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Deutschlehrer-Info

Voneinander lernen

Das COMENIUS-Programm der EU ermöglicht zukünftigen Lehrern einen Aufenthalt auch in Deutschland. Eine von ihnen ist Magdalena Surowiec aus Polen. Ihr Auftrag: ihre Sprache und Kultur deutschen Schülern nahebringen.

Gemalte Landkarte Europa mit Deutschland und

Nachbarn - und doch gibt's noch viel Unbekanntes

Magdalena Surowiec aus Polen ist 24 Jahre alt. Sie hat in Polen und in Deutschland Germanistik und Deutsch als Fremdsprache studiert. Nach dem Ende ihres Studiums war für sie klar: sie will als Lehrerin an einer Schule unterrichten. In ihrem Heimatland ist es nicht leicht, eine Stelle als Deutschlehrer an einer Schule zu finden. Immer mehr Jugendliche wollen als zweite Fremdsprache Spanisch und nicht Deutsch lernen.

Mit COMENIUS nach Deutschland

Frau Surowiec und drei Schülerinnen reihen mit grammatischen Regeln beschriebene Papierschnitzel aneinander

Auf spielerische Weise deutsche Grammatik lernen

Da kam ihr das COMENIUS-Programm der Europäischen Union gerade recht: "Ich habe eine Anzeige an der Uni gesehen und habe mir gedacht 'Wieso nicht'?", sagt sie. Im Internet informierte sie sich über COMENIUS, wie das Programm verkürzt genannt wird, und bewarb sich. "Denn", so Surowiec, "ich denke, dass nur wenige Leute eine Chance haben, im Ausland zu unterrichten."

Um die 100 Assistenzlehrkräfte aus europäischen Staaten haben seit 2007 jährlich schon an COMENIUS teilgenommen und ihre Assistenzzeit an deutschen Schulen absolviert. COMENIUS ist ein Bestandteil des EU-Programms für Lebenslanges Lernen (PLL), an dem derzeit 33 Staaten teilnehmen. Bis 2013 soll der Austausch von Lernenden und Lehrenden aller Altersstufen sowie die Zusammenarbeit von Bildungseinrichtungen in Europa gefördert werden. Dafür stellt die EU sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Zielgruppen sind Schulen, Hochschulen, Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie der Erwachsenenbildung. Über COMENIUS werden unter anderem Schulpartnerschaften, Assistenzzeiten für angehende Lehrerinnen und Lehrer sowie die Fortbildung von Lehrkräften unterstützt.

"Lerne durch Tun"

Stahlstich von J.A. Comenius

J.A.Comenius: "Lerne durch Tun"

Nicht umsonst wurde das Programm nach dem tschechischen Philosophen und Pädagogen Johann Amos Comenius benannt. Viele seiner humanistischen Prinzipien aus dem 17. Jahrhundert sind auch heute noch ein Bestandteil des Bildungssystems.

Dazu gehört auch das Prinzip "Lerne durch Tun". Und genau das hat Magdalena Surowiec gemacht. Der Pädagogische Austauschdienst vermittelte sie ans Gymnasium Traben-Trarbach. Dort wurde sie direkt im "Förderunterricht Deutsch" in der 5. und 8. Klasse eingesetzt. Sie erklärt nun deutschen Schülern die deutsche Grammatik. Dass sie ihr komplettes Studium in deutscher Sprache absolviert hat, hilft ihr dabei sehr.

Europa leben

Schuldirektor Herrmann

Schuldirektor Herrmann: Wir können voneinander lernen

Eigentliche Aufgabe der AssistenzlehrerInnen ist es jedoch, Unterricht in ihrer Muttersprache zu geben und über ihr Land in Form von Projekten zu informieren. Dass die Projektarbeit nicht immer so einfach ist, macht Schulleiter Heinz Herrmann deutlich: "Zunächst einmal muss man eine Schule finden, die bereit ist, einen Austausch durchzuführen. Dann wird über die Schülerzahl gesprochen, dann werden Projekte aufgelegt und dann muss man – jeder für sich natürlich – Gruppen bilden, die diese Projekte mit Leben füllen." Mit den polnischen Partnern habe er bislang die besten Erfahrungen gemacht. Sie seien sehr zuverlässig.

