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Europa

Vor der Um- kommt die Übersetzung

Die EU-Verfassung ist kein Taschenbuch. Das fast 500 Seiten dicke EU-Baby muss jedem der 25 Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen - in der jeweiligen Landessprache. Dank diesen Geburtshelfern hat es geklappt:

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Mehr als zwei Stunden für eine Seite

Generaldirektion A, Direktorat drei - dort ist ihr Brüsseler zu Hause. Dort sitzen die mehr als 700 Übersetzer des Rates der Europäischen Union und übersetzen täglich Bestimmungen, Richtlinien und Protokollen und nebenbei auch die Europäische Verfassung.

"Das war hochinteressant, aber auch arbeitsintensiv", sagt Cynthia Mang. Sie war eine von zehn Übersetzern des deutschen Teams. Seit 20 Jahren ist sie Übersetzerin - 14 davon beim Ministerrat. Aus vier Sprachen übersetzt sie ins Deutsche: aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Finnischen.

Die besondere Extra-Arbeit

Die Übersetzung der Verfassung liegt schon einige Zeit zurück. Bereits im Februar 2002 als der europäische Konvent seine Arbeit aufnahm, begann auch die Arbeit der Übersetzerteams. Parallel zu den Sitzungen. Welchen Teil der Verfassung Cynthia Mang übersetzt hat, könne sie nicht sagen. Nur soviel: an der Übersetzung der ersten 16 Artikel sei sie beteiligt gewesen.

"Es gab immer wieder neue Fassungen. Meine alten Übersetzungen haben dann andere Kollegen wieder überarbeitet." Ende Juni 2003 legte der europäische Konvent den Entwurf für eine europäische Verfassung vor - auch die erste deutsche Fassung war damals fertig.

Nicht komplett übersetzt

Entgegen der allgemeinen Annahme mussten die Übersetzer die Verfassung nicht komplett übersetzen. Viele Bestimmungen lagen vor - seit vielen Jahren. Wie beispielsweise die Charta der Grundrechte - Teil II der Verfassung, vieles aus Teil III, sowie die Protokolle aus Teil IV. Neue Übersetzer musste der Rat dafür nicht einstellen, sagt Rene Smeets, Leiter der internen Kommunikation des Ministerrates.

Nur ein Bruchteil der fast 500 Seiten dicken Verfassung blieb übrig. Aber der hatte es in sich. "Wir mussten manchmal in höllischem Tempo übersetzen", sagt Cynthia Mang. Auch nachts, wenn der übersetzte Text am nächsten Morgen gebraucht wurde.

Viele Fehlerquellen

Unter diesem Druck ging schnell mal etwas schief. "Einer unserer Kollegen war nicht auf dem Laufenden, was die Fachbegriffe anbetraf", sagt Cynthia Mang. Die Folge: Das einfache Gericht verwandelte er in ein hochinstanzliches Gericht. Kaum hatten die deutschen Konventsmitglieder die Übersetzung in der Hand, hagelte es Kritik. Die Übersetzung sei nicht falsch gewesen, aber "wir hatten uns im Team auf das einfache Gericht geeinigt. Das war verständlicher", erklärt Mang.

Die Übersetzer arbeiten immer mit doppeltem Boden. Nicht nur Kollegen, sondern auch Rechts- und Sprachverständige überprüfen die Übersetzungen. Fehlerfrei sei trotzdem keine. "Verbessern kann man immer." Cynthia Mang hat auch Verständnis für die vielen Fehler der lettischen und polnischen Versionen der Verfassung.

Harter sprachlicher Brocken

Die Übersetzer-Teams der neuen Mitgliedstaaten seien noch in der Aufbauphase. Die meisten haben noch nie mit den Fachbegriffen der EU gearbeitet, kennen die Nuancen der Übersetzung nicht.

Selbst erfahrene Übersetzer wie die des deutschen Teams mussten sich bei manchen Formulierungen der Verfassung beraten. Beispielsweise beim ersten Absatz der Präambel. Mehr als zwei Stunden übersetzte Cynthia Mang eine Seite - mit Hilfe ihrer Kollegen. Vor allem der erste Absatz war ein harter sprachlicher Brocken.

Auch die Herren in Brüssel haben das wohl gemerkt und ihre Worte überdacht. Der Absatz, an dem Cynthia Mang zu knabbern hatte, ist in der neuesten Version der Verfassung nicht mehr enthalten.

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