast jeder kennt dieses Gefühl der Aufregung - wenn man am liebsten vor einer Aufgabe flüchten würde, statt sich ihr zu stellen, oder wenn man gar ein Blackout hat. Wir erklären, warum das ein wichtiger Instinkt ist.

Licht aus, Spot an: ob nun auf der großen Bühne, im Konferenzraum, oder Klassenzimmer - dem Lampenfieber ist es relativ egal, wie groß das Publikum letztendlich ist. Es kann auch in einer ganz anderen Situation auftreten - wenn wir uns in irgendeiner Form bewähren müssen, zum Beispiel vor einer schriftlichen Prüfung.

Und dann macht sich plötzlich Nervosität bemerkbar, Angst, eine innere Anspannung. Das Lampenfieber ist eng verwandt mit der Kamera- und Mikrofonangst, der Prüfungsangst sowie der Redeangst.

Lampenfieber messbar?

Nein, mit einem Thermometer lässt sich das nicht feststellen, und mit einem echten Fieber hat es auch nichts zu tun. Eigentlich ist es eine ganz normale - gewünschte - Reaktion unseres Körpers. Sie hat sich im Laufe der Evolution entwickelt. Der ursprüngliche Sinn: in einer gefährlichen Situation beim Überleben zu helfen.

Versetzen Sie sich zum Beispiel in die Situation unserer Vorfahren in der Steinzeit. Damals werden sie sich auf der Jagd nur allzu häufig angepirscht haben, ohne zu wissen, was in der Höhle oder hinter dem nächsten Gebüsch auf sie lautert. Ein Säbelzahntiger, ein Mammut vielleicht? Fest stand: Entweder kommt es zum Kampf, oder zur Flucht - und auf beides musste der Körper vorbereitet sein.

Säbelzahntiger

"Lampenfieber" war schon in der Steinzeit wichtig - wenn es um die Begegnung mit Säbelzahntiger und anderen wilden Tieren ging

Die Aktivität der Muskeln war für beide Optionen wichtig, denn zum Antrieb brauchen sie Adrenalin, das dann ausgeschüttet wird. Und das löst dann Symptome aus, wie einen erhöhten Puls, Schweißausbrüche, und Übelkeit. Abgebaut wird das Adrenalin durch körperliche Anstrengung.

Stress lass' nach!

Denn jetzt kommt es darauf an: Im schlechtesten Fall flieht man, oder stellt sich der Sache und kämpft gegen den inneren - in diesem Fall - Säbelzahntiger an. Das Problem: Anders als der Steinzeitmensch, kann der moderne Mensch auf einer Bühne nicht fliehen oder körperlich kämpfen. Genauso wenig wie ein Angestellter im Büro, den der Chef zur Schnecke macht. Und wenn sich das Adrenalin nicht abbaut, wächst die Gefahr stressbedingter Erkrankungen.

Schriftsteller Mark Twain (Foto: ullstein bild).

Schon Mark Twain kannte Lampenfieber

Ein anderer Selbstschutzmechanismus, den es neben Menschen auch bei anderen Säugetieren, Vögeln und sogar Reptilien gibt, ist die sogenannte Schreckstarre. Wir stellen uns tot, um vom Angreifer nicht entdeckt zu werden.

Der Kreislauf schränkt sich ein - auf die essenziellen, lebenserhaltenden Funktionen. Das spart Ressourcen. Die Schmerzempfindlichkeit sinkt - eine Form des Schocks tritt ein. In schlimmen Fällen, etwa bei einer Bombardierung im Krieg, kann das sogar bis zur schweren Traumatisierung gehen, dem Bombenzittern.

Weniger schlimm - aber artverwandt - ist das, was manche Schul- oder Hochschulabsolventen erleben, wenn sie bei der mündlichen Prüfung einen Blackout erleben. Auch auf der Bühne kann es manchem so ergehen.
Etwa dem Schriftsteller Mark Twain:

"Das menschliche Gehirn ist eine wunderbare Sache. Es funktioniert vom Zeitpunkt der Geburt an bis zu dem Moment, wo du anfängst eine Rede zu halten."

Spätestens dann gilt es, Methoden zu finden, um mit der Aufregung klar zu kommen und ein Blackout zu vermeiden. Bewegung kann zum Beispiel helfen, um das Adrenalin in Schach zu halten. Einen Schritt vor, einen zurück, oder schlichtweg ein paar Mal die Sitzposition ändern.

Was wirklich hilft

Routine. Und Übung. Und wenn es doch mal nicht so klappt, wie man es sich vorstellt, hilft es nur die Sache möglichst mit Humor zu nehmen - und nicht zu verzagen, sondern sich solchen Situationen wieder zu stellen und am Ball zu bleiben.