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Global Ideas

Vorgehen gegen illegale Abholzung stärkt die nachhaltige Entwicklung

Zerstörte Wälder sind eine der Hauptursachen für den globalen Klimawandel, und illegaler Holzeinschlag ein Grund dafür. Gesetze und Zertifikate wie FLEGT und FSC sollen das eindämmen.

Ein Truck fährt von links nach rechts durch das Bild, im Vorderung eine junge Frau (Foto: ap)

Kahlschlag im Amazonas Regenwald. Illegale Abholzung, Waldbrände und Wilderei vernichten den Wald und die Lebensgrundlage vieler Tiere.

Auf dem Gelände des Holzgroßhandels Cross Trade in Bremen reihen sich große Lagerhallen. Lastwagen brummen über das Gelände, überall hängt der Geruch nach frischem Holz in der Luft. Massige Baumstämme liegen vor diesen Hallen, Kräne heben sie auf die anrollenden LKW. Dabei fallen weiße Kontrollnummern auf, die auf die Stämme geschrieben stehen. Bei Cross Trade wird kein Baum verladen, dessen Herkunft ungeklärt ist. Dafür sorgt auch ein kleines, unscheinbares Symbol, das auf den Stämmen zu sehen ist - das Zertifikat des Forest Stewardship Council (FSC).

Nahaufnahme mehrerer Baumstämme, an denen ein kleines Siegel klebt, das FSC-Zertifikat (Foto: AP)

Die Holztransporte werden kontrolliert, und es muss nachgewiesen werden, woher das Holz stammt.

Klaus Jürgen Schmidt, Geschäftsführer des Holzgroßhandels, nutzt seit 2006 diese Zertifizierung. Illegales Holz habe er nicht in seinen Hallen, sagt er. „Durch das Zertifikat weiß ich, dass ich der Ware vertrauen kann, mit der ich handle“, so Schmidt. Pflicht ist so ein Zertifikat nicht. Doch der Händler setzt darauf, dass durch Zertifikate wie das FSC der illegale Holzeinschlag in den Erzeugerländern seiner Ware eingedämmt wird. Er sieht sich und seine Branche in der Verantwortung. Es könne nicht nur um den größten Profit gehen, sondern um Nachhaltigkeit. „Darüber hinaus werden vor Ort in Afrika und Asien auch soziale Projekte unterstützt, wie der Bau von Schulen und Krankenstationen“, sagt Schmidt.

Zertifiziertes Holz ist für die Kunden teurer. Schmidt muss sich den Einsatz für nachweislich legales Holz auch leisten können. „Natürlich muss ich sehen, dass mein Unternehmen wirtschaftlich bleibt“, sagt er. Aber ihm gehe es auch um Ideologie und darum, die Holzkäufer für FSC zertifiziertes Holz zu sensibilisieren. „Den Verbrauchern in Deutschland ist oft nicht klar, warum sie zertifiziertes Holz kaufen sollen. Sie denken, dass die Holzgroßhändler damit nur Geld machen wollen“, so Schmidt. Dabei signalisiere das Label doch, dass zertifiziertes Holz nachhaltig geschlagen werde und so auch das Klima schütze, also für jeden gefällten Baum auch neue gepflanzt werden.

Verantwortung der EU

Holzstämme und -bretter liegen auf dem Boden, mehrere Männer tragen das Holz weg (Foto: AP)

Durch die illegale Abholzung entsteht jährlich ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von 12 Milliarden Euro.

Ähnlich sieht das auch die Europäische Union. Ihr Ansatz ist der Aktionsplan FLEGT. Seit 2003 gilt diese rechtliche Grundlage, mit der illegaler Holzeinschlag und die Einfuhr illegal geschlagenen Holzes nach Europa gestoppt werden soll. Sechs Länder haben inzwischen ein entsprechendes Partnerschaftsabkommen unterzeichnet. Damit verpflichten sie sich, vor Ort ein eigenes Kontrollsystem aufzubauen, und Nachweise für legalen Holzeinschlag zu liefern. Doch die bürokratischen Mühlen mahlen in jedem Land langsam, bis Entscheidungen getroffen werden, vergehen oft Jahre. „Es muss mit jedem Land eine Definition von legal und illegal gefunden werden“, sagt Thorsten Hinrichs, Experte für Land- und Forstwirtschaft beim deutschen Verbraucherschutz-Ministerium.

„Importeure erhalten mit der Ware Nachweise über die Legalität des Holzes. Außerdem müssen ihnen Dokumente vorliegen, die nachweisen, ob die Importe aus nachhaltigen Quellen kommen und ob die Arbeitsbedingungen eingehalten wurden.“ Dass FLEGT durchaus erfolgreich ist, hat eine Studie im Jahr 2010 belegt. Der Aktionsplan trage demzufolge zu einer erhöhten Aufmerksamkeit vor Ort bei, illegale Abholzung habe abgenommen. Den Weg weiterführen soll auch eine europäische Tropenholz-Verordnung, die für den März 2013 geplant ist.

Nachhaltige Forstwirtschaft

Ein Mann fällt in Indonesien einen Baum (Foto: AP)

Die Kontrollnummern an den Baumstämmen signalisieren, dass das Holz aus zertifizierten Wäldern stammt.

Das FSC-Zertifikat, mit dem der Bremer Holzhändler Schmidt bereits die Legalität seiner Ware nachweist, könnte Teil dieser Verordnung werden. Gespräche mit der EU gibt es schon. Unternehmen müssten dann belegen, woher ihr Holz kommt. „Für die erfolgreiche Zertifizierung muss nachgewiesen werden, dass die ökologischen Funktionen des Waldes erhalten bleiben. Tiere und Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, müssen geschützt werden“, sagt die Forstwissenschaftlerin Erika Müller. Sie unterstützt die EU-Tropenholz-Verordnung. Waldbesitzer lassen sich von einem unabhängigen Gutachter für fünf Jahre zertifizieren. Dadurch wird erreicht, dass Holzgroßhändler sicher sein können, dass „dieses Holz aus verantwortungsvollen Quellen stammt“, so Müller. Auch Großhändler müssen nachweislich mit legalem Holz handeln und sich einmal im Jahr von einem unabhängigen Gutachter kontrollieren lassen.

Ein positives Beispiel für den Nutzen solcher Zertifikate sei eine Kooperative in Indonesien, sagt die Forstwissenschaftlerin. Hier hätten sich Einheimische zur nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Gemeindewälder verpflichtet. Das Land wurde von der Gemeinde erworben und mit Teak-Holz bepflanzt. Damit ist die Kooperative die erste in Indonesien, die eine FSC-Zertifizierung für ihre nachhaltige Bewirtschaftung erhalten hat. Für jeden Teak-Baum, der gefällt wird, werden zehn Setzlinge gepflanzt. „Die Kooperative trägt dazu bei, dass die Menschen vor Ort verstehen, warum nachhaltige Fortwirtschaft so wichtig ist“, sagt Müller. Davon hat dann auch der Bremer Holzhändler Schmidt etwas, und auf lange Sicht der Baumbestand der Erde und damit auch das Klima.

Autorin: Claudia Völker
Redaktion: Gianna Grün / Klaus Esterluß

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