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Sport

Vorbereitung auf brasilianische Art

Rund 500 Tage vor dem Beginn der Fußball-WM 2014 hängen die Brasilianer beim Bau der Stadien hinterher. Kein Problem, sagen die Organisatoren. Richtige Sorgen bereiten andere Dinge.

"Man muss sich jetzt zusammenreißen, in den Hintern treten und diese Weltmeisterschaft abliefern. Genau das werden wir tun", hatte Jèrôme Valcke, Generalsekretär des Internationalen Fußballverbandes FIFA, im März 2012 gesagt und so seiner Unzufriedenheit mit den Organisatoren der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien Ausdruck verliehen. Damals waren es noch 831 Tage bis zum Start der WM.

Fast ein Jahr später ist seit dieser Woche sogar der Meilenstein von 500 Tagen bis zum Auftaktsspiel unterschritten. Und auch wenn der brasilianische Sportminister Aldo Rebelo erklärt, dass 20 Prozent der Bauarbeiten bereits fertig seien, bleibt der Fakt, dass wesentliche Bauarbeiten für die Umsetzung des Events entweder nur verzögert fertig werden, oder aber ganz aus der "Matriz de Responsabilidades da Copa" gestrichen wurden, einem Dokument, das alle erforderlichen Maßnahmen für die Vorbereitung des WM-Turniers beinhaltet.

"Die Vorbereitung wird auf brasilianische Art durchgeführt", erklärt Antônio Flávio Testa, Experte für Unternehmensstrategie des Institutes Getúlio Vargas (FGV). "Der Brasilianer arbeitet nur unter Druck und die Entscheidungsprozesse sind sehr langsam." Als problematisch sieht Testa den Mangel an Unterkünften, zu hohe Hotelpreise sowie die schwierige Situation bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. "Die Qualität der Dienstleistungen wird weit hinter der Qualität des Fußballs zurückbleiben", sagt er.

Flughäfen in privater Hand

Ein großes Problem sind die Flughäfen: Die Bauarbeiten an den zwölf Austragungsorten werden erst kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft abgeschlossen sein. "Das Geld ist da, aber es fehlt an Flexibilität. Die Regierung kann die Mittel für Bauarbeiten der Flughäfen nicht einsetzen. Schuld daran ist die Bürokratie", sagt Elton Fernandes, Fachmann für Luftverkehr der Staatlichen Universität in Rio de Janeiro. Um die Bauarbeiten zu beschleunigen, hat die brasilianische Regierung drei Flughäfen in São Paulo und Brasilia bereits in private Hand gegeben. Weitere sollen folgen.

Passagiere am Guarulhos International Airport (Foto: picture alliance)

Die brasilianischen Flughäfen sind nicht über Bahnstrecken mit den Metropolen verbunden

Allerdings: "Nicht die Flughäfen, sondern deren Zufahrten werden das eigentliche Problem darstellen", glaubt Fernandes. Kein Airport der zwölf Austragungsstädte hat eine Bahnanbindung. "Die Reisenden werden von Taxis, Kleinbussen und Autos abhängig sein. Es gibt keinen Kollektivtransport wie beispielsweise in Europa." Im Januar 2010 hatte die brasilianische Regierung 50 große Bauprojekte zur Verbesserung der städtischen Mobilität angekündigt, Gesamtkosten rund 4,2 Milliarden Euro. Darunter Einschienenbahn, Straßenbahnen und Busstreifen.

Doch laut der letzten Revision der "Matriz de Responsabilidades da Copa" vom Dezember 2012 wurden sämtliche Bauprojekte gestrichen, andere werden erst nach der WM betriebsbereit sein. Die Großstädte São Paulo, Brasília und Manaus haben schon mitgeteilt, dass die vorgesehenen Bauarbeiten nicht bis Juni 2014 erledigt werden können. Um die Verkehrsproblematik zu minimieren, sollen die Spieltage daher zu Feiertagen erklärt werden.

