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Musik

Von Teheran auf deutsche Opernbühnen

Teherans Norden ist das Terrain der Reichen und Schönen. Der Süden gilt als arm und gefährlich. Mohsen Rashidkhan ist hier geboren. Heute ist er Opernsänger in Deutschland - und gefährlich für die Konkurrenz...

Mohsen Rashidkhan (Foto: DW/Reyhaneh Azizi)

Singen, Opern, Musik – darum dreht sich das Leben von Mohsen Rashidkhan. Seit sieben Jahren studiert der Iraner an der Folkwang-Hochschule in Essen klassischen Gesang. Mohsen Rashidkhan fühlt sich magisch von Opern angezogen. Musik spielt auch im Iran eine große Rolle, das so genannte Taazieh hat eine lange Tradition. Ein religiöses Drama, aufgeführt von einem Sänger mit Orchester. Der Sänger schluchzt und singt und erzählt dabei die Leidensgeschichten von Imam Hussein - das Publikum weint mit. "Taazieh ist insbesondere im Süden Teherans präsent. Da wir hier Sänger und Orchester haben, ist es wie eine Oper", erklärt Mohsen.

Der Weg ins Ausland

Mohsen Rashidkhan bei der Aufführug von dem Mozart-Stück Cosi fan tutte an der Folkwang-Hochschule in Essen. Der Mann im beige Gewand ist Rashidkhan. (Foto: Reyhaneh Azizi)

Der Mann in beige ist Mohsen

Mohsen Rashidkhan wurde damals klar: Er will Gesang studieren. Das Problem: Im Iran kann man keine akademische Gesangsausbildung absolvieren. Wer Sänger werden will, muss Privatstunden nehmen, das reichte ihm nicht. Er ging nach Deutschland, um hier seinen Traum von einer Karriere als Opernsänger zu verwirklichen. Worauf er sich da eingelassen hat, wurde ihm erst bewusst als er in Essen ankam. "Ich habe die Unterschiede der westlichen und orientalischen Musik zunächst sehr stark gespürt. Von dieser Welt in die andere einzutauchen, fiel mir zu Beginn sehr schwer", sagt er.

"Ich bin ein Teil dieser Gruppe"

Aber Mohsen Rashidkhan wurde schnell Teil der Studentengemeinschaft in Essen. "Ich sitze nicht im Elfenbeinturm!", lächelt er. Das geht auch gar nicht, denn gerade beim Gesangsstudium ist es wichtig, zusammen zu üben, sich gegenseitig zu kritisieren und sich helfen zu lassen. Immer wenn eine Aufführung an der Hochschule ansteht, stehen auch gemeinsame Proben auf dem Stundenplan. Gerade findet die Generalprobe von Mozarts Oper "Cosi fan tutte" statt.

Der iranische Tenor Mohsen Rashidkhan bei der Aufführung von dem Mozart-Stück Cosi fan tutte an der Folkwang-Hochschule in Essen. Der Mann im beige Gewand ist Rashidkhan. (Foto: Reyhaneh Azizi)

Tenor Mohsen Rashidkhan bei den Proben

Statt eines albanischen Geschäftsmanns, wie Mozart sich das vorgestellt hat, kommt Mohsen Rashidkhan als iranischer Händler auf die Bühne. Das war eine Entscheidung von Mascha Pörzgen, der Regisseurin der Oper: "Die Oper handelt von zwei Männern, die sich verkleiden. Und wir sind bei dieser Verkleidung zu deren Ursprung zurückgekehrt", erklärt sie. "Mohsen kommt als ein Iraner auf die Bühne und sein Kollege, der aus Korea kommt, als ein Koreaner."

Sein Anders-Sein hat Mohsen Rashidkhan längst akzeptiert. Mehr noch, er sieht es als Vorteil, dass er anders aufgewachsen ist und andere Erfahrungen hat als seine deutschen Kommilitonen. "Uns wurden in unserer Kultur bestimmte Verhaltensweisen aufgezwungen, wie beispielsweise Gewalt oder wir haben Armut erlebt oder viele andere negative Dinge. Das kann einem Schauspieler oder einem Sänger auf der Bühne helfen, diese negativen Energien in eine positive Richtung einzusetzen", erzählt er.

Oberstes Ziel: Solist werden

Mohsen Rashidkhan bei der Aufführung von dem Mozart-Stück Cosi fan tutte an der Folkwang-Hochschule in Essen (Foto: DW/ Reyhaneh Azizi)

Aus dem Anderssein einen Vorteil ziehen

Diese Erfahrungen nutzt Mohsen Rashidkhan, um seinem Ziel ein Stückchen näher zu kommen - eines Tages als Solist auf der Bühne eines namhaften Opernhauses zu stehen. "Ich bin mit einem großen Ziel nach Deutschland gekommen und das Erreichen dieses Ziels ist sehr, sehr schwer, aber zumindest bin ich auf dem Weg dahin", sagt er optimistisch. Die, die ihn bis jetzt gehört haben sind sich sicher, dass er sein Ziel erreichen wird.

Autorin: Reyhaneh Azizi

Redaktion: Gudrun Stegen/Marlis Schaum