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Ostmitteleuropa

Von Veszprém nach Budapest

- Zehn Jahre WAZ-Gruppe in Ungarn

Budapest, 23.6.2003, BUDAPESTER ZEITUNG, deutsch, Jan Mainka

Seit 1993 gehört die WAZ-Gruppe zu den bestimmenden Akteuren auf dem ungarischen Zeitungsmarkt. In vier westungarischen Komitaten gibt die ihr gehörende Holding, Pannon Lapok Társasága, fünf Tageszeitungen heraus. Mit dem Erwerb von 75 Prozent an dem wöchentlich erscheinenden Wirtschaftsmagazin HVG hat die Firma Mitte Juni nun auch auf dem Budapester Pressemarkt Fuß gefasst. Weitere Akquisitionen schließt Geschäftsführerin Judit Kázmér nicht aus.

Bereits 1992 hatte die WAZ-Gruppe ihre Fühler nach Ungarn ausgestreckt. Damals standen die ehemaligen Bezirkszeitungen der ungarischen kommunistischen Partei zum Verkauf. Da die WAZ seinerzeit bereits in Österreich aktiv war, interessierte man sich besonders für die Zeitungen in den grenznahen und zugleich auch kaufkräftigsten westungarischen Komitaten. Innerhalb kürzester Zeit erhielt die Gruppe den Zuschlag für die Zeitungen der Komitate Vas, Zala, Veszprém und Fejér. Lediglich im attraktiven Komitat Gyõr-Moson-Sopron kam die WAZ vor allem wegen zu knapper eigener Managementkapazitäten nicht zum Zuge.

Hier konnte sich die britische Daily Mail Group einkaufen. "Die Idee, auch eine Zeitung in diesem Komitat zu erwerben und damit ein geschlossenes Zustellgebiet zu bekommen, wurde von uns aber nie aufgegeben", so die Geschäftsführerin vielsagend.

Die dringlichste Aufgabe nach der Übernahme bestand im Aufbau eines eigenen, von der Post unabhängigen Zustelldienstes. (...) Im April 1994 wurde in Veszprém der Aufbau einer modernen Druckerei begonnen. Bereits im Herbst des darauffolgenden Jahres konnten alle eigenen Zeitungen hier gedruckt werden. Inzwischen stoße man wieder an Kapazitätsgrenzen. So wird ab dem kommenden Jahr auf einem Nachbargrundstück eine weitere Druckerei errichtet. Ende 2005 soll sie den Betrieb aufnehmen. (...)

Viele ungarische Mitarbeiter erhielten Trainings bei ihren WAZ-Kollegen in Deutschland und Österreich. 1993 wurde eine Verlagsholding mit Sitz in Veszprém gegründet, die bald darauf den Namen Pannon Lapok Kft. (PLT) annahm. Eine wesentliche Änderung war 1995 die Einrichtung einer zentralen Redaktion in Veszprém. Hier werden inzwischen die überregionalen Teile der fünf Zeitungen produziert. Durch diese Rationalisierungen verminderte sich die Zahl der Mitarbeiter von mehr als 600 vor allem durch natürliche Fluktuation auf heute 514. (...)

Zurzeit erscheinen die fünf Titel des Verlags in einer verkauften Auflage von 227.000 Exemplaren. 87 Prozent davon gehen an Abonnenten, was gemessen am Landesdurchschnitt ebenfalls ein Spitzenwert ist. Den ersten Platz hält Vas Népe mit einem Abo-Anteil von 93 Prozent. Als Beilage zu den Zeitungen erscheint seit 1994 die farbige Fernsehzeitung RTV-Tipp. Neben den Kaufzeitungen gibt die Holding seit 1995 im Rahmen ihrer eigens gegründeten Marathon-Gruppe verschiedene Gratiszeitungen mit einer wochentäglich erscheinenden Gesamtauflage von 390.000 Exemplaren heraus. Gemeinsam mit dem Axel-Springer-Verlag verlegt die Holding weiterhin die Sonntagszeitung Vasárnap Reggel. (...)

Nachdem die WAZ-Gruppe ihre ungarischen Zeitungen konsolidiert hat, hält sie nun nach weiteren interessanten Printmedien Ausschau. Zielrichtung ist neben dem Komitat Gyõr-Moson-Sopron nicht zuletzt Budapest. Nicht von ungefähr hat die strategische Leitung der Holding hier ihren Sitz. "Der kürzlich erfolgte Einstieg in das erfolgreiche Wirtschaftsmagazin HVG ist sicher nicht das Ende unserer Einkaufsaktivitäten in Ungarn", ist sich Judit Kázmér sicher. Man beobachte alle Entwicklungen auf dem ungarischen Printmedienmarkt sehr genau. Besonders eine Budapester Tageszeitung würde noch gut ins Portfolio der Holding passen. Dass es sich dabei auch um die Népszabadság handeln könnte, wollte die Geschäftsführerin nicht dementieren. (fp)

  • Datum 24.06.2003
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