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Global Ideas

Vor der Flut auf der Flucht

Der Klimawandel führt in einigen Staaten bereits zu gesellschaftlichen Auflösungsprozessen und großen Umsiedlungen. Beispiele finden sich vor allem im Südpazifik.

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Die Carteret-Inseln und die Malediven sind nur zwei Beispiele für Inseln, deren Gesellschaften schon jetzt von den Folgen des Klimawandels erschüttert werden. Auch in anderen Inselstaaten und Küstenregionen führt die Erderwärmung zu sozialen Verwerfungen.

Angespannt ist die soziale Lage im 12.000 Einwohner-Staat Tuvalu, der aus neun Inseln besteht und erst 1978 unabhängig wurde. Das Atoll Funafuti, auf dem die meisten Menschen wohnen, liegt nur knapp über dem Meeresspiegel - der höchste Punkt des 2,5 Quadratkilometer großen Staates ganze fünf Meter. Die Bewohner versuchen, nach Neuseeland und Australien auszuwandern. Beide Länder lehnten den Antrag der Regierung Tuvalus ab, dessen Klimaflüchtlingen Asyl zu gewähren.

Ähnlich ist die Situation in Kiribati, das 1999 eine unbewohnte Koralleninsel ans Meer verloren hat. Die 32 Atolle des Pazifikstaats liegen verstreut über 3,5 Millionen Quadratkilometer Ozean. Der Präsident hat Australien und Neuseeland und weitere Staaten beschworen, im Ernstfall die gut 110 000 Bewohner als Flüchtlinge aufzunehmen.

Auswanderung und Umsiedlung sind auch auf den Salomonen ein Thema. Die Inselgruppe im Südwest-Pazifik hat schon zweimal unter der Zerstörungskraft des Wassers leiden müssen: 2003 räumten die Fluten die Insel Tikopia völlig leer, die 2000 Einwohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. 2007 starben durch eine Riesenwelle, die ein Erdbebeben auslöste, allerdings mehr als 40 Menschen. 5000 wurden obdachlos.

Unter häufiger werden Fluten leidet auch das Tourismus-Paradies Fidschi. Langfristig gilt der Staat, wegen der ansteigenden Meeresspiegel, ebenfalls als gefährdet. Das trifft im Südpazifik auch auf die Marshall-Inseln, Mikronesien, Nauru, Palau, Samoa und Tonga zu.

Schwer unter den Klimafolgen leidet bereits auch Bangladesch. Eine halbe Million Menschen verloren ihr Zuhause als 2005 mit Bhola die größte Insel überflutet wurde. Die Mehrheit siedelte in die Slums der Hauptstadt Dhaka um. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte die ganze Bevölkerung des tief liegenden 150-Millionen-Staates auf der Flucht vor dem ansteigenden Meeresspiegel sein.