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Kultur

Vorbilder auf Leinwand

Zukunft? Was soll ich damit machen? Davor haben die Menschen Angst. Da halten sie sich gerne an Vorbilder, an große Persönlichkeiten. Und deshalb boomen im Kino "Biopics": verfilmte Biografien von Promis.

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Menschen sehen gern verfilmtes Leben - nicht nur das von Che Guevara

Als Trend oder Welle wird das Genre selten gesehen. Doch Filme über das Leben großer Persönlichkeiten (auf Englisch: Biopics) häufen sich in letzter Zeit. Auf beiden Seiten des Atlantiks haben die Regisseure Stoffe aufgegriffen, die den verunsicherten Menschen Sicherheit geben sollen - eine historische Biografie suggeriert im Rückblick irgendwie Einheit, Sinn und Zielgerichtetheit.

Revulutionäre, Maler und Musiker

Salvador Allende

Chiles Präsident Salvador Allende bei der UNO, 1972 - auch sein Leben wurde verfilmt

Die Zuschauer können Prominenten beim Leben zusehen. Der brasilianische Regisseur Walter Salles ("Central Station") hat Che Guevara seinen neuen Spielfilm gewidmet: das gerade angelaufene Roadmovie "Die Reise des jungen Che". Das dokumentarische Kino hat nachgezogen, und zwar unter der Regie von Patricio Guzmán - mit "Allende - der letzte Tag", einem Film über den chilenischen Ex-Präsidenten, der sich 1973 das Leben nahm. Deutschland-Start ist am 25. November 2004.

2005 kommt dann der Glamour – schließlich sind Stars jedweder Art auch gern genommene Vorbilder. So ist Howard Hughes, der Flugzeugkonstrukteur und Liebhaber von Hollywood-Diven, der Held im neuen Film von Martin Scorsese; "The Aviator" heißt das Werk, das im Januar 2005 anläuft. Irwin Winkler hat das Leben des Komponisten Cole Porter mit Kevin Kline und Ashley Judd in Szene gesetzt. Jamie Foxx ("Collateral") schlüpft in "Ray" in die Haut des blinden Musikers Ray Charles, Andy Garcia ist Amedeo Modigliani, der Maler und Bohemian schlechthin. Und Bill Condons Film um Alfred Kinsey blickt hinter die Kulissen der Sexualforschung – der Biologe Kinsey war Gründer des "Kinsey Institute for Research in Sex, Gender and Reproduction" in Indiana.

Die Biografie darf Knicke haben

Jamie Foxx als Ray Charles

Jamie Foxx in der Rolle des Ray Charles

So viel tatsächlich gelebtes Leben war also nie auf der Leinwand. Allerdings ist das Biopic auch nicht mehr, was es mal war. Das Muster, nach dem klassische Genrebeiträge - wie John Hustons Sigmund-Freud-Film oder Anthony Manns "Glenn Miller Story" - funktionierten, scheint nicht mehr zu tragen. Es geht nämlich nicht mehr um heldenhafte, mutige Leistungen; nicht mehr um den medizinischen Durchbruch oder die Geburt einer Nation, nicht mehr um die Mondlandung oder die Atlantik-Überquerung in einem Propellerflugzeug.

Heutzutage dürfen in biografischen Filmen die Berühmtheiten auch scheitern (wie "Allende") oder exzentrisch sein (wie Hughes in "Aviator"). Manchmal erzählen die Werke von kleinen subkulturellen Beben - wie Irwin Winklers Film "Die Cole Porter Story", der die bisher unterbelichtete schwule Szene des klassischen Show-Business erkundet.

So kommt es auch, dass sich Walter Salles in "Die Reise des jungen Che" nicht um den Revolutionär Ernesto Guevara oder gar die Ikone "Che" kümmert. Stattdessen erzählt er von Land und Leuten, durch die Guevaras politische Ideen erst konkretere Züge annehmen.

Auch die Schlampigen leben weiter

Manchmal kann so ein Prominentenleben dann auch zufällig und fragmentarisch erscheinen. Vorbilder müssen nicht immer eine einheitliche, erfolgreiche, geglückte Karriere vorzuweisen haben. Sie können auch Vorbild sein, indem sie uns, mit dem verstorbenen Komiker Walter Matthau, sagen, dass das Leben weitergeht - auch für die, die "geschieden, pleite und schlampig sind". (reh)

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