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Wüstenbekämpfung in Marokko

Von Wasser und Tee in Marokko

Mabel Gundlach stand in Agadir buchstäblich im Regen - Schlecht, wenn das Thema "Wüste" ist.

Agadir: Geschäftiges Treiben im Hafen von Agadir. Unzählige Boote und Schiffe legen hier jeden Vormittag an und bringen die Früchte des Meeres ein. Der Fischfang ist einer der wichtigsten Erwerbszweige Marokkos. In diesem nordafrikanischen Land erwarten den Urlauber Gegensätze von krasser Vielfalt.: Bergdörfer vor der Kulisse bizarrer Felsen des Anti-Atlas-Gebirges, goldgelbe Strände, an denen Berber und Araber ihre Kamele und Dromedare zum Ausreiten anbieten, riesige Hotelanlagen, enge, dunkle und quirlige Gassen in der Königsstadt Marakesch mit einem der größten Basare des Landes, über 40 Dreitausender-Gipfel im Hohen Atlas-Gebirge, Moscheen, Paläste und Hütten. (Foto: AP)

Verkehrte Welt

Montag morgen im Hotel in Agadir. Die Stadt an der marokkanischen Atlantikküste ist bekannt für ihr sonniges Klima, weshalb die Touristen Sommers wie Winters in Scharen hierher kommen. Doch heute regnet es und das am ersten Drehtag. Wie aber mache ich einen Film über die Anstrengungen der Bauern, die Wüstenbildung einzudämmen, wenn es schüttet wie aus Eimern? Natürlich lässt sich im Text erklären, dass das kein Widerspruch ist. Dass sintflutartige Regengüsse zum Klimawandel und zur Wüstenbildung gehören wie das Kamel in die selbige. Außerdem habe ich bei meinen Recherchen zuvor auch Fotos gesehen, die regelrechte Überschwemmungen in der Gegend zeigen.

Trockenes Marokko - Unser Team filmt Ziegen beim Dorf Ait Said Ou Youssef (Foto: DW/Mabel Gundlach)

Trockenes Marokko - Unser Team filmt Ziegen beim Dorf Ait Said Ou Youssef

Aber die Bilder! Sie sind es, die überzeugen und wer soll glauben, dass es im Süden Marokkos extrem trocken ist, dass die Gegend von der Wüste bedroht ist, wenn alles wie frisch geduscht aussieht. Der einzige Ausweg: Gelassenheit. Los fahren und darauf hoffen, dass es rechtzeitig wieder aufhört. Und so war es dann auch. Am ersten Drehort im Dorf Ait Said Ou Youssef angekommen, dauert es noch eine halbe Stunde, dann schiebt der Wind die Wolken weg. Und die Sonne lässt bald alles so aussehen wie immer: Sehr trocken!

Flüssiges anderer Art

Frauenkooperative Tamlalt, Reporterin mttendrin (Foto: DW/Mabel Gundlach)

Frauenkooperative Tamlalt, Reporterin mittendrin

Das Wetter-Glück ist uns dann während der gesamten Drehreise hold. Eine andere Konstante: der Tee. Wer je in Marokko war, weiß, ohne Tee trinken geht gar nichts. Jeder Teppichhändler becirct damit Touristen, die ins Land kommen und lotst sie mit einer Einladung zum Tee in sein Geschäft.

Bei unseren Besuchen in den Dörfern gehörte es dazu, eine Art „marokkanische Brotzeit“ einzulegen. Zum Tee, der übrigens von Dorf zu Dorf sehr unterschiedlich zubereitet wird, etwa mit Thymian oder mit Minze, gab es nämlich immer Brot, dazu Honig und Arganöl. Letzteres natürlich selbst produziert - unglaublich lecker und nicht nur einmal mit der Bemerkung „alles Bio“ angeboten. Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, denn einerseits ist ja nicht alles Bio, was aus der Natur direkt auf den Tisch kommt (Pestizide!). Andererseits signalisieren unsere Gastgeber: Wir sind auf dem Laufenden, womit Ihr Euch in Europa da gerade beschäftigt.

Das Einschenken gerät des Öfteren zu einer kleinen Zeremonie. Erst wird der Tee dreimal ein- und wieder zurück gegossen, bevor er dann aus etwa dreißig Zentimetern Höhe mit entsprechender akustischer Begleitung (mächtige Plätschergeräusche!) letztendlich aus der Kanne ins schmale Glas befördert wird. Nur so entsteht der Schaum, ohne den das ganze nur halb so gut schmeckt.

Die Prozedur übernehmen übrigens die Männer. Was sie machen, was Frauen machen - privater Raum, öffentlicher Raum - das läuft in Marokko anders als in Deutschland. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bleibt zum Schluss zu sagen: Die Leute in den Dörfern kennenzulernen, dieses ganz andere Leben zu beobachten, hat viel Spaß gemacht. Ich werde bestimmt wiederkommen!

Autorin: Mabel Gundlach

Redaktion: Klaus Esterluß