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Asien

Vorübergehende Kernschmelze in Reaktor 2

Nach Angaben der japanischen Regierung ist es im Atomkraftwerk Fukushima zeitweise zu einer Schmelze von Brennstäben gekommen. Ein weiteres Nachbeben erschütterte unterdessen die Krisenregion.

Der zerstörte Reaktor vier (Foto: AP)

Die Lage in den Reaktoren bleibt unklar

Häppchenweise, anders kann die Informationspolitik der Verantwortlichen in Japan rund um das Atomkraftwerk Fukushima I nicht beschrieben werden. Auch zu Beginn der dritten Woche nach dem verheerenden Erdbeben und dem Jahrhundert-Tsunami gab es am Montag (28.03.2011) die vielleicht schon gewohnte Schreckensmeldung. Regierungssprecher Yukio Edano erklärte, dass in Reaktor 2 wohl eine teilweise Kernschmelze stattgefunden habe. Anders sei nicht zu erklären, dass hoch radioaktives Wasser in dem Reaktor entdeckt wurde.

Scharfe Kritik an Tepco

Eine Hand hält einen Geigerzähler, der 7.66 Millisievert pro Stunde anzeigt (Foto: picture alliance)

Immer neue Informationen über die Strahlenwerte

Edano legte zudem dar, dass die erhöhte Strahlung offenbar auf den Block begrenzt sei. Zudem gehe die Regierung davon aus, dass die Kernschmelze lediglich vorübergehend sei. Im Wasser des Turbinengebäudes von Reaktor 2 waren mehr als 1000 Millisievert pro Stunde gemessen worden. Der Betreiber der Anlage, Tepco, hatte am Sonntagabend seine Angaben korrigiert und spricht jetzt noch von einer 100.000 Mal höheren Konzentration als normal. Zuvor war gemeldet worden, die Strahlung sei 10 Millionen Mal höher als sonst.

Als Quellen wurden nach Einschätzung des Kraftwerkbetreibers Tepco beschädigte Brennstäbe vermutet. Der Druck in den Reaktoren sei aber stabil, was auf eine nur partielle Schmelze des Reaktorkerns hinweise, sagte Sprecher Kaoru Yoshida.

Die Arbeiter im Kraftwerk setzten inzwischen ihre Bemühungen fort, das hochradioaktive Wasser aus den Gebäuden der Anlage zu beseitigen. Das Wasser muss laut Hidehiko Nishiyama, einem Sprecher von der Atomsicherheitsbehörde NISA, entfernt und sicher gelagert werden, bevor die Arbeiten am Kühlsystem fortgesetzt werden können. Bis zu 600 Menschen sind zurzeit in Schichten in Fukushima I im Einsatz.

Erhöhte Strahlenwerte im Meer

Demonstrant mit Gasmake und Anti-Atomkraftschild (Foto: dapd)

Erste Protestler wehren sich gegen die japanische Atompolitik

Auch die Umgebung des AKW scheint stärker verstrahlt als bislang vermutet. So hätten neue Messungen ergeben, dass hoch radioaktives Jod 131 weiter nördlich ins Meer gelangt ist als zunächst angenommen. Die Kontamination erstreckt sich demnach etwa 1,6 Kilometer weiter nach Norden als zuvor. An der Küste vor den AKW-Blöcken 5 und 6 seien Werte von Jod 131 gemessen worden, die 1150 Mal höher als normal liegen, so der NISA-Sprecher.

In Tokio und in Nagoya im Zentrum des Landes hatten sich am Wochenende jeweils rund 300 Demonstranten versammelt, die ein Ende der Kernkraft forderten. Sie verlangten eine bessere Informationspolitik und marschierten auch am Sitz von Tepco vorbei. Die Protestteilnehmer warnten auch vor enormen Schäden für die Landwirtschaft. Zahlreiche Länder haben bereits Importstopps für japanische Lebensmittel verhängt.

Erneut Erdbeben und Tsunamiwarnung

Eine Frau geht durch den Gang eines Notquartiers (Foto: AP)

Immer wieder schrecken Nachbeben die Bewohner der Krisenregion auf

Derweil kommen die Menschen in der Katastrophenregion im Nordosten Japans nicht zur Ruhe. Am Montagmorgen (Ortszeit) erschütterte ein neues schweres Erdbeben der Stärke 6,5 die Region. Das Zentrum des Bebens lag nach Angaben der nationalen meteorologischen Behörde in knapp sechs Kilometer Tiefe vor der Küste der Unglücksprovinz Miyagi, etwa 163 Kilometer von Fukushima entfernt. Die Behörden gaben eine Tsunamiwarnung aus, diese wurde aber wenig später wieder aufgehoben.

Die Region auf der japanischen Insel Hontschu war am 11. März von einem verheerenden Erdbeben der Stärke 9,0 sowie einem Jahrhundert-Tsunami schwer zerstört worden.

Mehr als 10.800 Menschen verloren ihr Leben, rund 16.000 Menschen gelten weiterhin als vermisst. Noch immer müssen gut 243.000 Menschen in Notunterkünften hausen und werden durch ständige Nachbeben weiter in Atem gehalten.

Autorin: Marion Linnenbrink (afp, dapd, dpa, rtr)
Redaktion: Thomas Grimmer

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