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Bücher

Vor 100 Jahren gestorben: Fünf biografische Blicke auf Jack London

"Ruf der Wildnis" und "Der Seewolf" machten ihn weltbekannt, doch Jack London war mehr als nur Autor von Abenteuer-Romanen. Er starb mit 40 Jahren und hinterließ ein erstaunlich vielfältiges Werk.

Auch in Deutschland sind viele Jugendliche mit Jack London aufgewachsen - selbst wenn sie seine Bücher nicht gelesen haben. Dafür haben in den frühen 1970er Jahren schon die Fernseh-Mehrteiler gesorgt. Serien gab es also schon früher - Jack London sei Dank! "Der Seewolf" zum Beispiel mit Raimund Harmstorf, der bärtige Mann, der 1972 mit einer Hand eine Kartoffel zu Brei quetschen konnte. In "Ruf der Wildnis" spielte Charlton Heston an der Seite von Harmstorf. Später tauchte dann Italo-Western-Star Franco Nero an seiner Seite auf und auch Schauspieler wie Manfred Krug oder Klaus-Maria Brandauer machten in Jack-London-Verfilmungen mit. Die Bücher des amerikanischen Schriftstellers eigneten sich ausgezeichnet als Vorlage für das andere Medium.

Tod mit 40 - nach einem exzessivem Leben 

Doch London (12.01.1876 - 22.11.1916), der schon mit 40 Jahren starb, weil er ein ausschweifendes Leben geführt hatte und deshalb unter einem halben Dutzend schwerer Krankheiten litt, war mehr als ein Abenteuer-Schriftsteller. Obwohl er auch in diesem Genre ein Meister seines Faches war. Aus Anlass des 100. Todestages stellen wir Ihnen ein paar überraschende Neuerscheinungen vor.

1909: Martin Eden

Wer etwas über den berühmten Autor wissen will, der sollte diesen Roman lesen. Jack London beschreibt hier, sehr autobiografisch geprägt, den eigenen Werdegang. Die Titelfigur Martin Eden ist zu Beginn ein eher grobschlächtiger Abenteurer, der, fasziniert von der Welt der Bildung und Bücher, selbst zum Schriftsteller wird. Fixstern ist dabei die junge Ruth, die aus einem ganz anderen Milieu kommt, den jungen Martin aber ungemein inspiriert. Das Buch wurde jetzt von Lutz-W. Wolff neu übersetzt. Ein großartiger Roman, der abseits von Meeresschauplätzen und Goldgräbergeschehen zeigt, welch feiner Schriftsteller Jack London war. In der Tradition großer Romanautoren des 19. Jahrhunderts führt uns London psychologisch sehr genau vor, wie es ist, in einem ungehobelten Körper zu stecken, in dem ein wacher und interessierter Geist wohnt. "Martin Eden" zeigt die beiden Pole des Schriftstellers Jack London auf: Abenteurertum und Intellekt.

Martin Eden, Roman, übersetzt von Lutz-W. Wolff, dtv, 528 Seiten, ISBN 9783423280815;

1911: Das Haus von Mapuhi

Auch die Südseegeschichten entstanden, wie "Martin Eden", an Bord der eigenen Yacht "Snark". Fünf der schönsten sind jetzt in einem Band zum 100. Todestag neu aufgelegt worden. Es sind Erzählungen, die Jack London so authentisch und plastisch zu Papier bringen konnte, weil er zuvor all die Schauplätze auf den Ozeanen und die Orte auf den Inseln selbst befahren und die Menschen dort kennengelernt hatte. Doch die Südseegeschichten sind alles andere als dokumentarische Literatur. Die Titelerzählung "Das Haus von Mapuhi" (1911) beispielsweise erzählt von einheimischen Perlenfischern und einem ganz besonderen Fang, von Europäern, denen die Dollar-Zeichen im Gesicht stehen, und von einem unheilvollen Sturm, der alles zunichte macht: die Träume der Menschen vom großen Glück und einem besseren Leben. Atemberaubend, wie Jack London hier Natur und Zivilisation aufeinanderprallen lässt!

