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Kolumbien

Vor Papstbesuch: Kolumbien schließt Waffenruhe mit ELN

Die kolumbianische Regierung hat sich mit der letzten aktiven Rebellengruppe des Landes auf einen Waffenstillstand geeinigt. Die Einigung kommt kurz vor dem Besuch von Papst Franziskus.

Die kolumbianische Regierung und die ELN-Guerilla hatten in der vergangenen Woche in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito Verhandlungen aufgenommen. Das erklärte Ziel: Die Vereinbarung einer ersten Waffenruhe anlässlich der Kolumbien-Reise von Papst Franziskus. Präsident Juan Manuel Santos und die Rebellen gaben nun den Durchbruch bekannt. Laut Santos sollen die Waffen vom 1. Oktober bis zum 12. Januar schweigen. Die ELN verpflichte sich, die Entführungen, Anschläge auf Pipelines und Angriffe gegen Zivilisten einzustellen. Später könne die Waffenruhe verlängert werden.

Papst Franziskus will das südamerikanische Land von Mittwoch bis Sonntag besuchen. Bei den Stationen in der Hauptstadt Bogotá, in der früheren Konfliktregion Villavicencio sowie in Medellín und Cartagena soll die Aussöhnung im Mittelpunkt stehen.

Rund 1500 Kämpfer

Die ELN (Ejército de Liberación Nacional, deutsch: Nationale Befreiungsarmee), Kolumbiens letzte aktive Rebellengruppe, kämpft seit 1964 gegen die Regierung in Bogotá. Ursprünglich war sie von der kubanischen Revolution inspiriert und setzte sich für Bauernrechte ein. Heute zählt die Guerilla noch rund 1500 Kämpfer. 

Im November 2016 hatte Bogotá ein historisches Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), der größten Rebellengruppe des Landes, geschlossen. Die UN-Beobachtermission für Kolumbien erklärte die Entwaffnung der FARC Ende Juni für abgeschlossen. Die einstige Guerilla konstituierte sich am Freitag als politische Partei namens Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes, abgekürzt ebenfalls FARC.

Im Konflikt zwischen der Armee, ultrarechten Paramilitärs sowie der FARC-Guerilla und anderen linken Rebellen wurden mehr als 260.000 Menschen getötet. Mehr als 60.000 Menschen gelten als vermisst, etwa sieben Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.

Papst will vermitteln

Das Friedensabkommen zwischen den FARC-Rebellen und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos stößt in dem vom ehemaligen Staatschef Álvaro Uribe angeführten rechten Lager auf erheblichen Widerstand. Die Gegner des Abkommens finden, dass die Guerilla darin zu glimpflich wegkommt. Das vom kolumbianischen Parlament im Dezember verabschiedete Amnestiegesetz für die FARC-Rebellen werten sie als "Verrat".

Der Papst versucht im bitteren Streit um Straferlass und Entschädigung für die Opfer zwischen Santos und Uribe zu vermitteln - bislang ergebnislos. Der Besuch des 80-jährigen Argentiniers steht unter dem Motto: "Lasst uns den ersten Schritt gehen". Das bedeute, "das Leid der anderen anerkennen und denen vergeben, die uns verletzt haben", sagt der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescún, Leiter des mit der Papstreise betrauten Organisationskomitees.

cr/rb (afp, dpa)