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Kultur

Von Windeln verweht

Die Beschallung ist gedämpft, das Licht in den Sälen auch und zur Eintrittskarte gibt es die Windel gratis dazu: In mehreren deutschen Städten gibt es seit kurzem so genannte "Kinderwagenkinos".

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Programm für frühkindliche Cineasten?

In den neuen "Kinderwagenkinos" geht es nicht etwa um die frühkindliche, cineastische Bildung der Kleinsten, sondern eher um eine Option für die gestressten oder gelangweilten Großen: "Wir waren die ersten, die das Kinderwagen-Kino in Deutschland angeboten und etabliert haben. Und wir machen es weiterhin einmal im Monat", sagt Torben Scheller vom "Apollo" in Hannover. Dieselben Betreiber haben auch in Hamburg ein monatliches Kinderwagenkino im "Studio Kino".

Sitzreihen im Kino mit Thumbnail

Gedämpfter Ton, gedimmtes Licht und Windeln an der Kasse

Ein "kindgerechtes Ambiente" versprechen die Veranstalter jungen Familien mit Babys, in dem sie sich die aktuellen Kinofilme anschauen können. Dabei müssten sie sich nicht sorgen, dass sich jemand durch Babygeschrei gestört fühlen könnte. Die Kinderwagen werden im Kino geparkt, an der Kasse gibt es kostenlos Windeln und die Filme werden bei verminderter Lautstärke vorgeführt. Der Saal ist während der Vorführung leicht beleuchtet und auch Wickeltische sind in Griffweite.

Vorreiter Schweden und USA

Für viele Eltern ist das Kinderwagenkino die einzige Möglichkeit eines Kinobesuches, ohne einen Babysitter organisieren zu müssen. Dabei könnten sie auch Gleichgesinnte treffen und Kontakte knüpfen, werben die Veranstalter.

Kind im Kinderwagen mit Fast Food

Auch Kinderwagenparkplätze sind vorhanden

Auch im "Babylonkino" in Berlin-Mitte gibt es seit April die ersten Babyvorstellungen. Die Veranstalter arbeiten mit dem Möbelhaus IKEA zusammen: „Die Idee des Kinderwagenkinos hat sich in Ländern wie Schweden oder den USA bereits fest etabliert. Und mit IKEA Berlin ist ein familienfreundlicher Partner mit im Boot“, so Timothy Grossman, zusammen mit Tobias Hackel Geschäftsführer des Traditionskinos.

Im Saal selbst können Kinderwagen in Logen oder am Reihenrand geparkt werden, die Leinwandproduktionen - bewusst keine Action- oder gar Splatterfilme - laufen mit verminderter Lautstärke in einem nicht ganz abgedunkelten Saal, um Lichtreflexe und damit Irritationen für die Kleinsten gering zu halten. Die einzige Schwierigkeit, so Veranstalter Scheller, sei, dass „wir nach Jugendschutzgesetz nur Filme zeigen dürfen, die ab 0 Jahren frei gegeben sind. Daher fallen viele, schöne, durchaus harmlose Filme mit einer FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmswirtschaft, Anm. d. Red.) ab 6 leider weg“.

Schön-Wetter-Event

Wolf Creek Szenenbild Horrorfilm Phantasie Filmfest 2006

Kinderwagenkinos: Keine Horror- oder Splatterfilme

Auch in München können Eltern alle zwei Wochen das Kinderwagenkino im Forum am Deutschen Museum mit ihren Babys besuchen. Martin Danner, Pressesprecher des Hauses, beobachtet dort aber einen merkwürdigen Trend: „Die Vorführungen bei schönem Wetter werden wesentlich besser besucht als die bei schlechtem Wetter. Genau das Gegenteil von dem, was man im normalen Kino kennt. Ich glaube, das liegt daran, dass die Vorführungen als Ereignis wahrgenommen werden. Man verabredet sich und isst nach dem Film gemeinsam in unserem Restaurant zu Mittag. Bei schlechtem Wetter hat man vielleicht keine Lust, das Kind einzupacken und los zu gehen."

Ob "man" das macht, ist allerdings eine gute Frage: "Wir bieten das Kinderwagenkino seit Anfang April alle 14 Tage an", sagt Danner. "Es gab bei den Vorführungen bis zu 25 Besucher. Bis jetzt war lediglich ein Vater da, sonst nur Mütter“.

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