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Filme

Vor dem Sturm - Festival des arabischen Films

Kino und Revolution - wie unabhängige Filmemacher den politischen und gesellschaftlichen Umbruch im Nahen Osten vorwegnahmen. Das Goethe-Institut zeigt an sechs Abenden Beispiele für engagiertes Kino aus der Region.

Szene aus dem Film Microphone von Ahmad Abdalla (Foto: Goethe-Institut)

Szene aus dem Film "Microphone" von Ahmad Abdalla

Nur 15 Minuten kurz ist "Arafat und Ich" des in London lebenden Regisseurs Mahdi Feifel. Der hat in seinem Film gleich auch die Hauptrolle übernommen. Feifel spielt den Palästinenser Marwan, der sich in die Britin Lisa verliebt. Seine neue Freundin hat am gleichen Tag Geburtstag wie Arafat. Das findet Marwan sehr bedeutend, aber Lisa zunehmend nervend. Kulturelle Unterschiede lassen sich also auch auf amüsante Weise filmisch darstellen. Doch das ist eher die Ausnahme.

Kinomacht Ägypten

Irit Neidhardt hat die Filmreihe "Vor dem Sturm - Unabhängiger arabischer Film" (17.-22.06.2011), die im Berliner Kino "Arsenal" läuft, kuratiert. Ägypten sei nicht nur eine mächtige politische Macht in der Region, betont sie. Auch die Unterhaltungsindustrie des Landes sei führend in der arabischen Welt. Filme mit großen Stars sind somit auch nicht nur in den Multiplex-Kinos Ägyptens zu sehen. Dort müssen sich aber auch unabhängige Produktionen in einem wirtschaftlich und politisch schwierigen Umfeld behaupten und refinanzieren. Vor allem die beiden ägyptischen Regisseure Ibrahim El Batout und Ahmad Abdalla haben sich mit ihren Filmen national wie international einen Namen gemacht. In Berlin stehen ihre Werke im Mittelpunkt des kleinen Festivals.

Vielschichtige Parabel

Ibrahim El Batout (Foto: www.IbrahimElBatout.com)

Ibrahim El Batout

Kompromisslos und experimentell ist das Kino von Ibrahim El Batout (Jahrgang 1963), der es schafft, ohne Stars mit nur 6000 Dollar Produktionskosten Filme wie "Hawi" oder "Ain Shams" ("Auge der Sonne") zu drehen. Klassische Drehbücher lehnt El Batout für seine Arbeit ab. So konnte er auch dem Zensor für "Ain Shams" kein Skript vorlegen, sondern nur den fertigen Film. Der ehemalige Kriegsfotograf Ibrahim El Batout hat mit "Ain Shams" eine vielschichtige, halbdokumentarische Parabel über ein verarmtes Stadtviertel in Kairo gedreht. "Ain Shams" erhielt dafür so viele Auszeichnungen, dass die ägyptische Zensur den Film mit einjähriger Verspätung doch noch freigab. Ein Kassenerfolg wurde er trotzdem nicht. Das Publikum in Ägypten hat andere Sehgewohnheiten.

Melancholische Filme aus Metropolen

Szene aus dem Film Microphone (Foto: Goethe-Institut)

Was bringt die Zukunft? - "Microphone"

Eingängiger sind die Filme des heute 33-jährigen Ahmad Abdalla. In "Heliopolis" geht es um den Alltag von fünf gestressten Protagonisten in Kairo. In "Microphone" steht das pulsierende Kulturleben in Alexandria im Mittelpunkt: Khaled ist nach sieben Jahren USA-Aufenthalt in seine Heimatstadt zurückgekehrt und findet eine ganz neue Welt vor. Vor allem die unabhängige Musikszene begeistert ihn. Er versucht mit den jungen Musikern ein großes Konzert zu organisieren.

"Microphone" gewann mehrere internationale Filmpreise und ist eine überzeugende und einfühlsame Studie über das Lebensgefühl von Intellektuellen und Künstlern in Ägypten. Es geht in dem Film auch um Fragen wie Exil, um die Freiheit des Denkens und des Musizierens, um das Aufbrechen verkrusteter Strukturen. Die Polizei und die Obrigkeit sind eine ständige Bedrohung für die jungen Menschen. Straßenkonzerte werden verboten, eine offizielle Erlaubnis wird nicht erteilt.

International ausgezeichnet

Auch Kuratorin Irit Neidhardt, die "Microphone" im Dezember vergangenen Jahres während des Filmfestival in Kairo sah, rechnete damals damit, dass die Low Budget-Produktion große Chancen haben würde, an den Kinokassen erfolgreich zu sein. Der Kinostart war für den 23. Januar 2011 vorgesehen. "Microphone" lief aber nur drei Tage lang in den Kinos. Dann begannen die Demonstrationen und Massenproteste in der Stadt. So konnte der Film kein Geld mehr einspielen. Die Hoffnung, die man in ihn nach dem Gewinn des Hauptpreises beim Filmfestival in Karthago gesetzt hatte, konnte "Microphone" somit nicht erfüllen.

Filmegucken im Netz

Szene aus dem Film Heliopolis (Foto: Goethe-Institut)

Alltag in Agypten: "Heliopolis"

Seit der digitalen Revolution gibt es auch in der arabischen Welt mehr Möglichkeiten, für wenig Geld Filme und Videos zu drehen. "Arab Shorts" ist eine Auswahl arabischer Kurzfilme, die jetzt ebenfalls in Berlin präsentiert wird. Die Filme kann sich jeder unter www.arabshorts.net oder über die Homepage des Goethe-Instituts anschauen. Dort findet man unter anderem Arbeiten aus Marokko, Tunesien, dem Libanon und Palästina.

Hoffnungen in der Filmszene

Inzwischen hat auch Ibrahim El Batout wieder einen neuen Film über die jüngsten politischen Ereignisse in seiner Heimat abgedreht. Zum ersten Mal hat er dabei mit einem bekannten Star gearbeitet, wie gewohnt aber auch improvisiert. Auch Kurzfilme werden in Ägypten weiter gedreht. Die Filmszene in der arabischen Welt ist in Bewegung geraten. Das will das Goethe-Institut auch in Zukunft weiter verfolgen. Auf die Filme "Nach dem Sturm" darf man also sehr gespannt sein.

Autor: Jörg Taszman
Redaktion: Jochen Kürten

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