Erst zwei fertige Arenen 

Auch bei den WM-Arenen hakt es noch gewaltig. Drei der komplett neu gebauten Stadien – in Natal, Manaus und Cuiabá – sind weit von der Fertigstellung entfernt. Die Bauarbeiten müssen beschleunigt werden, damit der Zeitplan eingehalten werden kann. "Es handelt sich dabei um staatliche Bauprojekte. Diese sind von der Regierung des jeweiligen Bundesstaates und der Städte abhängig, damit sie rechtzeitig fertig werden", erklärt José Roberto Bernasconi, Präsident der Gewerkschaft für Architektur und Bautechnik des Bundesstaates São Paulo. Die drei Stadien in São Paulo, Porto Alegre und Curitiba werden durch private Mittel gefördert und sind im planmäßigen Bauablauf.

Maracanã-Stadion (Foto: AP)

Wird seit 2010 modernisiert: Das Maracanã-Stadion in Rio

Im Juni dieses Jahres startet der Confederations Cup und wird als Test für die restlichen sechs Spielstätten dienen. Zwei wurden bereits eingeweiht: Mineirão in Belo Horizonte und Castelão in Fortaleza. Die Stadien in Salvador (Artikelbild oben) und Brasília sollen im April fertig sein. Einige Sorgen bereiten das neugebaute Stadion in Recife und der Fußball-Tempel Maracanã in Rio de Janeiro. Aber gemäß veränderter Bauplanung müssen die Arenen erst 20 Tagen vor dem Confederations Cup übergeben werden.

Per Charterflug vom Hotel ins Stadion

Die WM-Organisatoren rechnen mit 600.000 ausländischen Besuchern während des Turniers. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Brasilianer, die während der Weltmeisterschaft quer durchs Land reisen werden. Die Unterkunftskapazität ist knapp, hauptsächlich in Rio de Janeiro und Recife. "Das Problem haben wir nicht wegen der WM, es ist immer schon so gewesen", kritisiert Enrico Fermi Torquato Fontes, Präsident der Assoziation der Brasilianischen Hotelindustrie (Abih). "In Rio de Janeiro mangelt es an Betten."

Fontes glaubt aber, dass dennoch ausreichende Unterkunftsmöglichkeiten für die WM vorhanden sein werden. Für größere Diskussionen werden allerdings die Übernachtungspreise sorgen. Auf der Internetseite der FIFA sind rund 700 Hotels aufgelistet. Die Zimmerpreise schwanken zwischen 100 und 750 Euro pro Übernachtung. "Es wird billiger sein, sich in Natal einquartieren zu lassen und einen Charterflug nach Rio de Janeiro zu nehmen, als sich direkt in Rio niederzulassen", meint Fontes.

Militär soll für Sicherheit sorgen

Für die Sicherheit der WM-Besucher werden das Heer, die Marine und die Luftwaffe zusammen mit der Militär- und Bundespolizei sorgen. "Ich glaube nicht, dass die Sicherheit ein bedenklicher Punkt des Events sein wird", behauptet Testa, der auch Experte für öffentliche Sicherheit der Universität aus Brasília (UnB) ist. Er glaubt sogar an eine Vereinbarung zwischen Regierung und Anführer organisierter Verbrecherbanden, um die Kriminalität zu verringern. Terroristische Anschläge schließt er aus: "Brasilien hat diese Tradition nicht, es gehört nicht zur brasilianischen Kriminalitätskultur."

Maskottchen Fußball-WM 2014 (Foto: DW/Carla Fernandes)

Das WM-Maskottchen

Seit dem 30. Oktober 2007 ist bekannt, dass Brasilien die Weltmeisterschaft 2014 austragen wird. Fünf Jahre später sind nur zwei Stadien fertig, ansonsten wurde "Brazuca" als Name für den offiziellen Spielball festgelegt, es wurde das Maskottchen "Fuleco" kreiert und das offizielle Plakat gefertigt. Trotzdem ist der Sportminister Aldo Rebelo 500 Tage vor Beginn der WM weiterhin zuversichtlich: "Es wird die beste Weltmeisterschaft aller Zeiten."

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