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Nahost

Vorbild Hitler-Deutschland

Saddam Hussein ist Vorsitzender des irakischen Flügels der arabischen Baath-Partei. Diese Partei ist im Irak seit 1968 an der Macht. Wo liegen ihre ideologischen Wurzeln? Welche Rolle spielt sie heute im Machtgefüge?

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Demonstranten sind "Pro". Wer "Contra" ist, hält besser den Mund

Die Baath-Partei wurde 1940 in Syrien gegründet. "Baath" bedeutet auf arabisch soviel wie Wiedergeburt oder Renaissance. Michel Aflaq, der Hauptgründer der Partei, hatte eine Vision: Nach der Ära des Kolonialismus sollten alle arabischen Länder sich als eine arabische Nation begreifen. Die drei Grundprinzipien der Baath-Partei lauteten Einheit, Freiheit und Sozialismus. Dagegen lehnten die Baath-Gründer Kommunismus sowjetischer Prägung und westliche Demokratie ab. Ihnen schwebte vielmehr ein "nationaler Sozialismus" arabischer Prägung vor.

Vorbild Drittes Reich

Aflaq sah Hitler-Deutschland als eines seiner Vorbilder und empfahl seinen Parteigenossen sogar die Lektüre von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg. Die Idee des arabischen Nationalismus wurde damals vor allem von arabischen Christen vertreten. Professor Peter Heine, Islamwissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und Autor des Buches "Schauplatz Irak", erklärt, warum die Baath-Ideologie gerade für arabische Nicht-Muslime attraktiv war: "Die ersten Anhänger der Baath-Partei waren vor allem Angehörige der religiösen Minderheiten im Orient, die hofften, durch dieses neue Konzept der Nation aus ihrem Minderheitenstatus herauszukommen. Da waren sie dann nicht mehr die Minderheit der Christen gegenüber der Mehrheit der Muslime - sondern plötzlich waren alle Araber."

Putsche und Machtkämpfe

Die Baath-Partei hat Ableger in allen arabischen Ländern, etablieren konnte sie sich jedoch nur in Syrien und im Irak. In Syrien kam die Baath-Partei 1963 und im Irak 1968 an die Macht. Allerdings geschah dies in beiden Ländern nicht durch freie Wahlen, sondern durch Putsche und Machtkämpfe. Schon bald kam es zu unüberwindlichen Differenzen zwischen den irakischen und den syrischen Baathisten. Diese hatten allerdings weniger ideologische, sondern vielmehr persönliche und machtpolitische Ursachen. Der irakische Flügel der Baath-Partei wollte sich dem syrischen nicht mehr unterordnen und beanspruchte seinerseits die Führungsrolle.

In Syrien und im Irak regieren seit jenen Tagen zwei Flügel der Baath-Partei, die faktisch miteinander konkurrieren und zueinander in Gegnerschaft stehen. Die Konkurrenz zwischen dem inzwischen verstorbenen syrischen Präsidenten Hafis al Assad und dem Iraker Saddam Hussein ging sogar so weit, dass sich Syrien 1991 im Golfkrieg auf die Seite der Saddam-Gegner schlug.

Machtinstrument des Familienclans

Weder die arabisch-nationalistische noch die pan-arabisch-sozialistische Ideologie verfügt heute noch über eine bedeutende Anhänger-Schar. Inzwischen spielt man im Zweifelsfall eher die populistisch stärker wirkende islamische Karte. Dahinter verbergen sich allerdings vor allem Clan-Strukturen: In Syrien gehört die Baath-Führung der islamischen Minderheiten-Sekte der Alawiten an. Im mehrheitlich schiitischen Irak sind die meisten hohen Staatsposten von sunnitischen Mitgliedern der Baath-Partei aus Saddams Heimatort Takrit besetzt.

Beide Parteien haben eines gemeinsam: Sie sind Einheitsparteien in ihren Ländern und nach dem "Führer-Prinzip" von oben nach unten durchorganisiert. "Die Partei ist eine Parallelstruktur zum Militär und den üblichen öffentlichen Verwaltungen. Aber es gibt auch Spannungen. Und gegen die, die ihm gefährlich werden könnten, reagiert Saddam Hussein sozusagen durch den Einsatz seiner Großfamilie", erklärt Islamwissenschaftler Peter Heine. Hussein habe dafür gesorgt, dass viele Leute aus seiner Familie und seinem Clan auf wichtige Posten im Sicherheitsapparat, beim Militär, in der Verwaltung und in der Wirtschaft gekommen sind.

Opposition wird nicht geduldet

Saddam Hussein hat es stets verstanden, durch Terror und durch ein ausgeklügeltes Netz von konkurrierenden Geheimdiensten alle oppositionelle Regungen zu unterdrücken. Deswegen käme man bei einer Neuordnung des Irak wohl nur schwer um die Baath-Partei und ihre etablierten Strukturen herum, wenngleich man sicherlich Personen aussuchen würde, deren Verhältnis zu Saddam Hussein als nicht zu eng gilt. Interesse an einem demokratischen Irak kann Mitgliedern der Baath-Partei aber nicht unterstellt werden.

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