Magda – wie sie von Ihren KollegInnen genannt wird – hat an "ihrer" Schule in Traben-Trarbach gleich drei Projekte initiiert: eine Brieffreundschaft mit einer Grundschule und einem Gymnasium in Widelka, ein Schulporträt unter dem Motto "Wir und unsere Schulen", das in Kooperation mit der polnischen Partnerschule, dem Gimnazjum nr.1 in Breslau, entsteht sowie einen Rundgang durch die Moselstadt mit ihren rund 6.000 Einwohnern.

Polnische Feste hautnah

Zwei Ziegenböcke unterhalten sich auf einem selbst gemalten Bild. Der eine fragt: War denn der Besuch der Schule früher kostenlos? Der andere antwortet: Nein, das Schulgeld wurde erhoben.

Schule früher und heute

Ganz besonders am Herzen liegt der 24-Jährigen jedoch ihre Polnisch AG. Dort organisierte sie für die Fünft- und Sechstklässler bereits eine "polnische Nacht", in der die Schüler unter anderem eine Polnische Hochzeit feierten. Für den Polnischen Tag des Deutsch-Polnischen Jugendwerks im Sommer 2011 wurden mehrere Veranstaltungen zum Thema "Sitten, Bräuche und Traditionen" vorbereitet.

Die AG kommt bei den 10- bis 12-Jährigen sehr gut an. Was sie besonders mögen sind alte polnische Zeichentrickfilme wie Lolek und Bolek. Aber auch Feste wie das Ertränken der Marzanna zum Frühlingsbeginn oder der Fette Donnerstag zum Ende des Karnevals zeigen den Schülern, dass es bei den Festen gar keine so großen Unterschiede zwischen beiden Ländern gibt. Es wird eben nur anders, und wie eine Schülerin sagt, "viel mehr gefeiert als bei uns".

Viel gelernt

Schülerbild mit zwei Gesichtern als Engel und als Teufel, das im Rahmen des Schulporträt-Pojekts entstand

Mal nett, mal nicht so nett

Wenn Magdalena Surowiec in ihre Heimat zurückkehrt, wird sie viele Erfahrungen mitnehmen. Eine ist für sie jedoch die wichtigste: Sie hat gelernt, wie es ist, auch mit manchmal sehr schwierigen, unruhigen Kindern klar kommen zu müssen. "Jetzt weiß ich", so Surowiec, "wie ich auf das Verhalten der Schüler reagieren muss, jetzt weiß ich, dass ich auf bestimmte Verhaltensweisen sofort reagieren muss, jetzt weiß ich, dass ich auch über Probleme, die ich mit den Schülern habe, mit der Schulleitung sprechen muss."

Und die Schüler? Wie ist die Lehrerin aus Polen bei ihnen angekommen? Die Meinungen sind gemischt. Mancher hat Probleme mit ihrem Akzent oder der Art und Weise, wie sie erklärt. Andere Schüler finden den Unterricht "ganz okay", "manchmal sei sie nett, manchmal nicht so nett". Wie die regulären Lehrer halt auch.

Mal etwas Anderes

Das Gymnasium Traben-Trarbach in einer Außenaufnahme

Bald neue Arbeitsstätte für neue COMENIUS-AssistenzlehrerInnen

Neue AssistenzlehrerInnen werden nach Traben-Trarbach kommen. Auch für sie wird das zutreffen, was für die 24-Jährige galt: Vieles, wenn nicht alles ist neu, unbekannt, anders als im Heimatland. Unsicherheiten und das Gefühl der Einsamkeit müssen überwunden werden. Auch die SchülerInnen müssen sich auf neue LehrerInnen einstellen.

Leonie aus der fünften Klasse sieht das allerdings ziemlich locker, nur eine Bedingung hat sie: Es wäre halt schön, wenn der oder die "Neue" nicht aus Polen käme. Denn das kenne man dann ja schon. "Mich würden eher Leute interessieren, die aus Afrika oder so kommen."

Autorin: Beatrice Warken

Redaktion: André Moeller

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