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Politik

Vor Friedensgesprächen wächst Gewalt in Kaschmir

In Kaschmir haben muslimische Extremisten ein Massaker an Hindus verübt. Es gab mindestens 22 Tote. Die Gewalt nimmt wieder zu – ausgerechnet vor dem Beginn neuer Friedensgespräche um die umstrittene Himalaya-Region.

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Im Dorf Thawa haben Extremisten 22 Hindus erschossen und acht weitere verletzt

Die Extremisten hätten am frühen Montagmorgen (1.5.2006) das abgelegene Dorf Thawa im Distrikt Doda angegriffen, meldete die indische Nachrichtenagentur PTI unter Berufung auf die Armee. Mindestens 22 Menschen seien erschossen und acht weitere verletzt worden. Unter den Toten sind eine Frau und ein neunjähriges Kind.

Schwerbewaffnete Rebellen hätten den Hindus befohlen, aus ihren Häusern zu kommen und sich in einer Reihe aufzustellen, sagte Polizeioffizier S. P. Vaid. Sie hätten dann das Feuer auf die Opfer eröffnet. Einige Bewohner des Dorfes konnten fliehen und Soldaten in einem nahe gelegenen
Militärstützpunkt alarmieren. Bis zu deren Eintreffen waren die Angreifer aber geflüchtet.

Niemand hat sich bekannt

Verletzte und schockierte Überlebende wurden mit Militärhubschraubern in Krankenhäuser geflogen. Die 37-jährige Gilu Devi erzählte unter Tränen, wie sie vergeblich die Erschießung ihres Mannes zu verhindern suchte. "Die Bewaffneten schlugen uns", dann "eröffneten sie das Feuer und töteten viele". Auch ihre achtjährige Tochter musste im Krankenhaus behandelt werden.


Zu dem Angriff bekannte sich zunächst keine der zwei Dutzend islamistischen Gruppen, die in der Kaschmir-Region aktiv sind. Laut Vaid ist die Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba für die Tat im indischen Teil Kaschmirs verantwortlich. Die Gruppe operiert von Pakistan aus.

Entführt und erschossen

In der Krisenregion Kaschmir, um die sich Indien und Pakistan streiten, kommt es immer öfter zu Gewaltausbrüchen. Und das kurz vor den geplanten Friedensgesprächen zwischen der indischen Regierung und der gemäßigten kaschmirischen Separatisten. Die beiden Seiten wollen am 3. und 4. Mai in Neu Delhi zusammenkommen. Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh verurteilte die Massaker.

Erst am Samstag (29.4.2006) hatten mutmaßliche muslimische Extremisten 15 Bewohner des Dorfs Vasantgarh im Kaschmir-Distrikt Udhampur verschleppt. Zwei Menschen ließen sie laut Armeeangaben wieder frei, als sich herausstellte, dass sie Moslems waren - doch die Hindus erschossen sie. Im Kampf radikalislamischer Rebellen für die Loslösung Kaschmirs von Indien wurden seit 1989 fast 70.000 Menschen getötet.

Mehr als 50 Jahre Streit Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien 1947 zwei Kriege um die geteilte Region geführt. Indien wirft Pakistan vor, die Rebellen in Kaschmir zu unterstützen - Pakistan bestreitet das. Anfang 2004 nahmen die beiden Atommächte Friedensgespräche auf. Beim zentralen Streitpunkt Kaschmir gab es bislang allerdings keinen Durchbruch. (reh)

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