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Wirtschaft

Vor 25 Jahren: Crash an der Wall Street

Am 19. Oktober 1987 stürzten die Kurse an der Wall Street innerhalb eines Tages ab. Die Ursachen des Crashs sind umstritten, doch auch die Technik spielte eine Rolle.

Händler-Chaos am 19. Okrober 1987 an der New Yorker Wall Street (Foto: aafp/Getty Images)

Black Monday 19. Oktober 1987 New York

Der Schwarze Montag hatte für Louis Sulsenti ganz normal begonnen. Der junge Börsenhändler war damals Mitte 20 und noch recht neu in der Finanzindustrie: "Ich war der Laufbursche", erinnert sich Sulsenti heute. "Ich war der, der die Orders vom Parkett unten an die Händler oben in den Büros weitergegeben hat."

"Lächerliche Preise"

Dann kippte auf einmal die Stimmung, am Schwarzen Montag vor 25 Jahren. Eine Verkaufsorder folgte auf die nächste, die Kurse rutschten ins Bodenlose. "Ich weiß noch, ich sollte 300.000 Aktien verkaufen, so hieß es in den Anweisungen von oben", sagt Sulsenti. An die genauen Zahlen erinnert er sich nicht mehr. "Erst hieß es: 50.000 Stück für 40 Dollar, dann 50.000 für 30 Dollar und 100.000 für 28 Dollar. Diese Preise waren einfach lächerlich."

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Kolossaler Kursrutsch: Der "Schwarze Montag"

Eigentlich war 1987 bis dahin ein gutes Jahr für den Dow Jones gewesen. Der Leitindex hatte in den Monaten zuvor eine Rally hingelegt, teilweise mehrere hundert Punkte pro Woche gewonnen und war bis August um 15 Prozent auf rund 2700 Punkte geklettert. In den Wochen vor dem Crash fiel er dann wieder auf 2200 Punkte. "Mit den 500 Punkten Verlust am Black Monday waren die Jahresgewinne wieder vernichtet", sagt Richard Sylla, Finanzhistoriker an der New York University.

"Ich dachte, es sei das Ende der Börse"

Der Dow Jones brach innerhalb eines Tages um 508 Punkte oder mehr als 22 Prozent ein - prozentual der größte Tagesverlust in dessen Geschichte. "Für mich als Neuling auf dem Parkett ging die Welt unter", erinnert sich Händler Louis Sulsenti. "Ich dachte, es sei das Ende der Börse und des Aktienhandels."

Bis heute ist umstritten, welche Ursachen den Abrutsch auslösten. Finanzhistoriker Sylla sagt, neben der globalen wirtschaftlichen Entwicklung habe auch die neu eingeführte Technik eine Rolle gespielt.

"Sogenannte Absicherungen von Portfoliostrategien sollten eigentlich die Halter von großen Portfolios vor zu starken Verlusten schützen", so Sylla. "Leider verkaufte das System automatisch Papiere, wenn die Kurse fielen, was beim Crash passierte. Und so hat eine Methode, die den Handel eigentlich sicherer machen sollte, den Anlegern letztlich geschadet."

Der Markt ist der Boss

Der ehemalige Notenbankchef Alan Greenspan (Foto: dpa)

Damals erst wenige Wochen im Amt: Ex-US-Notenbankchef Greenspan

Der damalige US-Notenbank Chef Alan Greenspan war damals erst seit wenigen Monaten im Amt und am Black Monday für Stunden auf einem Flug nach Texas. Nach seiner Landung sagte er die sofortige Senkung der Leitzinsen und eine Lockerung der Geldpolitik zu.

"Die Notenbank sprach mit den New Yorker Banken und erklärte, dass die Broker an der Wall Street wegen des Crashs nun dringend Geld benötigen", so Finanzhistoriker Sylla. "Die Banken sollten den Brokerhäusern weiter Kredite geben, und die Notenbank stellte durch ihre Politik sicher, dass die Banken dafür genug Geld hatten."

Auf den Crash folgte weder eine Depression noch ein Rezession. Anders als bei anderen Börsenstürzen konnte sich der Dow Jones wieder erholen und auf Jahressicht sogar fast drei Prozent zulegen.

Louis Sulsenti ist rückblickend froh, dass er den Schwarzen Montag miterleben durfte - so habe er eine wichtige Lektion gelernt: "Der Markt ist der Boss. Es gibt keinen anderen Boss", so der Händler. Zwar gebe es die unterschiedlichsten Meinungen über die Wirtschaft, einzelne Aktien oder Unternehmen. "Aber am Ende sagt einzig der Markt, wo es lang geht."

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