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Fußball

Vor 15 Jahren: der Überfall auf Daniel Nivel

Vor 15 Jahren wird der Polizist Daniel Nivel bei der Fußball-WM in Frankreich von deutschen Hooligans brutal zusammengeschlagen. Der DFB reagiert mit Fan- und Präventionsarbeit.

Das von der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellte Tatort-Foto zeigt den Übergriff auf den bereits am Boden liegenden französischen Gendarmen Daniel Nivel in Lens. (Foto: dpa)

Tatort-Foto von 1998: Daniel Nivel wird brutal zusammengeschlagen.

Lens, 21. Juni 1998. Im Stadion Félix Bollaert läuft das Vorrundenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Deutschland und Jugoslawien, es endet 2:2-Unentschieden. Das Ergebnis rückt nach dem Spiel jedoch in den Hintergrund, denn was während der Partie in der Stadt geschehen ist, bezeichnet DFB-Präsident Wolfgang Niersbach noch heute als einen "schwarzen Tag in der deutschen Fußball-Geschichte."

Der Franzose Daniel Nivel ist damals Bereitschaftspolizist. Der 43-jährige Familienvater sperrt gemeinsam mit einem Kollegen eine schmale Gasse in der Innenstadt von Lens ab. Eine Gruppe betrunkener deutscher Hooligans kommt daran vorbei und greift beide Polizisten an. Während der Kollege entkommen kann, wird Nivel zu Boden gerissen, brutal zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt. Er erleidet schwerste Kopf- und Hirnverletzungen, liegt sechs Wochen im Koma und trägt irreparable Schäden davon: Er ist halbseitig gelähmt, kann schlecht hören und ist auf einem Auge blind.

Vier der Angreifer werden anderthalb Jahre später vom Essener Landgericht zu Haftstrafen zwischen dreieinhalb und zehn Jahren verurteilt, der Haupttäter später in Frankreich zu fünf Jahren Haft und einem zehnjährigen Einreise-Verbot. Die Anklage hatte das doppelte Strafmaß gefordert.

DFB reagiert mit Stiftung und Fanarbeit

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) reagiert 1998 schockiert auf die Vorfälle und erwägt sogar, das deutsche Nationalteam vom Turnier zurückzuziehen. Politik und Gesellschaft schreien empört auf, Bundeskanzler Helmut Kohl spricht von einer "nationalen Schande". Auch in den Jahren danach wirken die Ereignisse nach. 2000 gründet der DFB gemeinsam mit der europäischen Fußball-Union UEFA und dem Fußball-Weltverband FIFA die Daniel-Nivel-Stiftung - mit dem Ziel, fußballorientierte Gewalt zu erforschen, Präventionsarbeit zu leisten und Opfer von Gewalttaten zu unterstützen. 2001 findet erstmals der Daniel-Nivel-Fairplay-Cup statt, um ein Zeichen gegen Gewalt im Sport zu setzen. Die Veranstaltung etabliert sich als eines der größten europäischen Hobbyfußballturniere.

"Herausragende Präventionsarbeit"

Auch in Sachen Fanarbeit tut sich einiges. Fanprojekte werden finanziell immer stärker unterstützt, vernetzt und professionalisiert. "In keinem Land wird eine so herausragende Präventionsarbeit geleistet wie bei uns", berichtet Niersbach. Die Fans werden sozialpädagogisch betreut, deutschlandweit gibt es unter der Federführung der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) 49 Fanprojekte mit 120 Mitarbeitern. Fan- und Gewaltforscher Gunter A. Pilz sieht die Entwicklung der KOS als "verdammt dornenreichen, aber von unglaublicher Pionierarbeit geprägten Weg".

In Folge vermehrter Ausschreitungen in Deutschland und des Ende 2012 verabschiedeten Sicherheitskonzepts werden die finanziellen Mittel für die Fanarbeit aufgestockt. Ab der kommenden Saison fließt soviel Geld in die Fanarbeit wie nie zuvor: Der DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) beteiligen sich mit 5,8 Millionen Euro. "Wir verdoppeln unser wirtschaftliches Engagement", erläutert DFB-Präsident Niersbach. Da auch Kommunen und Länder mitzögen, "haben wir die Situation, dass wir 13 Millionen investieren können".

Wiedersehen beim Freundschaftsspiel

Horst R. Schmidt, Reinhard Rauball, Andreas Köpke, Daniel Nivel, Oliver Bierhoff und Wolfgang Niersbach halten einen Fußballschal hoch. (Foto: EPA/Markus Gilliar / POOL, dpa)

Daniel Nivel (3.v.r.) war Ehrengast des DFB beim Testspiel gegen Frankreich.

Bis heute steht der DFB in Kontakt zu Daniel Nivel und dessen Familie. Zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bekommt er Freikarten, beim Freundschaftsspiel gegen Frankreich im vergangenen Februar in Paris ist er als Ehrengast geladen. "Die größte Freude für mich ist es zu registrieren, dass Daniel Nivel einen fitten Eindruck macht", erklärt Niersbach, der den heute 58 Jahre alten Franzosen und dessen Ehefrau Laurette persönlich trifft. "Aber man darf nie vergessen, was geblieben ist. Daniel Nivel ist auf der rechten Seite gelähmt und erst seitdem er ein spezielles Hörgerät trägt, hört er etwas besser. Dennoch: Er strahlt Zuversicht und Freude aus."

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