1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Vorboten des großen Abzugs aus dem Irak

Die Präsenz ausländischer Truppen im Irak bröckelt seit langem. Die von Präsident Bush einst gepriesene "Koalition der Willigen" verliert nun mit Großbritannien ihre letzte starke Säule außerhalb der USA.

Britische Panzer bei Basra. Quelle: dpa

Auch die Briten verlassen den Irak

Es ist nie zuverlässig zu belegen gewesen, wie viele Staaten sich wirklich an der von George W. Bush ausgerufenen "Koalition der Willigen" beteiligten. Selbst in Washington schwankten die Zahlen und es ist ein offenes Geheimnis, dass nicht alle der schließlich genannten 43 Staaten wirklich "mit dabei" waren.

Wichtigster Partner war unbestritten Großbritannien, dessen damaliger Premier Tony Blair gleich 46.000 Soldaten in den Krieg gegen Saddam Hussein schickte. Von ihnen sind gerade noch 4100 übrig und auch diese sollen nun 2009 den Irak verlassen. Nur einige Hundert sollen zur Ausbildung irakischer Truppen bleiben.

Nur noch Briten sind übrig

Bush. Quelle: ap

US-Präsident Bush predigte die "Koalition der Willigen"

Zurück bleiben dann die US-Truppen, die bis 2011 zu bleiben beabsichtigen. Als Washington kürzlich das Truppenstationierungsabkommen (SOFA) mit Bagdad aushandelte, da waren die Koalitionspartner nicht mit eingeschlossen, nicht einmal die (überwiegend) amerikanischen Sicherheitsfirmen - wie zum Beispiel "Blackwater". Von den Koalitionspartnern waren aber praktisch nur die Briten übrig.

Die anderen hatten den Irak bereits verlassen. Zum Beispiel die Georgier im August und die Polen im November, andere aber gingen so unauffällig wie sie während ihrer Präsenz geblieben waren: Tonga zog sein Mini-"Kontingent" ab, auch Azerbaidschan und Mazedonien holten ihre Soldaten zurück.

Zögern beendet

Al-Maliki und Bush bei Gesprächen. Quelle: dpa

Irak Premier Al-Maliki machte in den USA und in Großbritannien klar: Die Truppen sollen abziehen

Nur in London zögerte man noch, dem unpopulären Einsatz ein Ende zu setzen. Der irakische Ministerpräsident, Nouri al-Maliki, kam Premier Gordon Brown da entgegen, als er unlängst bei einem Besuch sich für den Einsatz der "Tommies" bedankte und versicherte, es werde künftig ohne solche Hilfe gehen.

Die Briten waren für Teile des Südirak zuständig, vor allem für die Hafenstadt Basra. Anfangs schien es ihnen dort auch weit besser als den Amerikanern im Norden zu gelingen, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Dann aber erwies sich dies als Fiktion: In Basra gewannen radikale schiitische Truppen die Oberhand, die Briten gaben die Stadt schließlich auf und zogen sich in eine Basis am Flughafen zurück, wo sie bis heute sitzen.

Überflüssig

Die relative Beruhigung in Basra trat erst nach dem Einsatz irakischer Sicherheitskräfte ein. Ein Verbleib der Briten war in jeder Hinsicht überflüssig geworden.

Zumal es London bisher auch nicht gelungen war, analog zu Washington ein Truppenstationierungsabkommen mit Bagdad auszuhandeln, das den rechtlichen Status der Briten nach Ablauf des UN-Mandats Ende des Jahres regelt.

Mag sein, dass dieses Abkommen nun doch noch in den letzten Tages des Jahres zustande kommt. Immerhin scheint es über den wichtigsten Teil ja keine Meinungsverschiedenheiten mehr zu geben: Dass nämlich die Dauer der britischen Truppenpräsenz sehr "überschaubar" geworden ist.

Die Redaktion empfiehlt