Das Haus von Mapuhi - Südseegeschichten, Fünf Erzählungen, übersetzt von Andreas Nohl, Beck, 154 Seiten, ISBN 9783406 698590;

1913: Die Reise mit der Snark

Jack London hatte sich besagte Yacht"Snark", auf der "Martin Eden" und die "Südseegeschichten" entstanden, vom Geld seiner Abenteuerromane geleistet. Ursprünglich wollte sich der früh erfolgreiche Autor gemeinsam mit seiner Frau Charmian Kittredge auf eine siebenjährige Weltreise begeben. Daraus wurden "nur" knapp zwei Jahre, vor allem, weil vieles an Bord schief ging - und London in der Südsee schwer erkrankte: "Zu keiner Zeit war jeder von uns gesund, und die meiste Zeit waren fast alle krank." Hinzu kam der Alkohol, der London ein Leben lang begleiten sollte. Von all dem schreibt er in seinem Reisebericht, der später entstand, recht offen und ungeschönt. Der Mare-Verlag hat "Die Reise mit der Snark" im wohl schönsten Buch zum Jack-London-Jahr aufgelegt, mit zwei ergänzenden Kurzgeschichten und einem lesenswerten Nachwort vom Übersetzer Alexander Pechmann. Darin erfährt der Leser dann auch mehr über die Zusammenhänge und einige Leerstellen im Reise-Bericht des amerikanischen Schriftstellers.

Die Reise mit der Snark, Reiseerzählung, übersetzt von Alexander Pechmann, Mare, 350 Seiten, ISBN 9783866482449;

1963: Mord auf Bestellung

Ein literarischer Bastard, ein nicht zu Ende geschriebenes Buch, ein Roman, der selbst für Jack-London-Fans eine gehörige Überraschung bietet. London brach das Manuskript über eine Geheimorganisation, die sich auf Attentate und gezielte Morde spezialisiert hat, im Jahre 1910 ab. Auch die ursprüngliche Idee zu der Story stammte nicht von ihm, sondern vom späteren Nobelpreisträger Sinclair Lewis. Die letzten 50 der rund 200 Seiten schrieb der amerikanische Kriminalautor Robert L. Fish Anfang der 1960er Jahre zu Ende. 1963 kam das Buch auf den Mark, bereits sechs Jahre später wurde es mit Diana Rigg ("Emma Peel") verfilmt. Was nicht verwunderlich ist. Denn"Mord auf Bestellung"ist ein zwischen philosophischem Traktat und eiskalter Agentenstory changierender Stoff, kurzweilig zu lesen und mit vielen Überraschungen aufwartend. Ein Stoff auch, der eigentlich nach einer Neuverfilmung schreit - am besten von einem Regisseur wie Guy Ritchie, der schwarzen britischen Humor, Gaunergroteske und skurriles Typen-Arsenal schon immer gut zu vereinen wusste. Dem intelligenten Abenteurer Jack London würde ein solcher Film heute wahrscheinlich gut gefallen.

Mord auf Bestellung, übersetzt von Eike Schönfeld, mit einem Nachwort von Freddy Langer, Manesse, 264 Seiten, ISBN 9783 717524267;

2016: Alfred Hornung: Jack London

27 Romane, 6 autobiographische Werke, 4 Dramen, politische Essays, Reportagen, Essaysammlungen und 196 Kurzgeschichten listet der Amerikanist Alfred Hornung in seiner brandneuen Jack-London-Biografie auf. London war also vielmehr als der Verfasser populärer Abenteuerromane. Und er ist auch heute noch ein ungemein aktueller Autor, wie sein Biograf anmerkt, der auf die "Parallelen zwischen den Krisen und Herausforderungen seiner und unserer Zeit" hinweist: "Finanzkrisen, die ethnische Diversifizierung der Gesellschaft, das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich und der rücksichtslose Umgang mit Macht haben seine Zeit ebenso bestimmt wie nun unsere." Das mache, sagt Alfred Hornung, sein Werk so modern und dazu spannend. Hornung begibt sich auf die Spuren dieses Jahrhundert-Schriftstellers, detail- und kenntnisreich, mit wissenschaftlichem Anspruch und doch sehr gut lesbar. Der perfekte Einstieg ins Jack London-Jahr.

Alfred Hornung: Jack London, Biographie, Lambert Schneider, 320 Seiten, ISBN 9783650401571.

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