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Filme

Von Teheran in den Westen und zurück

Marjane Satrapi erzählt in ihren Comics mit Charme und Selbstironie von ihrer Kindheit in Teheran und Jugend in Europa. Die Zeichentrickverfilmung des Comics wurde mit dem großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichnet.

Filmszene aus Persepolis, Foto: PROKINO Filmverleih

Musik kennt keine Grenzen: Auch in Teheran hört man westliche Popmusik!

In "Persepolis" wird die iranische Geschichte der 1970er und -80er Jahre aus der ganz persönlichen Sicht eines aufwachsenden Mädchens erzählt. Mit dem gleichnamigen Comicbuch gelang der Autorin Marjane Satrapi bereits ein Bestseller, nun hat sie in gemeinsamer mit Regie mit Vincent Paronnaud ihre autobiografisch geprägte Erzählung einer Jugend zwischen religiöser Diktatur und westlichem Einfluss zum Film gemacht. Die in Frankreich lebende Iranerin verbindet in ihren Comics ihre Geschichte als rebellierendes Kind in Teheran und Jugendliche in Wien mit den politischen Ereignissen ihrer Heimat.

“Persepolis“ erzählt von der achtjährigen, temperamentvollen Marjane, die in einer gut situierten und weltoffenen Teheraner Familie aufwächst. Mit halbem Ohr schnappt sie die Horrorgeschichte ihres kommunistischen Onkels von der Folter in den Gefängnissen des Schahs auf. Doch kaum bejubelt die Familie den Sturz des Schahs und die neue Regierung, wird der Lieblingsonkel erneut verhaftet und kommt schon bald in den Gefängnissen der religiösen Diktatur um. Der neuen Realität unter den Mullahs, dem irakisch-iranischen Krieg und den Bomben auf Teheran begegnet das pubertierende Mädchen mit privater Rebellion mittels Rockmusik und Parolen auf T-Shirts.

Selbstironischer Blick auf Leben im Iran

Filmszene aus Persepolis, Foto: PROKINO Filmverleih

Sie ist 14 Jahre alt, als der Irak den Iran angreift. Aus Sorge, Marjanes Widerspruchsgeist könne ihr zum Verhängnis werden, schicken die besorgten Eltern ihre Tochter in ein französisches Internat nach Wien. Sie erlebt eine typisch westliche Jugend, erzählt aus dem Blickwinkel eines iranischen Mädchens. Doch vom Heimweh getrieben, kehrt Marjane nach wenigen Jahren in den Schoß der Familie zurück. Aber das Leben im Iran ist inzwischen nicht einfacher geworden. Auflehnung, Flucht in den Westen, Rückkehr, Versuch der Anpassung und erneute Flucht: Der Film greift mit seinem selbstironischen Erzählstil den Tonfall der Comics auf und macht das alles durchdringende Fremdheitsgefühl Marjanes in beiden Welten hautnah spürbar.

Filmszene aus Persepolis, Foto: PROKINO Filmverleih

An den Schulen herrscht Zucht und Ordnung

Die Verfilmung des überwiegend in schwarz-weiß gehaltenen Films ist so brillant, dass sie für Frankreich in die Vorauswahl zur Oscar-Nominierung geht und auf den Europäischen Filmpreis hoffen kann. In Cannes gab es den Großen Preis der Jury. Im französischen Original sind Chiara Mastroianni und deren Mutter Catherine Deneuve zu hören. In der deutschen Fassung haben Nadja Tiller und Jasmin Tabatabai den Hauptfiguren ihre Stimmen geliehen.

"Lachen kann eine subversive Waffe sein"

Mit ihrem Film wolle sie nicht den Konflikt mit dem Iran nähren, sagte Autorin Satrapi in Cannes zu ihrem Film. "Mein Job ist es, Leute zum Lachen zu bringen - Lachen kann eine sehr subversive Waffe sein." Stattdessen wolle sie die menschliche und universelle Seite des Films hervorheben – "und dass er vielen Klischees widerspricht, die man über den Iran hat".

Dementsprechend hat Satrapi auch den Titel des Comics gewählt: Die Griechen nannten die einst prächtige persische Stadt Parseh “Persepolis“. Ihre Ruinen gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Sie sind ein Sinnbild dafür, dass der Iran weit mehr ist als Kopftuch, Mullahs und Sittenwächter. Marjane Satrapi gelingt es auf unaufdringliche Weise, ein differenziertes Bild vom Iran zu zeichnen. (alz)

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